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04. April 2016

Passepartout: Das Stand-Up-Paddle-Tagebuch

Micheline Hauchecorne ist vom Atlantik zum Mittelmeer gepaddelt, durch den Canal des Deux Mers. Hier sehen Sie Ihr Video-Tagebuch zur 400 Kilometer-Reise – rechts das Porträt («Paddeln von Meer zu Meer») im Migros-Magazin.

21. April 2016

14 :11 Uhr Ankunft in Port la Nouvelle nach 451 km, 147 Schleusen und 171‘000 Paddelschlägen. Ich bin so glücklich! Es ist ein überwältigendes Gefühl nach so vielen Tagen im Canal des Deux Mers ins Meer zu paddeln .

Ein grosser Dank geht an meine treusten Begleiter und Unterstützer. Danke, dass ihr immer bei guter Laune gewesen seid und dass euch die viele Arbeit nie zu viel wurde. Danke für eure nie versagende Kreativität, für die Fotos und Videoclips. Danke, dass ihr für mich immer nur das Beste wolltet. Jörg und Ueli, ohne euch hätte ich mein Ziel nie erreicht!

Jörg Husi, my Love, Fotograf, Back-Office und unermüdlicher Logistiker. Ueli Schmocker, Freund, Kapitän der Pénichette, Drohnenflieger, Streckenplaner und Midi-Kenner. Ein Team mit viel Herzblut für dieses Abenteuer ... Für mein PASSEPARTOUT-16-SUP-Projekt. Zwei Meere, eine Wasserstrasse.

Ein herzliches Dankeschön auch an Paul Urech für das Coaching und Masseur Jerome Tobler, dafür dass ihr mich vor meinem Start in Form gebracht hattet. Danke an alle, die mich unterstützt haben und die mir gutes Gelingen und Kraft gewünscht haben. Es hat mir geholfen, die Strecken zu überwinden, in denen meine Kraft abgenommen hatte.

Es war eine spannende Zeitreise mit dem SUP auf dem Wasserweg «entre les deux Mers».

20. April 2016

Das Wetter war viel viel besser als die Prognosen. Es regnete nicht, sondern war nur bedeckt und teilweise wollte sogar die Sonne zusehen, wie ich mit dem starken und sehr böigen Gegenwind kämpfte. Nach dem Passieren der sechs aufeinanderfolgenden Schleusen im Abstand von je 500 Metern kam der Wind jedoch erst richtig los.

Das Paddel fest in der Hand – jeder Paddelschlag musste präzis in der Führung sein. Der starke Wind würde es mir sonst aus der Hand reissen, und es mir gegen Brett oder Beine schlagen. Kilometer um Kilometer schob ich mich nach Narbonne vor. Mir ging es einigermassen gut – nicht aber meinem Begleitboot.

Wir hatten schon zuvor Probleme mit dem Bugstrahlruder, nun fiel es jedoch komplett aus. Mit so viel Seitenwind wird das Steuern der Pénichette, ohne Bugstrahlruder, mit ihren 15 Meter Länge schwierig. In Narbonne angekommen, mussten wir einen ungeplanten Boxenstopp einschalten – vor der Schleuse in der Stadtmitte. Ein Mechaniker musste her.

Nach 2 Stunden war das Boot steuerfähig und es konnte wieder weitergehen. So ein ungeplanter Unterbruch wirft mich aus dem Rhythmus, weshalb wir erst gegen Abend am Etappenziel ankamen. Die letzte Nacht vor dem Ziel steht an. Ich bin sehr gespannt auf dem Moment, wenn ich aus dem Canal de Robin ins Mittelmeer paddeln werde und hoffe, dass mir das Wetter keinen Streich spielt.

19. April 2016

Noch 40 Kilometer bis ans Mittelmeer. Das Wetter hat sich verschlechtert. Wir rechnen mit starkem Regen, Seiten- und Gegenwind. Aber die Zielstrecke liegt vor mir.

18. April 2016

Bis zum heutigen Tag konnte ich den gesteckten Zeitplan einhalten. Für die letzten zwei Etappen sieht die Wetter-Langzeitprognose allerdings nicht gut aus. Wir müssen mit starken Regenfällen und sehr viel Wind aus Osten rechnen. Wir haben uns deshalb entschieden, der heutigen Etappe noch einige Kilometer anzuhängen – damit die letzten Etappen kürzer ausfallen werden.

So wird das paddeln bei Regen und Wind realisierbarer. Wettermässig kann sich noch viel ändern. Ich bin aber grundsätzlich froh, dass es Langzeitprognosen gibt. So habe ich die Möglichkeit, mich mental darauf vorzubereiten.

17. April 2016

Es gibt Tage da paddelt es sich ganz gut und alles läuft wie am Schnürchen. Aber plötzlich ist alles anders: Die Umstände sind mühsam, das Paddeln doppelt so anstrengend meine Kraft zerrinnt wie ein Stück Zucker auf der Pastis-Gabel. Da hilft nur noch eins: Durchhalten!

Doch meine Gefühle drehen sich auch in die andere Richtung: Was gestern noch mühsamer Kampf gegen Wind und Umstände war, ist heute wie weggewischt. Kein Tag gleicht dem anderen, jeder Tag will aufs Neue erfahren werden

16. April 2016

15. April 2016

14. April 2016

Nach dem allmorgendlichen Stretching geht es ab aufs Brett. Ein prachtvoller Frühlingstag erwartet mich. Nach einer Stunde paddeln setzt Wind ein ... starker Gegenwind. Seit Toulouse paddle ich durch den Canal du Midi, dessen Verlauf sehr kurvig ist.

Ich versuche möglichst nahe am Ufer zu paddeln, um mich in der Abdeckung der Sträucher vor dem Wind zu schützen. Gegen Abend erreiche ich das Tagesziel. Der Ruhetag steht vor mir. Ich freue mich darauf.

13. April 2016

12. April 2016

6.30 Uhr: mein Blick schweift auf das Wasser ... Strömung! Der Regen hat über Nacht den Fluss anschwellen lassen. Meine Gedanken kreisen. Heute sind 30 Kilometer sind angesagt und nun diese Gegenströmung. Ich muss mich fokussieren, um nicht gleich in einen Strudel negativer Gedanken zu verfallen. Frühstücken und aufs Brett, möglichst früh – denn die 12 Schleusen brauchen Zeit.

Heute ist mentale Stärke gefragt. Nach einigen Kilometern setzt auch noch leichter Gegenwind ein. Das sind Faktoren die mühsam sind. Bloss nicht nachdenken, einfach nur paddeln, Freude haben an der Sonne und dem Gesang der Lerche zuhören. Bei der dritten Schleuse klemmt das Schleusentor und mein Begleitboot muss warten und so auch ich.

Mein Kopf will sich ärgern, aber das bringt nichts. Geduld haben, mich entspannen und die Pausen zur Erholung nutzen. Sobald es doch noch weitergeht, nähern uns Toulouse. Es ist speziell: Verstopfte Strassen, viel Verkehr und ich kann ungehindert Richtung Stadtzentrum paddeln. Die Schleusen sind sehr hoch, bei zwei davon musste ich mit dem Brett auf das Boot, da ein Ausstieg nicht möglich war. Mit dem Stand-Up-Padadle vor dem Hauptbahnhof unterwegs sein, ist schon noch abgefahren ...

Nach einer Tagesetappe von 36 Kilometern bin ich bin im Herzen von Toulouse angekommen. Es war ein langer, eindrücklicher Tag.

11. April 2016

Der regnerische Morgen schlug schnell in einen sonnigen Tag um. Die 25 Kilometer lange Paddelstrecke war gespickt mit Schleusen. Solche Etappen sind für mich anstrengend, da ich bei jeder Schleuse eine passende Stelle zum Auswassern suchen muss. Grosse Grasbüschel zum Beispiel sind dann bevorzugte Trittflächen zum Aussteigen.

Je nach der Begebenheit des Ufers geht das relativ einfach – sonst wird zur mühseligen Kraxlerei, notabene mit dem Board unter dem Arm. Dann umgehe ich jeweils auf rund 100 Metern die Schleuse bis ich wieder einwassern kann. Die näschste Etappe bis Toulouse wird 12 Schleusen haben – also gehe ich insgesamt rund 1,2 Kilometer zu Fuss.

10. April 2016

9. April 2016

Die heutige Teilstrecke ist genau so grau wie das Wetter. Zu meiner rechten Seite die Eisenbahnlinie – zur Linken die Autostrasse. Und ich paddle im Regen auf der Wasserstrasse gegen Süd-Osten. Was gestern noch Natur pur war, ist heute Industrie und Eintönigkeit. So ein Tag ist nur mit Musik in den Ohren erträglich ... Der Dauerregen weicht meine Hände auf; jetzt nur keine Blasen kriegen! Am Ziel der Tagesetappe in Valence d‘ Agen angekommen, heissts nur noch ab unter die Dusche auf unserem Boot und ein gutes Essen kochen.

8. April 2016

Auf halbem Weg zwischen Bordeaux und Toulouse erreiche ich Agen, die 2000 jährige regionale Hauptstadt. Auf der Kanalbrücke mit ihren 23 Jochfeldern und einer Gesamtlänge von 500 Meter paddelt es sich einfach über die Garonne in die Stadt.

7. April 2016

25 km paddeln im Regen und Wind aus allen Richtungen – hoffe auf besseres Wetter. Nachtlager in Buzet sur Baise. Dieser Garonne – Seiten – Kanal wurde erst 1856 gebaut und hat vor allem die Entwicklung des Handels gefördert. Heute ist der Ort auf der ganzen Welt für seine Weine bekannt.

6. April 2016

5. April 2016

Das letzte Flussstück vor der ersten Schleuse ist geschafft – die Garonne liegt hinter mir. Es war eine kurze Strecke, jedoch mit viel Gegenströmung.

In diesem Abschnitt half mir die Flut vom Atlantik nicht mehr. Drei Stromschnellen forderten mich auf das Brett zu verlassen, es unter den Arm zu klemmen und durch die Strömung zu waten: Die Garonne ist wunderschön doch nicht zu unterschätzen.

4. April 2016

Start um 14.10 Uhr – die Flut stoppt die Fluss-Strömung. Gegen meine Erwartung bremste mich der einsetzende starke Gegenwind in der Geschwindigkeit und es brauchte mehr Kraft beim paddeln. Ich kam nicht so zügig vorwärts wie geplant, Wind und Regen waren meine Begleiter. Deshalb reichte nicht ganz bis Castet en Dorthe.

3. April 2016

Micheline Hauchecorne unterwegs
Micheline Hauchecorne unterwegs

Ankunft am Canal des Deux Mers und einpaddeln auf dem Canal de Garonne.