Archiv
23. September 2013

Papi-Zeit tut gut

Arbeitet der Vater zuviel, reagieren Buben viel öfter mit auffälligem und asozialem Verhalten als Mädchen.

Elternzeit tut den Kindern gut. Ist 
der Vater mehr als 55 Stunden pro Woche abwesend, kann sich das negativ auf seine Söhne auswirken (Bild: Getty Images).

Eine australische Langzeitstudie verglich die Arbeitsstunden der Eltern mit dem Verhalten ihrer fünf bis zehn Jahre alten Kindern. Dabei fiel auf: Arbeitet der Vater mehr als 55 Stunden die Woche, sind Buben häufiger aggressiv und asozial. Bei den Mädchen hingegen gabs keine Auffälligkeiten.

Abwesende Väter scheinen bei ihren Buben Aggressionen auszulösen, dies legten schon frühere psychosoziale Studien nahe, weiss Diana Baumgarten (37), Soziologin an der Universität Basel. Aber: «Warum das so ist, weiss man nicht.» Es gibt nur Vermutungen. «Man kann das mit gängigen Klischees erklären: Etwa, dass der Junge ein männliches Vorbild braucht oder dass Kindergärten und Grundschulen zu stark feminisiert sind.» Doch das greift zu kurz. «Warum ein Junge sich aggressiv verhält, hängt stark von der gesamten Familiensituation und vom sozialen Umfeld ab», sagt Diana Baumgarten. «Arbeitet der Vater sehr viel, kann es sein, dass eine unzufriedene oder überforderte Mutter zu den Kindern schauen muss.»

Möglichweise drücken Buben ihr Vermissen auch anders aus als die Mädchen. «Wir erziehen Buben so, dass sie ihre Gefühle externalisieren – aus Trauer oder Frust wird Wut, Aggression oder Aktivität.» Unbestritten ist aber, dass Knaben wie Mädchen ihre geschlechterspezifischen Bezugspersonen brauchen. «Kinder werden in ihren Geschlechterrollen sozialisiert», sagt Diana Baumgarten. «Im Alter zwischen fünf und zehn Jahren wollen Kinder wissen, wie sich ein typischer Knabe oder ein typisches Mädchen verhält.» Männliche Vorbilder oder Vergleichsbeispiele gibt es aber überall im Alltag, Kinder wachsen nicht abgeschottet auf.

Der Faktor Zeit sei aber elementar, um eine intime Beziehung aufbauen zu können: «Quantität ist wichtiger als Qualität.» Ein häufig abwesender Vater hat Mühe, zu seinen Kindern eine wirklich nahe Beziehung zu entwickeln.

Autor: Claudia Langenegger