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30. März 2015

Outdoor muess es sy!

Bänz Friedli
Bänz Friedli ist gern an der frischen Luft.

Am Radio zanken zwei darüber, ob es schon Frühling sei oder noch Winter. Ein Moderator besteht darauf, den Nachmittag kurzärmlig im Garten zu verbringen, und beteuert, er habe schon letzten Samstag den Grill ausgewintert. Die andere Moderatorin aber will noch mal in die Berge fahren und unbedingt bis auf das letzte verbliebene Fleckchen Schnee die Pisten geniessen … Erst wenn alle Gondel- und Sesselbahnen den Winterbetrieb eingestellt hätten, sei sie bereit für den Frühling, verkündet sie. Und als Wintersportfreak bin ich geneigt, ihr recht zu geben …

Bänz Friedli ist gern an der frischen Luft.
Bänz Friedli ist gern an der frischen Luft.

Andererseits mag ich es ja auch, wenn hier drunten in der Stadt die milde Sonne scheint und auf dem Balkon Hyazinthen spriessen. Man kann ja schliesslich das eine tun und das andere nicht lassen. Im T-Shirt Velo fahren und das Snowboard dennoch griffbereit halten. «Tüet doch nid stürme!», würde ich ihnen am liebsten zurufen, in Erinnerung an einen Werbespruch meiner Kindertage: «Tüet doch nid stürme! Kafi isch guet, Tee isch guet – Indor muess es sy», hiess es damals. Und solche Slogans brennen sich einem ja lebenslang ein. «Tüet doch nid stürme!», möchte ich den beiden Radiomenschen nun sagen; egal, ob Winter oder Frühling: «Outdoor muess es sy!» Hauptsache, Bewegung an der frischen Luft. Natürlich freue ich mich darauf, bald wieder draussen auf dem Rasen Fussball spielen zu können, in meinem Revier hinten rechts zwischen Sechzehner, Seiten- und Mittellinie (und selten darüber hinaus). Vorher aber mache ich mich, das Brett unterm Arm, an einem schönen Tag noch mal Richtung Bündnerland auf. Im Dorflädeli lege ich einen Zwischenstopp ein, schon kommt Filialleiter Lombris angerannt: «Siie sin doch dee vu dr Zyytig?» Bald umringt mich die halbe Belegschaft, und eine Kassierin fragt aufgeregt: «Händ Siie s gseh?»

Was soll ich gesehen haben? Dass die Bananen nun auch bei ihnen die Nummer 1 seien! Weil ich hier berichtet hatte, ich hätte im Laaxer Volg auf der Obst- und Gemüsewaage reflexartig die 1 gedrückt, um Bananen zu wägen, es sei aber ein Preisschild für Boskoop herausgekommen, haben sie eigens umgestellt. Nun ist die Banane auch bei ihnen Nummer 1, wie in Rom, Chicago, Stockholm, wie beinahe überall. Meine Bündner, mal wieder … spontan; herzlich; die besten Gastgeber, die man sich als Unterländer wünschen kann. Ich bin gerührt.

Nur bin ich jetzt, da sie es getan haben, fast ein bisschen enttäuscht. Denn dass die Sursilvaner unter der Nummer 1 einen Apfel führten und nicht, wie der Rest der Welt, die Banane, zeigte doch irgendwie ihre Einzigartigkeit. Aber der Frühling, der kann jetzt meinetwegen kommen.

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Autor: Bänz Friedli

Fotograf: Bänz Friedli