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03. März 2014

Origami-Meister Sipho Mabona: Vielfältige Papierkunst

Der Luzerner Sipho Mabona zählt zu den weltweit bekanntesten Origami-Künstlern. In Beromünster hat er einen lebensgrossen Elefanten ganz aus Papier gefaltet. Der 100 Kilo schwere Dickhäuter gehört zu den grössten Origamis der Welt.

Sipho Mabona richtet das Bein des Elephanten.
Der Luzerner Künstler Sipho Mabona arbeitet an seinem weissen Riesen. Er besteht aus einem besonders stabilen Spezialpapier.

Eigentlich ist Origami eine äusserst filigrane Kunst. Dabei verwandelt sich durch präzises Falten ein dünnes Stück Papier in Objekte oder Tiere wie Heuschrecken, Nashörner oder Schwalben. Für den Luzerner Origami-Künstler Sipho Mabona (34) waren die letzten vier Wochen ein Krampf. Mabona nahm sich vor, einen Elefanten zu falten. «Ich wollte die Grenzen der Origami-Kunst ausloten. Dabei sollte der Papierelefant lebensgross sein – also rund drei Meter hoch und vier Meter lang. «Der Elefant ist für mich ein Sinnbild für Kraft, Grösse und Ruhe», sagt Mabona. Eigenschaften, die er in den vergangenen Tagen selber an den Tag legen musste. Denn um aus einem 15 mal 15 Meter grossen Spezialpapier einen Dickhäuter zu machen, gibt es kein bestimmtes Vorgehen. «Wir mussten viel improvisieren. Das hat manchmal ziemlich Nerven gekostet.»

Sipho Mabona beim Falten des Papiers für den Elephanten.
Konzentration, Kraft, Fingerspitzengefühl: Sipho Mabona bei der Arbeit. Bis der Elefant fertig war, dauerte es vier Wochen.

Papierhandtaschen für Gucci, Papierschuhe für Asics

Der gut 100 Kilo schwere Elefant, der in einer grossen Halle im Kunst- und Kulturhaus des Landessenders im luzernischen Beromünster steht, ist bis jetzt Mabonas grösstes Projekt. Bereits seit sechs Jahren verdient der Luzerner mit südafrikanischen Wurzeln seinen Lebensunterhalt mit dem Falten von Papier. Mittlerweile gehört er zu den weltweit bekanntesten und erfolgreichsten Origami-Künstlern.

Mabona hat für Werbekampagnen Papierhandtaschen für Gucci gefaltet oder Schuhe für die Marke Asics. Er stellte unter anderem in Galerien in Tokio sowie London und in einem Museum in Los Angeles aus und ist ein gefragter Mann in Japan, dem Mutterland der Origami-Kunst. «Ich versuche, einen Mittelweg zu finden zwischen Kunst und Kommerz. Dass man mit seiner Kunst Geld verdienen muss, wird von vielen Künstlern tabuisiert. Mit den Werbeaufträgen kann ich meine Kunst, meine Träume finanzieren.»

25 000 Franken mit Crowdfunding

Bei seinem Elefantenprojekt setzte Mabona aber ganz auf Crowdfunding. Innerhalb eines Monats sammelte er rund 25'000 Franken – so viel kosteten der Herstellungsprozess und das Material für den Elefanten. Allein für das Papier, eine Sonderanfertigung aus den USA, musste Mabona 13'000 Franken berappen. «Ich habe mich gefreut, dass so viele mein Projekt unterstützten. Aber man darf den Aufwand nicht unterschätzen. Wer eine grössere Summe spendete, bekommt ein Origami geschenkt. Die muss ich alle noch falten.»

Dass Mabona mal einen lebensgrossen Elefanten falten würde, hätte er wohl zu Beginn seiner Karriere nicht gedacht. Angefangen hat alles mit Papierfliegern. «Als Kind habe ich immer komplexere Papierflieger gefaltet. Sie waren das perfekte Spielzeug: Sie haben fast nichts gekostet, und man brauchte nur einen Bogen Papier», sagt Mabona. Später, in der Ausbildung zum Lehrer, wollte er die Flieger nach seinem eigenen Faltmuster kreieren. Durch Bücher entdeckte er, dass er nicht nur Flieger, sondern alles Mögliche falten könnte. «Heute kannst du Hunderte Videos auf Youtube anschauen, die zeigen, wie man ein Origami kreiert. Aber vor mehr als zehn Jahren musstest du Bücher wälzen, die nicht einfach zu verstehen waren.»

Der weisse Riese darf bis auf weiteres in Beromünster bleiben

Mabona hat sich durch die komplexen Vorlagen durchgekämpft und ist mittlerweile selbst jemand, dessen eigens kreierte Faltmuster von Origami-Begeisterten auf der ganzen Welt nachgefaltet werden. Dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. «Praktisch alles lässt sich aus Papier falten», sagt Mabona. In seinem Atelier finden sich Heuschrecken oder Koi-Fische, Stiere, Gottesanbeterinnen oder Eisbären.

Wer den Elefanten haben will, muss die Wand herausbrechen.

In einer Ecke steht ein kleiner, weisser Elefant, dessen grosser Bruder sich nun in Beromünster befindet. «Ich bin froh, dass alles so gut geklappt hat. Am Anfang war ich mir nicht sicher, ob der grosse Elefant überhaupt stehen wird.» Mittlerweile ist der weisse Riese dem Künstler ans Herz gewachsen. Schliesslich hat er täglich zwei bis vier Stunden an ihm gearbeitet. «Er ist schon ein bisschen mein Baby.» Eines, das er aber durchaus bereit ist, wegzugeben. Einen Käufer hat Mabona noch nicht gefunden, einen Preis dafür will er nicht nennen. Wer das Riesen-Origami erwerben will, steht vor einer besonderen Herausforderung: Durch die Tür passt der Dickhäuter nämlich nicht. «Wer ihn haben will, muss die Wand herausbrechen.» Findet sich kein Käufer, landet der Elefant nicht etwa im Papierkorb. «Er darf bis auf Weiteres hier in Beromünster bleiben.» Vielleicht werde das Kunsthaus neben dessen Geburtsstätte auch sein Altersheim.

Besichtigung nach Voranmeldung: www.kklb.ch

Origami-Künstler Sipho Mabona sitzt lächelnd auf einer Leiter, im Hintergrund der Origami-Elefant.
Origami-Künstler Sipho Mabona.

Autor: Andreas Bättig

Fotograf: Jorma Müller