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11. Juli 2016

Olympisches Gold

Eine zukünftige Olympionikin?
Eine zukünftige Olympionikin? (Bild: Getty Images)

Würde meine Fünfjährige nur einen Tick schneller schwimmen, könnte sie locker in Rio an den Start gehen. Eva schätzt ihre Fähigkeiten diesbezüglich total realistisch ein.
Deswegen schüttelt sie auch konsequent den Kopf, wenn man sie fragt, ob sie noch Schwimmflügeli brauche. Nein, Eva Leinenbach, die die Olympia-Quali im 100- Meter-Freistil nur knapp verpasst hat, braucht doch keine hässlichen Bojen an den Oberarmen. Was für eine Frage.

Deswegen habe ich mir vorgenommen, mit meiner Zweitgeborenen sämtliche olympischen Schwimmentscheide anzuschauen. Dann erkennt das Kind vielleicht, dass es zwar Brust- und Rückenschwimmen gibt, Crawl und Schmetterling – aber keine offizielle Disziplin namens «Abtauchen wie ein Stein». Das ist nämlich der Stil, den meine selbstbewusste Kleine am besten beherrscht. Sie geht natürlich nicht mehr wie ein Krabbelkind unter. Nein, dafür ist sie viel zu gerne im Wasser und weiss auch, dass ihr Körper einen Auftrieb hat. Auf dem Rücken liegend kann sie auch schon problemlos eine halbe Bahn entlangzappeln.

Sobald sie aber senkrecht im tiefen Wasser pausieren soll, macht es nach wenigen Augenblicken gluck-gluck-gluck. Ich kenne das Phänomen übrigens gut von Ida, die auch Jahre brauchte, um die Kunst des Obenbleibens zu erlernen. Zwischenzeitlich schwimmt die Grosse wirklich wie ein Fisch. Aber Eva ... nun, sie ist einfach noch nicht so weit. Sie weiss es nur nicht.

Warum erzähle ich von Evas Olympiaambitionen? Zum einen, weil es doch schön ist, dass unsere Medaillenchancen für die Spiele 2020 in Tokio oder 2024 wo-auch-immer dank unserer Tochter intakt sind, oder? Aber auch, weil wir Erwachsenen nicht vergessen sollten, dass es einen Unterschied gibt zwischen «ich kann» und «ich will können». Es ist normal, dass Kinder sich und ihre Fähigkeiten überschätzen. Der komplette Schwimmkurs meiner Tochter besteht aus zukünftigen Olympioniken.

Hierzu noch diese kleine Anekdote: Einer von Evas Kollegen wurde neulich gefragt, ob er schon vom 1-Meter-Brett springen könne. Er nickte begeistert und startet durch ...
Doch, es stimmte. Er konnte wirklich vom Einer springen. Nur mit dem anschliessenden Schwimmen, da haperte es noch ein bisschen. Aber keine Sorge, die Erwachsenen hatten schon so etwas in die Richtung vermutet und zogen das Kind schnell und unversehrt aus dem Wasser. Noch eine Olympiahoffnung, die mehr Zeit braucht, um an der Technik zu arbeiten.

Autor: Bettina Leinenbach