Archiv
26. Januar 2015

Ohne Web kein Stern

In vielen Schweizer Hotels führt der Zimmerschlüssel in eine internetfreie Zone. Der Verband Hotellerie Suisse will das jetzt ändern, endlich!

In vielen Schweizer Hotels führt der Zimmerschlüssel in eine internetfreie Zone
In vielen Schweizer Hotels führt der Zimmerschlüssel in eine internetfreie Zone (Bild: hotelleriesuisse / Alain D. Boillat).

Wir schreiben das Jahr 2015. Die Schweiz steht im «State of the Internet»-Bericht des Internetdienstleisters Akamai hervorragend da.

Nirgends in Europa gibts eine so hohe Internetgeschwindigkeit wie hierzulande. Nur Südkorea, Hongkong und Japan surfen schneller.

Ausserdem ist das Durchschnittstempo verglichen mit dem Vorjahr um starke 25 Prozent gestiegen.

Ist dank dieser vielversprechenden Entwicklung also alles in Butter? Mitnichten.

Was in vielen Ländern dieser Welt kein Problem ist, bringt die Schweiz nicht fertig: Flächendeckendes W-Lan fehlt zwischen Genf und St. Gallen nicht nur in vielen Städten, Zügen und Museen, sondern auch in zahlreichen Hotels.

So sieht sich der Verband Hotellerie Suisse heuer erstmals genötigt, seinen Sternehotels eine «Internetpflicht» vorzuschreiben, wenn diese ihre Klassifikation behalten wollen ( siehe Kriterienkatalog 2015-2020 ).

Es ist unverständlich, dass viele Hotels im Tourismusland Schweiz zu diesem Schritt «gezwungen» werden müssen und das Selbstverständliche nicht von sich aus anbieten.

Dabei gibts kaum eine günstigere Möglichkeit, sich von der Konkurrenz abzuheben, als mit der Ansage: «Kostenloser Internetzugang für alle Gäste!» Die Einrichtung kostet lediglich ein paar 100 Franken.

Weil die Richtlinien des Verbands aber viel zu moderat formuliert sind, dürfen Hoteliers die Rechnung an die Kunden weiterreichen.

Wer das tut, hat nicht verstanden, dass Gratisinternet in einem Hotelzimmer heute zum Standard gehört wie Bett, Dusche und Frotteetuch.

Update: Test widerspricht

Der aktuelle Hotel-WiFi-Test attestiert Schweizer Hotels eine hohe Qualität. Berücksichtigt werden allerdings lediglich die Verbreitung von WiFi-Anschlüssen und das Angebot an kostenlosen Zugängen in den Hotelzimmern. Die Bandbreite spielt keine Rolle: Als adäquates WiFi gilt bereits eine Downloadgeschwindigkeit von 3 MBit/s.

Die Schweiz rangiert hinter Südkorea, Japan und der Ukraine auf Rang 4. Fraglich bleibt allerdings, wie gut Schweizer Hotels tatsächlich angeschaut wurden: Unter den 50 meistgetesteten Städten fehlen zum Beispiel Genf oder Zürich.

Autor: Reto Vogt