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10. Februar 2014

«Ohne Bus wäre ich nie bei der Midor gelandet»

Seit 48 Jahren arbeitet Anita Suter (63) aus Einsiedeln SZ für die Midor in der Backwarenpackerei. Ab August unternimmt sie mehr Reisen und geniesst die Freiheit.

Das Verpacken der Fasnachtschüechli
Das Verpacken der Fasnachtschüechli in den ersten Arbeitsjahren von Anita Suter in Meilen. (Bilder zVg)
Biscuits abpacken
Biscuits abpacken: An dieser Produktionslinie arbeitete Anita Suter in den 60er- und 70er-Jahren ebenfalls häufig. (Bild zVg)

Anita Suter, seit wie vielen Jahren arbeiten Sie für denselben Produktionsbetrieb der Migros?
Ich bin seit 48 Jahren bei der Midor angestellt. Spätestens Ende August 2014 werde ich pensioniert. Dann freue ich mich auf Ferienreisen, habe meine Ruhe und kann tun, was ich will.
Was ist Ihre Aufgabe?
Als Packereimitarbeiterin im Bereich Backwaren macht man letztlich ein wenig alles und überall. Gestern zum Beispiel nahm ich von der Produktionslinie Blévitas mit Schokolade ab, die später zu Portionenpackungen weiterverarbeitet werden. Doch zu tun gibts an den über zehn unterschiedlichen Produktionslinien auch immer wieder anderes.
Was hat sich in Ihrer täglichen Arbeit in all den Jahren verändert?An meinem Tätigkeitsfeld hat sich nichts geändert. Es geschieht heute einfach viel mehr maschinell, die Arbeitsabläufe sind dreimal so schnell. Die Arbeit ist stressiger geworden, aber ich mache nichts ungern. Viel angenehmer sind heute die Arbeitszeiten: Früher dauerte die Schicht von 6 Uhr 45 bis 16 Uhr 45 bei einer Stunde Mittagspause, heute von 6 Uhr 15 bis 15 Uhr bei einer halben Stunde Mittagspause. Ich komme viel früher nach Hause.
Was bedeutet Ihnen die Firma heute nach beinahe einem halben Jahrhundert Tätigkeit: Ist es noch immer schlicht ein Arbeitgeber oder gar eine Art zweite Heimat?
Da hat sich nicht viel verändert mit den Jahrzehnten, die Midor ist für mich ein guter Arbeitgeber, meine Heimat ist jedoch in Einsiedeln. Als ich neu in der Midor war, arbeiteten viele schon seit 20 Jahren hier. Ich dachte: So lange werde ich nie bleiben …
Wie kamen Sie damals zum Industriebetrieb Midor?
Nach der Schule meinte mein Vater: Jetzt gehst du arbeiten! Von Bekannten hörte ich, dass die Midor noch Leute sucht. Ein Bus fuhr täglich mit 50 Leuten nach Meilen, zehn davon kannte ich. Die einzige Bedingung war, dass man schon 15 Jahre alt war. Das war ich. An einem Tag hat man in Meilen angerufen, am nächsten hat man schon angefangen. Ohne Busdienst wäre ich aber nie bei der Midor gelandet.
Gab es einmal den Willen oder die Chance, den Job zu wechseln?
In jungen Jahren überlegte ich ein paar Mal, in einer Bar zu arbeiten. Aber wegen der langen Arbeitszeiten abends zog ich es nie wirklich in Betracht.

Autor: Reto Meisser