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29. Mai 2012

«Ohhhh du goldigs Sünneli»

Kinderlieder und Verslein sind für kleine Kinder ausgesprochen wichtig: Sie fördern die Musikalität – und gleichzeitig das Sprachgefühl.

Singen macht mehr als nur Freude: Kinderlieder und Verslein fördern die Entwicklung von Kindern auf vielfältige Weise. (Bild: Plainpicture/Eydis Einarsdottir)

Es ist wissenschaftlich erwiesen, wird aber viel zu wenig beachtet: Kinderlieder, Musik und Verslein eignen sich seit je, kleine Kinder zu fördern. «Heute wird häufig der Schwerpunkt auf die Sprachförderung gelegt, während die Musikalität vernachlässigt wird — dabei hängt beides miteinander zusammen», betont Stefanie Stadler Elmer (56): «Musikalität fördert spielerisch die Sprachfähigkeit, bei der es ebenfalls um Melodie und Rhythmus geht.» Deshalb forscht die Entwicklungs- und Musikpsychologin an der Universität Zürich und an der Zürcher Kalaidos-Fachhochschule, wie sich mehr Musik in den Kinderalltag einbauen lässt.

Ihr neustes Projekt ist die Weiterbildung von Kita-Mitarbeiterinnen: Sie können dieses Wissen weitertragen und die Kinder gezielt musikalisch fördern. Das heisst konkret, sie sollen nicht bloss häufiger mit den Kleinen singen und tanzen, sondern eine neue Musikkultur aufbauen und die Kinder anders wahrnehmen: «Was kann ein Kind gemessen an seiner Musikalität schon, und was fehlt ihm?», werden sie sich künftig fragen. So können Kinder mit einem Manko rechtzeitig gefördert werden. Das findet die Wissenschafterin Stefanie Stadler ganz wichtig: «Von meinen Erfahrungen in deutschen Kindertagesstätten weiss ich, dass die musikalische Förderung eine tolle Sache ist und die Kinder damit enorme Fortschritte machen.»

Eltern und Verwandte können Musikalität übrigens ebenfalls fördern, denn gefragt sind nicht grossartige musikalische Talente, sondern vor allem Spass: «Egal ob Kinderlieder oder alte Schlager, Hauptsache, die Erwachsenen singen mit Freude», sagt Musikpsychologin Stadler. Nicht empfohlen ist einzig zu laute Musik, die den Ohren schadet. Ausserdem genügt es nicht, die Kinder einfach vor einem CD-Spieler zu deponieren und Musik abzuspielen. «Es geht auch um den direkten Kontakt, darum, etwas Anregendes gemeinsam zu machen», sagt Stadler. Musik, das älteste Mittel, um Kinder zu beruhigen oder anzuregen, wird so auch zum einfachsten Mittel, sie früh und spielerisch zu fördern.

Die Elternumfrage: Wie oft singen Sie mit Ihrem Kind?

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Autor: Claudia Weiss