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04. Mai 2015

Oh Baby! (Teil 3)

Sammlung an zuckersüssen Benachrichtigungen
Endlich! Die Sammlung an zuckersüssen Benachrichtigungen erhält Zuwachs. (Illustration Corina Vögele)

Ich freue mich immer auf Babykarten. Sie wissen schon, das sind diese zuckersüssen Geburtsbenachrichtigungen, die all jene Menschen erhalten, die dem Neugeborenen entweder etwas geschenkt haben – oder die ihm gefälligst etwas schenken sollten.
Die Karten sind eigentlich immer nach demselben Schema aufgebaut. Ein Bild des Kindes (als Beweis), seine Geburtsdaten und Körpermasse («voll der Brummer») und natürlich die Adresse der Eltern (für milde Gaben). Manchmal sind Mami und Papi total kreativ und dichten auch noch wild drauflos, ungefähr so: «Wir sind jetzt nicht mehr zwei, nun ist auch Andrin mit dabei …». Oder sie fabrizieren klebrige Adjektivketten («Unsere Tochter ist nicht nur strahlend schön, sondern auch perfekt, hochintelligent und knuddelig süss»), wahlweise auch komische Sätze à la «Wir lieben unser Kind aus vollem Herzen, unendlich, bis zum Mond und zurück, und sind verzückt und ein bisschen von Sinnen». Besonders gern habe ich gescheite Sprüche wie «Die Kinder bringen uns ein Stück Himmel auf die Erde». Unter uns: Wer so was auf die Karte schreibt, der hat noch zu viel Adrenalin von der Geburt im Blut. Passender wäre wohl: «Schlaf wird überbewertet» oder «Ab sofort dürft ihr uns auch nachts anrufen». Ich bin mir sicher, dass nicht wenige Eltern den Geburtsspruch gern nachträglich ändern würden, aber gedruckt ist gedruckt.

Ganz ähnlich sieht es mit dem Babykartenfoti aus. Da die Geburt des Stammhalters pronto vermeldet werden muss, greifen patente Mamis und Papis meist auf das Bild zurück, das im Spital von einem mässig talentierten Profi für die Babygalerie geschossen wurde. Auch hier gibt es wiederkehrende Muster: Man nehme ein Neugeborenes, lege es auf ein Schaffell, klemme ihm eine Plastikblume hinters Ohr und setze ihm einen Teddy auf den Rücken – Knips Knips Knips – fertig ist die 400 Franken teure Birthday-Fotomappe (auch als Tassenaufdruck oder Mousepad erhältlich!).

Im Lauf der Jahre haben wir etliche dieser Babykarten erhalten. Meist hängen wir die Werke für einige Monate auf, um dann Platz für neue Meldungen zu machen.
Besonders in Erinnerung sind mir die Karten geblieben, die anders waren. Zum Beispiel in Form einer Flughafen-Ankunftstafel oder eines Einzahlungsscheins. Mein momentaner Favorit besteht aus einem mittelmässigen Babyschnappschuss, dem Namen des neuen Erdenbürgers und einem Satz: Fertig Einzelkind.

Autor: Bettina Leinenbach