Archiv
20. April 2015

Oh Baby! (Teil 1)

Babys beschnuppern
Babys beschnuppern: Eine Lieblingsbeschäftigung der Kolumnistin – mit wenigen Ausnahmen... (Illustration: Corina Vögele)

Ich war mir fast sicher, dass es bald aufhört, dass die meisten unserer Freunde ihre Familienplanung abschliessen. Aber nein, mein Umfeld vermehrt sich munter weiter. Kaum hat eine meiner Kolleginnen entbunden, watschelt bereits die nächste dem Finale entgegen.

Meinetwegen könnte es ewig so weitergehen. Indirekt heisst das, dass ich weiterhin winzige Babys auf dem Arm halten, sie angurren und wahlweise auch abschlecken darf, ohne dass mich jemand deswegen schräg anguckt. Die offizielle Erklärung für mein Verhalten: Als Tante auf Zeit entlaste ich so die armen, dauermüden Mamis, die nun endlich mal in Ruhe aufs WC gehen oder sich das zweite Bein rasieren können.
Unter uns: Ich mache das nicht, um fremden Frauen eine Atempause zu verschaffen. Ich reisse nur deswegen alle Neugeborenen an mich, weil es nichts Schöneres auf der Welt gibt als diese kleinen Päckchen.

Neulich hatte ich also wieder mal so einen Zwerg auf dem Arm. Emil, erst wenige Wochen alt, guckte mich mit Kulleraugen an, als ich mit dem grossen Schnuppern begann. (Ja, Schnuppern.).
Der Kleine roch fast fabrikneu, nach Babyhaut und Babyhaaren. Und ein bisschen nach Milch und Milette-Pocreme – einfach nur fantastisch. Während die «Tante» ihm also ihre grosse Nase entgegenstreckte und dabei total unintelligente Sachen zuflüsterte, beschloss der Zwerg, die Duftpalette in Eigenregie um einige Aromen zu erweitern. Erst görpste er flüssig (schätzungsweise zwei Liter vergorene Milch ergossen sich auf seinen Strampler und mein Shirt.). Dann kniff er seine Äuglein zusammen und wurde ganz rot im Gesicht. Sie ahnen, was nun kommt. Jedenfalls war ich anschliessend total froh, als seine Mutter endlich kam, um mir das tropfende, stinkende Bündel abzunehmen.
Erwähnte ich, dass Windeln auch nicht mehr das sind, was sie mal waren?

Autor: Bettina Leinenbach