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22. April 2014

Oculus Rift: Mittendrin statt nur dabei

Wer die 3-D-Brille Oculus Rift aufsetzt, fühlt sich in eine virtuelle Welt versetzt. Ein Selbstversuch.

Ein Mann spielt ein virtuelles Spiel mit einer riesigen 3-D-Brille auf dem Kopf.
Vorsichtiger Blick ums Eck: Versteckt sich dort ein Monster? Oder wartet ein Freund?

Über mir strahlt der blaue Himmel, ein Regenbogen deutet darauf hin, dass es kürzlich geregnet haben muss. Ich lehne seitlich an einer Hauswand und schnaufe durch. Eine Armee schwer bewaffneter Männer sucht nach mir. Vorsichtig luge ich ums Eck: Niemand. Mein Blick wandert weiter – nach unten, nach links und dann nach rechts. Zum Schluss drehe ich mich um die eigene Achse und hoffe, dass sich der Feind nicht hinter meinem Rücken befindet. Doch momentan bin ich allein.

Das bin ich tatsächlich. Physisch sitze ich in meinem Wohnzimmer, auf meinem Kopf sitzt ein skibrillenartiges, schwarzes Gerät. Ich bin wach und hoch konzentriert, doch gedanklich in einer anderen Welt. Dort gibt es Monster mit grossen Zähnen, böse Menschen, die mir an die Gurgel wollen, und eine Prinzessin, die ich retten muss.

Wie ist so etwas möglich, ohne zu träumen? Die 3-D-Brille Oculus Rift simuliert virtuelle Umgebungen und projiziert sie täuschend echt um ihren Träger herum. Es fühlt sich an wie in der realen Welt: Häuser, Bäume und Berge sind grösser als ich und schiessen in die Höhe – Abgründe tun sich vor einem auf und lösen Höhenangst aus. Wie in der richtigen Welt.

Es ist ein wahnsinniges Erlebnis. In eine völlig neue, bis dato unbekannte Umgebung einzutauchen macht aber nicht nur Spass, sondern kann einen auch erschrecken: Die virtuelle Realität ist nämlich für den menschlichen Körper nicht einfach zu verarbeiten, und kann in Einzelfällen Übelkeit auslösen.

Technik ist mehr als zwei Milliarden Dollar wert

Das kann sich ändern. Noch steckt die Technologie in den Kinderschuhen. Sie kommt voraussichtlich erst Ende 2014 auf den Markt und steht bis dahin nur Testern und Softwareentwicklern zur Verfügung. Doch Visionäre sind sich sicher, dass Oculus-Rift-Träger die Zukunft sehen. Einer davon ist Mark Zuckerberg, Chef von Facebook. Er investierte über zwei Milliarden Dollar in die Akquisition des gleichnamigen Betriebs.

Ob sich der Kauf lohnt und die Brille irgendwann zum Kassenschlager wird, hängt ganz allein von der Software ab. Es muss genügend interessante und vor allem gut umgesetzte Spiele geben, welche die unbegrenzten Möglichkeiten der Oculus Rift ausnützen.

Denkbar sind zum Beispiel Interaktionen mit digitalisierten Objekten: Eine Kissenschlacht und ein Basketballspiel gegen computeranimierte Gegner, streicheln und füttern von virtuellen Haustieren oder eine Räuberjagd durchs nächtliche New York.

Am Himmel hängen mittlerweile dunkle Wolken. Es beginnt zu tröpfeln und in weiter Ferne höre ich Donnergrollen. Schritte nähern sich. Ich drehe mich um und erstarre... 

Autor: Reto Vogt

Fotograf: René Ruis