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24. August 2015

Obama: Vorbild für unsere Politiker

Social Media spielt in der Schweizer Politik eine untergeordnete Rolle – zumindest verglichen mit dem Ausland. Wir zeigen Politiker, die sich für unsere Parlamentarier und den Bundesrat als Vorbild eignen. Wie unsere Parlamentarier mit Social Media arbeiten, lesen Sie im Artikel rechts «Wahlkampf mit Social Media».

Barack Obama
Barack Obamas Wahlkampf war von Social-Media-Aktivitäten geprägt.

Fernsehwerbung, Radiospots, Standaktionen: Das sind im Jahr 2015 in der Schweiz nach wie vor die beliebtesten Wahlkampfinstrumente – von Social Media ist hierzulande nicht viel zu spüren. Wenn dann nutzen bereits gewählte Politikerinnen und Politker die Vorzüge von Twitter oder Facebook, um mit ihren Wählerinnen und Wählern in Kontakt zu treten.

Im Ausland ist das anders. Wahl und Wiederwahl von US-Präsident Barack Obama gründeten nicht zuletzt auf seiner Social-Media-Präsenz. Laut einer Studie debattierte jeder vierte Amerikaner auf Social Media die Frage, welchen Kandidaten er wählen solle.

Das direkt nach seiner Wiederwahl gepostete Bild ging um die Welt. Es zählt zu den am meisten gelikten Bildern auf Facebook aller Zeiten.

Für die nächsten Präsidentschaftswahlen bringen sich die möglichen Kandidaten bereits in Stellung. Hinsichtlich Social-Media-Aktivitäten ist bis dato der erzkonservative Republikaner Rand Paul aufgefallen. Er ist seit Januar 2014 auf der App Snapchat aktiv , die bei jungen Wählerinnen und Wählern stark verbreitet ist. Starken Zuwachs erfährt auch sein Konkurrent ums Präsidentschaftsamt, Donald Trump. Im vergangenen Monat vergrösserte der Baulöwe seine Twitter-Followerschaft um eine halbe Million.

Heimlicher Social-Media-Star kommt aus Indien

Der aktuelle indische Premier Narendra Modi verdankt seine Wahl unter anderem ebenfalls einer hohen Social-Media-Aktivität. Modi trat Twitter über fünf Jahre vor seinem Wahlsieg bei und erreicht darüber mehr als 14 Millionen Menschen.

Narendra Modi ist seit vielen Jahren auf Twitter und Facebook aktiv – ein Muss für einen erfolgreichen Wahlkampf.

Auf seinem Facebook-Profil sind es sogar doppelt so viele: 30 Millionen. Das hat sich ausgezahlt: Am Tag der Wahl zählte Facebook 29 Millionen Menschen, die über die Wahl diskutierten. Dabei wurden 227 Millionen Interaktionen generiert – 75 Millionen davon drehten sich um Narendra Modi.

100’000 Pfund für Facebook-Werbung im Monat

In Westeuropa ist die Situation eine andere – Politikerinnen und Politiker sind zurückhaltender. Die ausgeprägtesten Social-Media-Aktivitäten waren im Vorfeld der «General Election 2015» in Grossbritannien festzustellen, die am 7. Mai 2015 stattfand. Eine Analyse des Guardian und der Monitoring-Firma Brandwatch zählte über 4,5 Millionen Erwähnungen von zur Wahl stehenden Parteien.

Eine Themenanalyse im Vorfeld der Wahl zeigte, dass sich Diskussionen hauptsächlich um «Wirtschaft» (4,3 Millionen Erwähnungen), «Kriminalität» (2 Millionen) und «Gesundheit» (1,8 Millionen) drehten. Gebiete, in denen hauptsächlich der klare Wahlsieger zu Hause ist: die «Conservatives» des alten und neuen Premierministers David Cameron. Gut möglich, dass die Partei die Themen bewusst streute: Sie investierte monatlich über 114’000 Britische Pfund in Likes und Werbung auf Facebook. Demgegenüber stehen die Ausgaben der Labour-Partei, die nur einen Zehntel davon betrugen .

Deutsche Bundesregierung markiert Präsenz

Nicht vor, sondern zweieinhalb Jahre nach der Wahl eröffnete die deutsche Bundesregierung eine eigene Präsenz auf Facebook . Sie will auf diesem Kanal ein jüngeres Publikum ansprechen und bindet derzeit über 110'000 Fans. Rund 120'000 Euro soll der Steuerzahler für den Aufbau des Kanals berappt haben.

Fünf Mitarbeiter kümmern sich hauptamtlich um den YouTube-Kanal von Angela Merkels Kabinett.

Schon etwas länger betreibt Deutschlands Regierung einen eigenen YouTube-Kanal . Dort stellen sich zum Beispiel die Kabinettsmitglieder in kurzen Videos vor – jedes davon kostete nach eigenen Angaben über 1600 Euro. Insgesamt wurden die geposteten Videos rund 2,8 Millionen Mal angesehen – bei jährlich anfallenden Gesamtkosten von etwa 300'000 Euro.

Dass die Präsenz einer Regierung auf Social Media auch negative Kommentare provoziert, ist den Deutschen bewusst. Die Medienabteilung reagiert relativ schnell und nimmt aggressive Kommentare gelassen.

Rücktrittsankündigung per Twitter

Social Media lassen sich nicht nur im Wahlkampf oder zur Diskussion mit Bürgerinnen und Bürgern einsetzen. Der ehemalige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis nutzte den Dienst im Juli 2015 zur Ankündigung seines Rücktritts.

Funktioniert: Politische Informationen via Twitter verbreiten.

Das verfehlte seine Wirkung nicht: Innert weniger Minuten wurde die Information von knapp 19'000 Menschen retweetet und erreichte eine viel schnellere Verbreitung, als wenn sie Varoufakis auf dem klassischen Weg via Medienmitteilung oder an einer Pressekonferenz verkündet hätte.

Autor: Reto Vogt