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13. Februar 2012

Nur Mut!

Übermässig schüchterne Kinder können ihre Fähigkeiten und Talente nur schlecht einbringen, und sie isolieren sich. Ein Trainingsprogramm der Universität Zürich hilft ihnen, ihre Hemmungen spielerisch zu überwinden.

Schüchterne Kinder
Schüchterne Kinder laufen Gefahr, sich zu Aussenseitern zu entwickeln. (Bild: Plainpicture)

Laute oder aggressive Schulkinder stören den Unterricht und fordern die ganze Aufmerksamkeit der Lehrer. Ganz anders die übermässig schüchternen Kinder. Sie sitzen still da, beteiligen sich nicht am Unterricht und werden oft nicht wahrgenommen. Weder von der Lehrperson noch von den Klassengschpänli. Die Gefahr: «Aufgrund ihrer übermässigen Schüchternheit leben diese Kinder oft isoliert und sind Aussenseiter», sagt Erziehungswissenschafter Georg Stöckli von der Universität Zürich. Stöckli erforscht seit über zehn Jahren das Phänomen Schüchternheit und hat das Trainingsprogramm SoFiT (Social Fitness Training) für schüchterne Kinder entwickelt.

Die Nachfrage nach dem Programm ist gross, fühlen sich doch die Eltern von übermässig schüchternen Kindern gemäss Stöckli meist hilflos. Aus der Schule kommt die Rückmeldung, dass sich das Kind nicht am Unterricht beteiligt, was sich meist auch negativ auf die Noten auswirkt. Am Verhalten des Kinds etwas zu ändern ist aber äusserst schwierig, da die Schüchternheit stark mit der Persönlichkeit verbunden und zum Teil gar genetisch bedingt ist. Gemäss Stöckli sei es kontraproduktiv, wenn die Lehrerin ein Kind aus der Reserve zu locken versuche. Meistens ziehe es sich nur noch mehr zurück.

«Kinder wollen akzeptiert sein, können ihr Verhalten aber selbst nicht ändern», sagt Stöckli. In seinem Programm SoFiT trainieren Kinder zwischen neun und elf Jahren spielerisch ihren Mut und damit ihr soziales Verhalten. Sie üben beispielsweise, vor der Gruppe zu sprechen oder fremde Menschen auf der Strasse etwas zu fragen.

Das zu lernen sei wichtig, denn Schüchternheit bleibe auch im Erwachsenenalter ein Handicap: privat und beruflich. «Wir sind eine Selbstdarstellungsgesellschaft, und wer sich nicht präsentieren kann, geht unter», sagt Stöckli. Sein Trainingsprogramm startet wieder im November. Die Teilnahme ist kostenlos.

Weitere Informationen: http://paed-services.uzh.ch «Stöckli Georg» anklicken.

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Die Umfrage: Waren Sie als Schulkind besonders schüchtern?

Autor: Sandra Kohler