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07. September 2016

Nur Hänseleien oder schon Mobbing?

Gehänseltwerden gehört zum Leben. Kinder entwickeln dabei Selbstbewusstsein. Doch wo hört harmloses Hänseln auf und wo beginnt bösartiges Mobbing? Und wie reagiert man, ohne die Situation weiter zu verschlimmern? Verraten Sie Ihren Tipp (unten).

Alina (9) geht nicht gerne zur Schule. Mitschüler schikanieren sie auf dem Pausenplatz und rufen ihr gemeine Spitznamen zu. Alina weint deswegen oft und verkriecht sich. Eine schwierige Situation – auch für ihre Eltern, die sich hilflos fühlen. Erlebt Alina hier regelrechtes Mobbing, oder ist es nur Hänseln, eine milde Variante?

Rebekka Jakob (38), Schulsozialarbeiterin bei der Stadt Zürich: «Die Grenze ist oft fliessend. Eher harmloses Hänseln kann sich in der Gruppendynamik zu Mobbing entwickeln. Von Mobbing spricht man, wenn eine Gruppe von Tätern ein Kind längerfristig systematisch ausschliesst und attackiert, und andere Kinder sich nicht mehr getrauen, einzugreifen oder Hilfe zu holen.»

Wird ein Kind in der Schule gehänselt oder gemobbt, sollten Eltern keinesfalls das hänselnde Kind oder dessen Eltern direkt kontaktieren, sondern Hilfe holen. Denn meist handelt es sich bei den Tätern um mehrere Beteiligte, und gemeinsam gelingt es besser, das Opfer zu stärken und den Angreifenden die Kontrolle zu entziehen. Rebekka Jakob empfiehlt Eltern, sich bei der Lehrperson oder der Schulsozialarbeit zu melden, und dies lieber zu früh als zu spät.

Die negative Dynamik brechen
Diese Stellen müssen mit der ganzen Klasse eine nachhaltige Lösung erarbeiten, welche die negative Dynamik bricht und einen positiven Umgang unter den Kindern fördert.
Möglicherweise vertraut sich das geplagte Kind den Eltern an, möchte aber nicht, dass diese etwas unternehmen. Dann sollten die Eltern abwarten. «So bleibt das Vertrauen bestehen, und ein offenes Gespräch mit dem Kind ist möglich: Wie geht es dir? Wo fühlst du dich sicher, mit wem fühlst du dich wohl?» So können Eltern ihr Kind stärken. «Auch hilft es, wenn sie für positive Kontakte in der Freizeit sorgen», rät die Schulsozialarbeiterin.

Alina ist dem Fussballclub beigetreten. Die tolle Stimmung unter den Kindern dort stärkt ihr Selbstvertrauen. In der Schule wurde interveniert, nun herrscht in der Klasse ein besseres Klima.

WIE REAGIEREN?
Was tun Sie, wenn Ihr Kind wiederholt gehänselt oder gar gemobbt wird?

Autor: Priska Plump