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29. Juli 2013

No-go im Garten

Hobbygärtnerin Almut Berger ist allergisch auf Gartenzwerge, Geranien und Laubbläser. Was für sie ein No-go ist, mögen andere – zum Glück, denn sonst würden alle Gärten gleich aussehen.

Prominent platzierte Tierskulptur
Nicht jedermanns, sicher auch nicht Frau Berger Sache: Prominent platzierte Tierskulptur im Garten.

Ich habe es hier im Blog schon x-mal geschrieben: Man muss nicht immer alles schön finden, was sich bei den Nachbarn gartentechnisch so tut. Es gibt aber dennoch Dinge (und Pflanzen notabene), die ich um alles in der Welt nicht innerhalb meines Gartenzauns haben möchte. Die da sind:

Gartenzwerge mit einem Schneewittchen
Gartenzwerge mit einem Schneewittchen.

Gartenzwerge, und schon gar nicht, wenn es 7 plus 1 Schneewittchen sind. Da kann sie der Sohnemann noch so «jöööööh» finden: Die Kerle mit den roten Kappen kommen nicht in meinen Garten, genauso wenig übrigens wie diese Trolle, eine Art von «Gartenzwerg reloaded», die man zurzeit in allen Garten-Centern antrifft.

Blumenkistchen auf dem Fenstersims
Blumenkistchen auf dem Fenstersims hinter Gittern.

Geranien: Ich kriege Ausschläge, wenn ich sie nur schon in einem Gartenheftli sehe. Dafür gibts aber einen plausiblen Grund: Ich habe als Teenager während der Schulferien jeweils in einer Gärtnerei Geranien für den Versand ausgeputzt, dies in den Gewächshäusern und bei Temperaturen von 40 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von über 90 Prozent.

Und dann die Laubbläser: Mal abgesehen davon, dass die auch Käfer & Co. mit in die Luft pusten, es reicht krachmässig, wenn bei uns im Quartier samstags alle ihre Rasen zeitversetzt mähen.

Thujahecken
Eines der Top-No-gos: Thujahecken.

Ganz übel finde ich auch Thujahecken. Obwohl Thuja ja auch «Lebensbaum» heisst, tötelen die Dinger aufs Hässlichste. Das Paradoxe ist, dass ich selber eine Thujahecke habe, eine geerbte notabene. Interessiert? Bitte melden und ausgraben!
Thuja war übrigens bei einer Blitzumfrage auf der Redaktion das meistgenannte No-go («bünzlig», «stier», «sieht aus wie Plastik»), neben Rhododendron, dem gleich zwei Mal der Titel «ultimative Spiesserpflanze» verliehen wurde. Bei den Geranien und den Gartenzwergen waren die Meinungen interessanterweise geteilt: Gerade die jüngeren Kollegen meinten, die seien doch fast schon wieder retro.
Weitere No-gos, die genannt wurden:

Monokulturen im Rosenbeet: weil Rosen nur schön sind, wenn sie klettern oder wild gemischt mit anderen Blumen wachsen

Buchsbäume: weil sie viel zu viel Aufwand brauchen, um in Form gebracht zu werden

Whirlpools aus Plastik: weil sie auf «Pseudo Miami Vice» machen

Mit Nelken bepflanzte, kupferne Wäschetrommeln: weil sie einfach schrecklich sind

Zierkürbisse: weil sie auf Pseudo-Halloween machen

Erika: weil das Argument, dass sie sehr pflegeleicht seien, keine akzeptable Entschuldigung ist

Hanging Baskets, gerade auf dem Sitzplatz: weil man sich daran dauernd den Kopf stösst

Gelbe Rosen, gelbe Chrysanthemen, blassgelber Sonnenhut: weil gelb überhaupt nicht und nirgends gefällt

Aggressives Efeu: weil, wenn es die Hauswände einpackt, einen auf verwunschenes Schloss vorspielt

So ziemlich alles aus Plastik, vor allem Töpfe und vor allem wenn man sieht, dass es Plastik ist: weil Plastik halt einfach ein Widerspruch zur Natur ist

Margeriten (vor allem die in Bäumchenform): weil sie stinken und spiessig aussehen wie kaum eine andere Blume

Steinengel, ob nackt oder mit einem Eichenblatt an der kritischen Stelle: weil sie eine reine Geschmacksverirrung sind
Wie gesagt, alles eine Frage des Geschmacks – und manchmal auch des Kompromisses. So blühen an unserem Teich aktuell pinkige Nelken, obwohl ich im Gegensatz zu meinem Herzensmann Nelken grauslig finde. Er wiederum drückt bei meiner Hortensie und dem Buchs ein Auge zu.
Daher könnte es auch geschehen, dass bei uns irgendwann doch noch ein Gartenzwerg einzieht. Aber, liebster Sohnemann, das Schneewittli, das bleibt definitiv draussen!

Autor: Almut Berger

Fotograf: Almut Berger