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10. Oktober 2016

Nie ohne meinen Hund

Monika Fasnacht präsentiert ab Januar auf SRF berührende Tiergeschichten – gemeinsam mit ihrem Hund Filou. Die langjährige «Samschtig Jass»-Moderatorin ist schon mit Haustieren aufgewachsen und seit 2013 auch ausgebildete Hundetrainerin.

Filou schaut sein Frauchen aufgeregt und erwartungsvoll an. Monika Fasnacht (52) hat eben einen Frisbee aus ihrer Tasche gezogen, und das kann nur eins bedeuten: Spass! Sekunden später jagt der achtjährige Rüde freudig der fliegenden Scheibe hinterher, erwischt sie noch in der Luft und bringt sie stolz zurück.

«Das könnte er stundenlang machen, es wird ihm weder langweilig dabei, noch wird er je müde», sagt die SRF-Moderatorin und schleudert den Frisbee wieder über die Wiese. «Das ist es, was ich an Hunden so liebe: Sie leben im Hier und Jetzt, ihnen ist egal, was gestern war oder morgen sein könnte. Und Filous Lebensfreude ist ansteckend.»

Die beiden sind ein gut eingespieltes Team; Filou gehorcht aufs Wort und lässt sich selbst von kläffenden Hunden anderer Spaziergänger nie auch nur eine Sekunde ablenken. Diese Mischung aus Vertrauen und Kontrolle wird sehr nützlich sein, wenn die beiden ab Januar durch die neue Tiersendung des Schweizer Fernsehens führen – die Nachfolge der eingestellten «Tierischen Freunde». Monika Fasnacht präsentiert die schönsten, berührendsten und spektakulärsten Tiergeschichten der Schweiz, und Filou wird immer dabei sein. «Ein paar Geschichten haben wir schon, aber wir sind noch immer auf der Suche nach mehr», sagt die Moderatorin (siehe Box rechts).

Von Tierrettern in die Schweiz gebracht

«Es sollten emotionale Geschichten sein, egal ob von Haustieren oder von Wild- und Nutztieren. Und natürlich sollten die Tiere noch am Leben und filmbar sein.» Ihre eigene Geschichte mit Filou käme da durchaus infrage. Die Strassenmischung aus Schäfer, Windhund und Husky nämlich wurde auf der griechischen Insel Kos geboren, ausgesetzt und wenige Wochen alt von Tierrettern in die Schweiz gebracht, wo man ihn in einem Tierheim aufpäppelte. Ein Tierheim, in dem Monika Fasnacht zufälligerweise kurz danach eine Story fürs SRF drehte. «Ich hatte damals eine zehnjährige Hündin und wollte eigentlich keinen zweiten Hund. Aber als ich Filou dort gesehen habe, wusste ich gleich: Wir gehören zusammen. Er war so fröhlich und mir deshalb sofort sympathisch, ich habe ihn gleich mit nach Hause genommen.»

Nun lebt er in Arosa GR, wo Fasnacht ihren Hauptwohnsitz hat. Sie verbringt aber ebenfalls viel Zeit bei ihrem Partner im Zürcher Oberland, wo auch ihre zwei Katzen beheimatet sind und den freien Auslauf geniessen. «Hund und Katzen verstehen sich prima, das geht völlig problemlos.» Auch ihr Partner liebt die Vierbeiner. «Ich könnte nicht mit jemandem zusammen sein, der Tiere nicht mag», sagt sie. Schon ihre Grosseltern hatten Hunde, ihre Eltern ebenso. Dennoch gab es ein paar Jahre in ihrem Leben, wo sie ohne Haustier lebte: als Flight Attendant bei der Swissair. «Das wäre einfach nicht gegangen.» Auch heute vermeidet sie grössere Flugreisen, weil sie Filou nicht lange allein lassen und ihm eine Reise im Gepäckraum ersparen will. Seit über 20 Jahren hat sie nun ohne Unterbruch immer Katzen oder Hunde. «Ohne könnte ich längerfristig nicht leben.»

Hauptsache, es fliegt, und er kann es fangen: Monika Fasnacht und ihr Hund Filou an der Töss im Zürcher Oberland.
Hauptsache, es fliegt, und er kann es fangen: Monika Fasnacht und ihr Hund Filou an der Töss im Zürcher Oberland.

So sehr Monika Fasnacht ihre Tiere liebt, sie weiss natürlich auch, dass die Zeit mit ihnen begrenzt ist. «Im Kopf ist man sich dessen bewusst, aber wenn es so weit ist, hilft das überhaupt nicht. Mir graut jetzt schon davor. Filou ­begleitet mich auf Schritt und Tritt – wenn so ein Tier stirbt, ist das, wie wenn man seinen eigenen Schatten verliert.»

Als Filous Vorgängerin mit 12 Jahren kränkelte, entdeckte der Tierarzt bei ihr eine Veränderung der Gebärmutter und riet zu einer Operation. Fasnacht brachte sie ins Tierspital und wartete auf die Nachricht, dass sie sie wieder abholen kann. «Stattdessen riefen sie mich an und sagten, sie hätten sie aufgemacht, und ihr ganzer Körper sei völlig verkrebst, sie habe keine Überlebenschance.»

Fasnacht stand vor der Wahl, ihre geliebte Hündin aus der Narkose nochmals aufwachen zu lassen, um sich von ihr zu verabschieden, oder ihr das zu ersparen und sie gleich einschläfern zu lassen. «Ein schrecklicher Entscheid. Am Ende habe ich mich für das entschieden, was für sie besser war und sie gehen lassen.»

Danach ging Fasnacht durch eine längere Trauerphase. «Sie hat mir extrem gefehlt. Irgendwann aber realisierte ich, dass es wenig bringt, einem toten Tier nachzutrauern, wo doch mit Filou ein anderes da war, das meine Aufmerksamkeit und Zuwendung brauchte.» Auch Geschichten wie diese hätten übrigens Platz in der neuen Tiersendung.

Als Hundetrainerin macht sie auch Hausbesuche

Inzwischen ist die langjährige Jass- und Sportmoderatorin des Schweizer Fernsehens zusätzlich noch ausgebildete Hundetrainerin . «Für mich ist es ein zweites Standbein neben dem TV und eine gute Option für die Zukunft, falls die Arbeit beim SRF irgendwann mal weniger wird.» Ausbilden lassen hat sie sich von Martin Rütter, der seit Jahren eine Hundesendung beim TV-Sender Vox hat.

«Es gibt viele Leute, die ihn und seine Philosophie sehr schätzen, und die wissen, dass sie bei mir dasselbe bekommen.» Zudem hat sie noch den Sachkunde-Instruktor in der Schweiz absolviert. Fasnacht gibt Gruppenkurse, macht aber auch Hausbesuche. «Oft geht es darum, ein problematisches Verhalten zu korrigieren. Und nicht selten liegt das Problem dabei auch auf der anderen Seite der Leine», sagt sie und lacht.

Dass die Leute mehr wegen ihres Promistatus als ihrer Fachkompetenzen zu ihr kommen, glaubt Monika Fasnacht nicht. «Das mag im ersten Moment etwas Besonderes sein, aber sehr rasch geht es dann nur noch darum, das konkrete Problem anzugehen. Der Rest ist nicht mehr wichtig.»

Aber man kann nicht allen Hunden alles beibringen. «Es gibt Rassen, die unabhängiger sind als andere, etwa Herdenschutzhunde. Die sind darauf spezialisiert, Schafe zu beschützen, alles andere ist eher schwierig.» Umso wichtiger sei es, sich vor der Anschaffung eines Hundes gut zu überlegen, was man wolle.

Und auch die Hundekurse, deren nationales Obligatorium auf 2017 abgeschafft werden soll, hält sie für nützlich. «Ich sehe ja, wie gut sie auch den Haltern tun – schon mit ein paar Stunden können sie eine viel bessere Beziehung zu ihrem Tier aufbauen.» Das Ende des Obligatoriums ist für sie allerdings kein Untergang. «Das wird jetzt halt stärker kantonal geregelt. Es haben schon immer einige Kantone mehr verlangt und geboten als andere, das wird sicher auch in Zukunft so sein.»

Autor: Ralf Kaminski

Fotograf: René Ruis