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06. Februar 2012

Nie mehr Kummer mit der Nummer

Seit Anfang Jahr ist die Schweiz um eine nationale Spezialität ärmer: die Velovignette. Aber wer bezahlt jetzt bei Unfällen die vom Radfahrer verursachten Schäden?

Velovignette ade
Seit dem 1. Januar gibt es die legendäre Velovignette nicht mehr. (Bild: Brian Bailey/Getty Images)

Jedes Jahr das gleiche Prozedere: rein in die Migros, Velovignette kaufen, auf den Fahrradrahmen kleben. Keine grosse Sache. Eigentlich. Wenn man diesen Einkauf nicht immer vor sich hergeschoben hätte, wochenlang.

Damit ist jetzt Schluss: Seit dem 1. Januar gibt es sie nicht mehr, die legendäre Vignette, die über Jahrzehnte eine typische Schweizer Besonderheit war.

Doch was bedeutet das eigentlich genau? «Wer mit dem Velo einen Unfall verschuldet hat, war über die Vignette, eine Art Haftpflichtversicherung, gegen Schäden an Dritten versichert», erklärt Christoph Merkli, Geschäftsführer der Pro Velo Schweiz. «Das fällt nun weg. Neu ist jeder Fahrer selber dafür zuständig, ob er eine Privathaftpflichtversicherung hat.» Da 90 Prozent der Bevölkerung ohnehin eine solche abgeschlossen haben, ändert sich für sie nichts. Christoph Merkli rät aber, beim Versicherer nachzufragen, ob und in welchem Umfang er solche Schäden deckt. Das erspart böse Überraschungen. «Die restlichen zehn Prozent sollten sich unbedingt versichern, denn sonst kann es im Schadensfall schnell teuer werden», sagt Merkli. Die alte 2011er-Vignette deckt übrigens noch bis Ende Mai allfällige Schäden an Dritten.

Und wie ist es mit den immer beliebter werdenden E-Bikes? Christoph Merkli: «Es gibt zwei Kategorien. Die langsame Kategorie bis maximal 250W Leistung und 25 Kilometer pro Stunde Tretunterstützung gilt als Velo. Auch hier lohnt sich eine kurze Rückfrage bei der Versicherung, ob die Deckung stimmt. Für die schnelle Kategorie braucht es wie bis anhin ein gelbes Nummernschild für Motorfahrräder.»

Und noch ein Tipp: Bis jetzt konnten Velomarke und Rahmennummer auf dem Coupon der Vignette notiert werden. Beides sind wichtige Informationen. Bei einem Diebstahl dienen sie der Polizei dazu, das gestohlene Velo aufzufinden und den Besitzern zu melden. «Darum sollte man diese Angaben jetzt unbedingt notieren und aufbewahren. Sonst wird die Chance, dass ein gestohlenes Velo je wieder auftaucht, verschwindend klein», sagt Merkli. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann sein Fahrrad auch registrieren lassen, zum Beispiel bei www.veloregister.ch , www.velofinder.ch oder www.easyfind.com .

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Haben Sie eine Haftpflichtversicherung für selbst verursachte Schäden bei Velounfällen?

Autor: Andrea Fischer Schulthess