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01. Februar 2016

Nicht erpressen lassen?

Erfüllen Sie dem Kind oft spontan Wünsche oder bleiben Sie hart? Verraten Sie uns Ihr Rezept im Kommentar. Dazu nennt Migrosmagazin.ch die fünf verbreitetsten Elterntypen im Umgang mit Kinderwünschen – welcher Typ sind Sie?

Mitteilen der nächsten Wünsche
Will sie auch ein Smartphone, oder hat sie schon eins und nutzt es zum Mitteilen der nächsten Wünsche? (Bild: Illumüller)

Eltern kennen die Situation: Beim Einkaufen, zu Hause oder unterwegs äussert die Tochter oder der Sohn spontan einen Wunsch, was sie/er unbedingt zum Spielen, für die Schule oder zum Anziehen benötigt. Unbedingt – und natürlich dringend. Vielleicht haben andere Kinder das Gewünschte schon (siehe: Eifersucht unter Kindern), eine Werbung zeigt Wirkung, oder die Kleinen haben sich den Bedarf selbst ausgedacht.

Die wenigsten Mütter und Väter geben jedem Wunsch sofort nach. Ebenso wenige schlagen dem Kind jedoch alles ab, einige sind gar froh, haben sie einen Hinweis für das nächste Geburtstagsgeschenk oder eine verdiente Überraschung in naher Zukunft. Im Folgenden finden Sie fünf klassische Verhaltensweisen von Eltern, die mit plötzlichen materiellen Kinderwünschen konfrontiert sind.
Rechts können Sie abstimmen, welches Verhaltensmuster Sie schon bei sich festgestellt haben.
TYP 1: Dein Wunsch sei mir Befehl
Ich verstehe mich gern als Wunscherfüller. Ist das Gewünschte nicht klar zu teuer oder offensichtlich sinnlos, kaufe ich es meinem Kind. Weshalb? Nicht dem Frieden zuliebe, ich erfülle einfach gerne Wünsche. Das macht Spass, den Kleinen genau wie mir!
TYP 2: Ich bleibe meinen Erziehungsleitlinien treu
Gebe ich spontanen Ideen und Wünschen der Kinder zu oft nach, werde ich erpressbar, kann kaum mehr Nein sagen, ohne dass das Gezeter laut und unendlich wird. Hauptsache die Kinder gewöhnen sich daran, dass sie nicht alles erhalten, und lernen, dass Eltern in ihren Möglichkeiten eingeschränkt sind (wie der Nachwuchs später vermutlich auch). Das Kind kann sich die Sache aber zu Weihnachten, auf den Geburtstag oder einen anderen Anlass wünschen.
TYP 3: Ich bin Überraschungs-Manager
Auch spontan etwas schenken und Freude machen ist mir wichtig. Genau diese spontane Freude geht jedoch verloren, wenn das Kind alles sofort bekommt. Also merke ich mir Wünsche und gehe später bei Gelegenheit auf ein paar davon ein. Nicht nur zu Geburtstagen und an Weihnachten, sondern fast schon geplant ‚zufällig‘. Meist sind dies aber kleinere Dinge.
TYP 4: Wer gibt, dem wird gegeben
Wünsche erfüllen macht Spass und gehört auch zur Beziehungspflege. Mir ist wichtig, dass das Kind dies spielerisch und früh lernt. Schenkt es zwischendurch auch mal mir was Kleines (eine Zeichnung oder einen selten schönen Stein), erfülle auch ich ihm zwischendurch eher einen Wunsch. Berechnend? Vielleicht. Aber so lernt meine Tochter / mein Sohn, was wirklich wichtig ist: Der Umgang miteinander, die Wertschätzung – und nicht das Objekt, das den Besitzer wechselt.
TYP 5: Ich will (meine) Ruhe haben
Wenn ich ganz ehrlich bin: Erziehung ist eine Heidenarbeit, mühsam und oft auch undankbar. Neben dem Beibringen gewisser Verhaltensweisen und Grundsätzen sowie dem Wecken von Interessen und Lernwillen habe ich schlicht keine Energie mehr für lange Abwehrkämpfe bei spontanen Wünschen. Deshalb gebe ich relativ schnell nach, und für ein paar Momente herrscht Zufriedenheit und Ruhe.

Autor: Reto Meisser