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26. August 2013

Neuer Lehrerboom

Junge Leute wollen wieder unterrichten. Die Anmeldungen an den Pädagogischen Hochschulen steigen rasant an. Trotzdem fehlen noch Lehrer.

Ein Lehrer während dem Unterricht
Rückkehr der Männer in die Primarschule: Heute sind noch neun von zehn Lehrkräften weiblich. Das wird sich ändern. (Bild: Fotolia)

DIE ERWARTUNGEN AN DEN LEHRBERUF
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Die Anforderungen steigen ständig, der Lohn ist nur mittelprächtig und die Kinder sind auch nicht mehr so brav wie früher — und doch wollen wieder mehr junge Leute Lehrerin oder Lehrer werden. An den Pädagogischen Hochschulen (PH) der Deutschschweiz ist die Zahl der Neuanmeldungen in den vergangenen Jahren massiv angestiegen. Vor allem entscheiden sich auch viel mehr Männer für den bisher von Frauen dominierten Beruf (siehe Box rechts).

«Wir haben über doppelt so viele Anmeldungen wie 2006 bei der Gründung der Hochschule», sagt Christian Irgl (38) von der Pädagogischen Hochschule der Nordwestschweiz. Waren es zu Beginn um die 1500, sind es heute gegen 3300 Studierende. Das grosse Interesse führt Irgl auf die Modularität der Studiengänge zurück. «Die Studierenden stellen sich ihr Studium selbst zusammen.» Das lässt viel mehr Flexibilität zu — das Nebeneinander von Job, Ausbildung und Kinderbetreuung lässt sich einfacher bewältigen.

Die Zahl der Studierenden ist an sämtlichen Pädagogischen Hochschulen der Deutschschweiz deutlich angestiegen. Besonders gross ist das Interesse am Primarlehrerberuf — obwohl dieser als schwierig gilt.

Attraktive Seiten des Lehrberufs neu entdeckt

Doch gerade die Berichterstattung über den Lehrermangel hat auch einen positiven Effekt: «Die vermehrte Diskussion darüber hat dafür gesorgt, dass man wieder auf den Lehrerberuf aufmerksam geworden ist und ihn als Karriereoption wahrnimmt», sagt Christian Irgl. Das Bewusstsein ist gewachsen, dass es sich dabei um einen spannenden Job handelt: «Er ist abwechslungsreich, es gibt immer neue Herausforderungen, und man hat trotz vieler Vorgaben und Pflichten einen hohen Grad an Autonomie. Ein Lehrer gestaltet seinen Unterricht selbst und übernimmt Verantwortung.»

Zudem sind der soziale Kontakt und der Austausch mit dem Team intensiv. Christian Irgl: «Viele Lehrerinnen und Lehrer schätzen die Zusammenarbeit mit den Eltern, den Behörden und innerhalb eines Schulhauses.» Häufig ist auch die persönliche Zufriedenheit für die Berufswahl wichtig: «Viele Lehrer freuen sich am Feierabend, etwas Sinnvolles getan zu haben», sagt Christian Irgl: «Mit Schulklassen ist man am Puls der Zeit: Man weiss immer, was die Kinder und ihre Familien wirklich bewegt und beschäftigt.»

Sehr gute Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt

Ein weiteres Plus ist der Arbeitsmarkt. Über 90 Prozent der Abgänger finden sofort einen Job. Die restlichen zehn Prozent innerhalb eines Jahres.

Wegen des akuten Lehrermangels gibt es heute an vielen PHs die Quereinsteiger-Studiengänge. Auch dies hat für mehr Anmeldungen gesorgt. Diese Ausbildung scheint vor allem auch bei Männern gut anzukommen. In Zürich etwa sind 30 Prozent der Quereinsteiger männlich. Nicht nur Berufsleute, die genug von ihrem Job haben, erkennen die Vorteile des Lehrerberufs. «Das Gros der Zugänge verzeichnen wir bei den regulären Anmeldungen», sagt Christian Irgl. «Quereinsteiger machen nur etwa 20 Prozent aus.»

Das Problem des Lehrermangels ist aber nicht aus der Welt geschafft. Dieser bleibt akut angesichts kinderstarker Jahrgänge und anstehender Pensionierungen von Lehrpersonen. «Trotz der steigenden Zahl von Studierenden an den PHs wird die Anzahl frischgebackener Lehrerinnen und Lehrer noch nicht ausreichen, das Loch zu stopfen», sagt Christian Irgl.

Autor: Claudia Langenegger