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11. April 2016

Neue Schweizer Banknoten

Über zehn Jahre hat es gedauert, jetzt ist es endlich so weit: Die neuen Schweizer Banknoten kommen in Umlauf. Den Anfang macht die 50er-Note, bis 2019 folgen die weiteren Geldscheine. Ihr Design soll die Vielfalt der Schweiz repräsentieren.

Die neue 50er-Note
Das Farbkonzept bleibt, das Design ist neu: die 50er-Note, entworfen von der Luzerner Grafikerin Manuela Pfrunder.

Geht es um die Erfindung der Banknote, sind die Schweizer nicht die Ersten. Die geht auf das Konto der Chinesen: Schon um das Jahr 650 herum benutzten sie Papiergeld. In Europa wurde es deutlich später, ab 1661, regelmässig eingesetzt.

Verzögerungen gab es auch bei der Lancierung der neuen Schweizer Banknotenserie. 2005 fand der Ideenwettbewerb für das Design statt – diese Woche nun bringt die Schweizerische Nationalbank (SNB) die erste Note der neuen Serie in Umlauf.

Eigentlich wäre sie schon 2010 fällig gewesen, doch es gab technische Probleme bei der Entwicklung, unter anderem wegen neuartiger Sicherheitsmerkmale, deren Qualität der SNB zunächst nicht genügte. Das führte zu Verzögerungen bei der Notendruckerei von Orell Füssli.

Auch am Design wurde lange gefeilt; seit letzter Woche ist das der 50er-Note bekannt; sie wird am 12. April als Erste lanciert. Die von der Luzerner Grafikerin Manuela Pfrunder (37) entwickelte Serie steht unter dem Motto «vielseitige Schweiz», jede Note stellt zwei Themen dar:
- Zeit/Organisation (10er)
- Licht/Kreativität (20er)
- Wind/Erlebnis (50er)
- Wasser/Humanität (100er)
- Materie/Wissenschaft (200er)
- Sprache/Kommunikation (1000er)

Die Farben der alten Serie bleiben bestehen, das Format wird aber etwas kleiner.

Der logistische Kraftakt der Umstellung hat sich in den vergangenen Wochen schon bemerkbar gemacht: Viele Bancomaten gaben keine 50er-Noten mehr heraus, weil die Banken bereits für die neuen Noten umrüsteten.

«Neue Noten verschaffen einen Vorsprung gegenüber aktuellen Fälschungstechnologien»

Beat Grossenbacher (50) ist Leiter Bargeld bei der Schweizerischen Nationalbank.

Beat Grossenbacher, neue Banknoten sind nötig, weil das Fälschungsrisiko sich mit der Zeit erhöht. Kürzlich hat aber ein Geldfälscher behauptet, die neuen Noten seien nicht so fälschungssicher, wie sie sein könnten.

Dem kann ich mit gutem Gewissen widersprechen. Die Kombination aus komplexer Gestaltung, neuen Materialien und Sicherheitsmerkmalen macht eine Fälschung äusserst schwierig. Aber es ist richtig, dass das Risiko sich mit der Zeit erhöht. Bei der bisherigen Serie gab es allerdings vergleichsweise wenig Fälschungen. Dennoch verschaffen neue Noten stets einen Vorsprung gegenüber aktuellen Fälschungstechnologien.

Wie frei war die Grafikerin bei der Gestaltung der Motive zur «vielseitigen Schweiz», wie stark hat die SNB mitgeredet?

Das Motto haben wir vorgegeben. Gemeinsam mit der Gestalterin haben wir uns aber entschieden, von «weltoffener Schweiz» zu «vielseitige Schweiz» zu wechseln, weil das mehr Gestaltungsmöglichkeiten erlaubt. Auch sonst haben wir ständig zusammengearbeitet. Die grundsätzlichen Gestaltungsideen kamen von der Designerin, bei der konkreten Umsetzung aber hat die SNB, unter Berücksichtigung aller technischen Aspekte, natürlich Einfluss genommen.

Die Pusteblume auf der neuen 50er-Note hat recht zwiespältige Reaktionen ausgelöst.

Mir persönlich gefällt sie, weil sie das Thema Wind sehr schön symbolisiert. Und bei neuen Noten gibt es anfangs immer viel zu diskutieren; das finden wir durchaus positiv.

Die neuen Noten sind etwas kleiner als die alten. Warum?

Seit etwa 50 Jahren werden die Noten stets etwas kleiner: Sie sind dadurch handlicher im Gebrauch. Geldautomaten lassen sich kompakter bauen, und auch hinsichtlich Herstellung und Transport hat das Vorteile.

Etwa 48 Millionen 50er-Noten sind derzeit im Umlauf – wie lange wird es dauern, bis sie alle durch die neuen ersetzt sind?

Erfahrungsgemäss fliessen innerhalb eines halben Jahres rund zwei Drittel der alten Banknoten an uns zurück. Eine gewisse Restmenge bleibt aber immer im Umlauf.

Die sind dann immer noch gültig?

Absolut. Aber wenn 2019 die letzte neue Note in Umlauf gegeben ist, wird die Nationalbank einen Rückruf der Noten aus der bisherigen Serie ankündigen. Ab dann läuft eine Frist von 20 Jahren. Innerhalb dieses Zeitraums nimmt die SNB die Noten zurück und ersetzt den Wert. Danach sind sie nur noch Altpapier und höchstens für Sammler interessant.

Wie funktioniert eine solche Umstellung logistisch?

Sie ist eine Herausforderung, für die SNB wie für unsere Partner, also Geschäftsbanken, Post, Lieferanten, Transportfirmen. Sie alle werden deshalb so früh wie möglich miteinbezogen. Die Bancomatenhersteller konnten die neuen Noten zum Beispiel schon längst testen. Der enorme Aufwand ist mit ein Grund, weshalb die Noten über drei Jahre verteilt ausgegeben werden. Ein zweiter Grund ist, dass wir, gestützt auf die Erfahrungen mit der ersten Note, allenfalls bei den übrigen noch kleine Anpassungen vornehmen können.

Wie lange gibt es noch Bargeld?

Zwar existieren heute viele andere Zahlungsformen, aber bisher ­konnten sie das Bargeld nirgends verdrängen. In der Schweiz ist es im Alltag sogar sehr populär – tatsächlich ist der Notenumlauf in den vergangenen Jahren stets etwas gestiegen. Ein Ende des Bargelds ist nicht in Sicht.

Nutzen Sie selbst es auch noch?

Klar, beim Kauf von Lebensmitteln, im Restaurant, in den Ferien. Ich ­nutze natürlich auch Karten – wichtig ist mir, dass ich die Wahl habe.

Autor: Ralf Kaminski