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26. November 2012

Neue Männer, es bitzli

Ist er eigentlich gewählt worden? Muss ich gleich nachschauen. Dieser Dürr, wissen Sie, Baschi mit Vornamen, der in die Basler Regierung drängte und dennoch darauf bestand, freitagmorgens jeweils daheim zu Wäsche, Kind und Kegel zu schauen. Er werde die verpasste Bürozeit vor- und nachholen, versprach er. Bemerkenswert. Erstens, weil es sich um einen Freisinnigen handelt, fern des Verdachts, ein rot-grüner Softie zu sein; und wenn ein Bürgerlicher die Notwendigkeit familienfreundlicher Strukturen einsieht, bewirkt er mehr als ein Dutzend wohlmeinender Kampagnen von links. Zweitens, weil er aussprach, dass heute jeder Job flexibel zu gestalten ist, selbst der eines Regierungsrats. Ein Morgen ist wenig, aber immerhin. Flugs wurde der Baschi indes als «Waschi» verhöhnt, und die bereits gewählte SP-Frau Eva Herzog täubelte: «Hätte ich 2005 bei meiner Wahl angekündigt, ich wollte einen Nachmittag zu Hause bleiben, hätten alle gesagt: ‹Ein solches Amt und kleine Kinder — es geht eben doch nicht.›» Die Frau hat recht — aus feministischer und leicht gestriger Sicht. Sie hätte sich aber auch freuen können, dass die Zeiten sich ändern. Denn natürlich hat auch der Mann recht, Dürr.

Vergessen, das WC zu schrubben
«Sie vergessen, das WC zu schrubben.»

Das ist ja das Verzwickte, jede kämpft gegen jeden. Die einen kämpfen dafür, das «bisschen Haushalt» als wichtigen Job aufzuwerten, die anderen kämpfen für mehr berufstätige Frauen — und werten die Hausarbeit ab. Es sollten beide für beides kämpfen. Neun von zehn Schweizer Männern, behauptet eine Studie, möchten gern Teilzeit arbeiten, wenn sie könnten. Das glaube ich nicht so recht. Haben wirklich neun von zehn ihren Chef schon mal gefragt? Und dann gibts die Pseudoteilzeitpapis, die einen halben Tag pro Woche den chicen Buggy durchs Quartier bugsieren, aber vergessen, daheim das WC zu schrubben. Dabei kann es sich das Land gar nicht leisten, ausgebildete Frauen an den Herd zu bannen. Der Arbeitsmarkt braucht sie, das hat inzwischen sogar der Arbeitgeberverband gemerkt. Nur ist es nicht damit getan, die Frauen in die Berufswelt zu integrieren, es muss auch Teilzeitjobs für Männer geben, auf allen Ebenen. Denn nur wenn sie daheim echt entlastet wird, kann sie sich im Beruf entfalten. Bedenklich: Nur gerade in 0,6 Prozent der Schweizer Haushalte macht der Mann mindestens die Hälfte. (Sonst wäre einer wie ich in der Zeitung ja nicht mehr der Rede wert …)

Sie vergessen, das WC zu schrubben.

Noch zu Herrn Dürr, falls er gewählt wurde. Bestimmt ist einer, der das wahre Leben kennt und auch mal Krautstiele für die Kinder kocht, der bessere Politiker. Auch pocht er mit gewissem Recht auf den vollen Lohn von 300 000 Franken, denn Nichtanwesenheit im Büro bedeutet noch lange nicht, dass jemand nicht genug arbeitet. Aber vielleicht könnte er ja doch auf einen Zehntel verzichten; mit 270 000 Franken müsste knapp durchzukommen sein. Apropos FDP: Als der bald 60-jährige Zürcher Stadtrat Martin Vollenwyder unlängst seinen Rücktritt ankündigte, sagte er: «Ich werde sicher noch berufstätig sein, werde nicht mit dem Staubsauger oder einem Lappen in der Wohnung rumstehen und meine Frau nerven.» Kleiner Tipp, Herr Vollenwyder: Möglicherweise würden Sie Ihre Frau gar nicht nerven, täten Sie daheim auch mal was.

Da ist einem der «Waschi» Dürr dann doch lieber, oder?

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Bänz Friedli (47) lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Zürich.

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Autor: Bänz Friedli

Fotograf: Bänz Friedli