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13. Februar 2012

Neue Kraft für das Immunsystem

Die Grippewelle rollt an. Höchste Zeit, die Abwehrkräfte zu stärken. Sieben Methoden, die Sie ganz leicht in Ihren Alltag einbauen können.

Gönnen Sie sich viel Licht.
Gönnen Sie sich viel Licht.

Eiskalte Tatsachen: Die Auswirkungen grosser Kälte auf den Organismus.

1) Gönnen Sie sich viel Licht

Ein hoher Vitamin-D-Spiegel im Blut verringert Atemwegsinfektionen und ist entscheidend für die Stabilität der Knochen. Die wichtigste Quelle zur Bildung von Vitamin D ist Sonnenlicht. Ungefähr 90 Prozent des Bedarfs werden mit Hilfe des UVB-Anteils im Sonnenlicht in unserer Haut gebildet.

«Deshalb sollte man sich möglichst täglich mindestens eine halbe Stunde an der frischen Luft aufhalten», empfiehlt Iris Hähnel, Ärztin für Innere Medizin, vom Checkupzentrum Hirslanden in Zürich. Am besten zwischen 10 und 14 Uhr, denn dann ist im Winter meistens auch das Licht am intensivsten, auch bei bewölktem Himmel. Vitamin D kann auch in kleinen Mengen mit der Nahrung zugeführt werden. So beispielsweise über Hering, Aal und Leber. Oder über Vollmilch, Eier und nicht zu magere Käsesorten.

2) Befeuchten Sie Ihre Lunge

Im Bereich der Alternativmedizin schenkt die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) den Infektionskrankheiten besondere Aufmerksamkeit, genauer gesagt: dem Schutz des Körpers vor dem Eindringen von Krankheitserregern über die Atemwege. Der Grund: Bis vor rund 60 Jahren war eine Lungenentzündung noch eine häufige Todesursache.

Im Fokus steht der Funktionskreislauf der Lunge. Denn dort ist gemäss TCM der eigentliche Sitz des Immunsystems, das es zu stärken gilt. Der Funktionskreis umfasst einerseits die Lunge selbst, dann die Atemwege, die Haut und die Poren.

Die Lunge mag gemäss TCM Feuchtigkeit und Wärme, scheut aber die Trockenheit. Das erklärt auch die Empfindlichkeit der Atemwege und der Haut auf beispielsweise Kälte, Trockenheit und die winterliche Heizperiode.

Neben regelmässiger Bewegung sollen auch bestimmte Nahrungsmittel stärkend auf dieses fein aufeinander abgestimmte System wirken.

Befeuchten Sie Ihre Lunge.
Befeuchten Sie Ihre Lunge.

Deshalb rät Vera Newec vom Chinamed Zentrum in Baden AG zu wärmenden und befeuchtenden Nahrungsmitteln zu greifen. Täglich eine Birne zu essen, am besten gedämpft, mit etwas Honig, befeuchtet die Lunge. Oder auch ein Tee aus 20 Pfefferminzblättern mit einem Esslöffel Honig hat diese Wirkung. Die Yamswurzel, gekocht als Beilage zu Reis, stärkt ebenfalls die Lunge und damit das Immunsystem. Kalte oder scharfe Gerichte sollten hingegen eher vermieden werden.

3) Schlafen Sie wieder mal richtig

Für die Stärkung des Immunsystems ist eine ausreichende Regeneration wichtig. Um aber gut schlafen zu können, müssen einige Faktoren berücksichtigt werden. Schlaffördernd wirken zum Beispiel das richtige Raum- und Bettklima.

Schlafen Sie wieder mal richtig.
Schlafen Sie wieder mal richtig.

Ideal ist laut Iris Hähnel eine Zimmertemperatur zwischen 16 und 19 Grad Celsius. Die Luft sollte frisch und nicht trocken sein. Das erreicht man am besten, indem man vor dem zu Bett gehen einmal kräftig durchlüftet. Trocknen die Schleimhäute aufgrund der trockenen Luft im Schlafzimmer aus, können Krankheitserreger schneller in den Körper eindringen. Abhilfe schaffen feuchte Tücher, die über die Heizungsradiatoren gelegt werden oder ein Luftbefeuchter. Da Menschen nachts unbemerkt bis zu einem Liter Flüssigkeit über die Haut und die Atmung verlieren, müssen Duvets und Kissen sowie die Matratze regelmässig ausgelüftet werden, um sie vor Keimen zu schützen.

Aber auch die Bettbezüge rechtzeitig zu wechseln kann entscheidend zur Hygiene beitragen. Milben lieben nämlich das feuchte Klima im Bett und können bei Menschen zu allergischen Reaktionen führen.

4) Trainieren Sie Ihr Immunsystem

Die Methode ist schon über 100 Jahre alt: Kneippsche Güsse und Saunagänge fördern die Durchblutung und die Elastizität der Blutgefässe. Für den so trainierten Körper bedeutet die Winterkälte weniger Stress. Neue Studien zeigen, dass durch Kneippgüsse die Zahl bestimmter Abwehrzellen des Immunsystems zunimmt.

Trainieren Sie Ihr Immunsystem.
Trainieren Sie Ihr Immunsystem.

Kneippsche Wechselduschen können im eigenen Badezimmer gemacht werden. Einfach die tägliche Dusche mit zwei Heiss-kalt-Wechseln beenden. Für «Gfrörli» empfiehlt die Ärztin Iris Hähnel: Wechselduschen zumindest an Armen und Beinen. Noch wirkungsvoller ist der Gang in die Sauna. Zweimal pro Woche jeweils zwei Durchgänge.

Achtung: Menschen, die unter akuten Entzündungen, Venenthrombosen, Herz-Kreislauf-Problemen oder anderen chronischen Krankheiten leiden, sollten vorher ihren Arzt um Erlaubnis fragen.

5) Übertreiben Sie es nicht mit Sport

Übertreiben Sie es nicht mit Sport.
Übertreiben Sie es nicht mit Sport.

Wer regelmässig Sport treibt, wird weniger krank, besagt eine alte Weisheit. Sich regelmässig zu bewegen stimuliert die Aktivität des Immunsystems und stärkt so die Abwehrkräfte. Doch sollte damit nicht übertrieben werden, besonders bei frostigen Temperaturen. Wird Sport für den Körper zum Stressfaktor, ist dieser anfälliger für Infekte. So erkranken Profisportler häufiger als Gelegenheitssportler. Besonders empfehlenswert sind sanfte Ausdauersportarten wie beispielsweise Nordic Walking oder auch längere, flotte Spaziergänge. Dies idealerweise an drei bis fünf Tagen pro Woche, rät Iris Hähnel vom Checkupzentrum Hirslanden. Sportliche Aktivitäten öffnen die Poren, und krankmachende Keime können leichter in den Körper eindringen. Deshalb ist es wichtig, die Körperoberfläche zu schützen. Besonders der Oberkörper sollte mit Schal und Mütze gewärmt werden.

6) Machen Sie immer wieder Pausen

Machen Sie immer wieder Pausen.
Machen Sie immer wieder Pausen.

Stress und andauernde psychische Belastungen sind Gift für das Immunsystem. Sich bewusst zu entspannen stärkt die Immunabwehr. Entspannung kann durch ganz unterschiedliche Methoden schnell herbeigeführt und trainiert werden. Beispielsweise durch Meditation oder autogenes Training. Studien belegen, dass solche Methoden die Immunabwehr stärken. Am besten sucht man sich einen geeigneten Kurs zum Beispiel in der Klubschule Migros. Nachdem man die Methode erlernt hat, muss man sie regelmässig praktizieren, und zwar mindestens zwei- bis dreimal pro Woche eine halbe Stunde.

7) Nicht vergessen zu trinken

In den Wintermonaten verspüren viele Menschen nur ein schwaches Durstgefühl. Aber gerade während der Heizperiode verlieren wir wegen der niedrigen Luftfeuchtigkeit über die Atemluft und die Schleimhäute Flüssigkeit. Genügend Wasser ist aber einerseits notwendig für die ausreichende Durchblutung des Gehirns, andererseits hält es die Schleimhäute der Atemwege feucht. Ohne ausreichende Flüssigkeitszufuhr werden giftige Substanzen im Körper nicht mehr ausgeschwemmt, lagern sich ab und schwächen das Immunsystem.

Nicht vergessen zu trinken.
Nicht vergessen zu trinken.

Iris Hähnel empfiehlt, täglich mindestens zwei Liter zu trinken, gleichmässig über den Tag verteilt. Wer vergisst, regelmässig zu trinken, kann sich zur Erinnerung einen roten Punkt an den Bildschirm, das Telefon oder an die Armbanduhr kleben. Als wirksames Mittel, um die Schleimhäute feucht zu halten, dienen auch selbst gemischte Nasenspülungen. Einfach eine Messerspitze Kochsalz in eine Tasse lauwarmes Wasser geben. Einen Teil der Flüssigkeit auf die Handfläche schütten. Danach die Nase eintauchen, die Flüssigkeit aufziehen und sie durch den Mund ausspucken. Mehrmals wiederholen.

Autor: Sandra Kohler

Fotograf: Oreste Vinciguerra (Illustrationen)