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10. September 2012

Neue Drogen – wie gross ist die Gefahr?

Neben den altbekannten Drogen machen immer wieder auch neue Substanzen Schlagzeilen. Experte Urs Rohr sagt, was Eltern zum Schutz ihrer Kinder tun können.

Kokain ist eine der gefährlichsten Drogen.
Kokain ist breit verfügbar und 
damit auch 
für Jugendliche 
eine der gefährlichsten Drogen. (Bild: Fotolia)

Erst kürzlich berichteten die Medien über die Ausbreitung der sogenannten Zombiedroge in der Schweiz. Diese scheine tatsächlich sehr unberechenbar und gefährlich zu sein, bestätigt Urs Rohr (49), Bereichsleiter bei der Suchtpräventionsstelle Zürich. «Aber», relativiert er, «sie scheint vor allem ein Medienhype zu sein. Mir ist in Zürich bisher kein Fall bekannt.»

Jedes Jahr tauchen neue Substanzen auf. Anfänglich sind sie nicht verboten, und darum eine Zeit lang ein Thema, allerdings meist nur in einer sehr kleinen Szene. Viel wichtiger ist es daher laut dem Experten, ein Auge auf die «alten Bekannten» zu haben: Alkohol, Nikotin, Cannabis und Kokain. Um eine Berührung mit diesen Drogen komme heute kaum jemand herum, vor allem die beiden legalen seien omnipräsent — im Gegensatz zu Heroin. «Der Rückang von Heroin ist die grosse Erfolgsgeschichte der letzten Jahre», sagt Urs Rohr. Hier gibt es kaum noch Neueinsteiger.

Haben die Jugendlichen eine vernünftige Basis im Umgang mit den gängigen Drogen, verfügen sie laut Rohr auch über das Rüstzeug, um andere Substanzen einzuschätzen. Dabei spielen die Eltern eine zentrale Rolle. Drogen inklusive Alkohol und Tabak sollen zu Hause Gesprächsthema sein. Dabei sollten die Eltern auch offen über ihren eigenen Konsum reden, zum Beispiel wenn sie selber rauchen. «Das Ausprobieren verhindern können sie damit zwar kaum», weiss Rohr. Aber wenn eine offene Gesprächskultur herrsche, sei es viel einfacher, das Thema gegebenenfalls anzusprechen. Und das gehöre klar zu den Aufgaben der Eltern. Urs Rohr betont: «Es ist anstrengend, mit Teenagern über ihren Alkoholkonsum oder das Kiffen zu reden, aber es ist wichtig. Nicht ein Mal, sondern immer wieder.» Denn Verbieten bringe nichts. Aber es brauche klare Abmachungen über den Umgang mit Drogen, auch den legalen.

Und was, wenn alles Reden nichts bringt? «Dann sollen Eltern ihren Kindern sagen, dass sie sich Sorgen machen und Hilfe in Anspruch nehmen möchten, zum Beispiel bei einer Drogenberatungsstelle», empfiehlt Urs Rohr.

Wie gut kennen Sie sich mit den heute gängigen Drogen aus? Die Umfrage:

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Autor: Andrea Fischer Schulthess