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24. März 2014

Neil Patrick Harris - «Barney hat mich flirten gelehrt»

In den USA endet am 31. März nach neun Jahren die Sitcom «How I Met Your Mother» – eine der beliebtesten Serien aller Zeiten. Hauptdarsteller Neil Patrick Harris über die Kultfigur Barney Stinson und seine Zukunftspläne.

Neil Patrick Harris spielt Barney in der Sitcom «How I Met Your Mother».
«Die Serie war erfolgreich, und doch wurde sie oft unterschätzt.» - Neil Patrick Harris über die Sitcom «How I Met Your Mother». (Bild: Corbis/Armando Gallo)

Neil Patrick Harris, «How I Met your Mother» geht in diesen Tagen zu Ende. Weshalb war die Serie so erfolgreich?

Sie war erfolgreich, und doch wurde sie in meinen Augen oft unterschätzt. Es ist zwar eine Sitcom, aber wir haben interessante und anspruchsvolle Erzähltechniken eingesetzt – zum Beispiel haben wir Szenen rückwärts gespielt oder verschiedene kleine Geschichten auf ein Ereignis zurückgeführt. Es ist eben letztlich eine ganz kluge Serie.

Szene aus How I met your mother: Barney, Robin, Ted, Marshall und Lily (von links) in ihrer Stammkneipe. Fehlt nur noch die Mutter von Teds Kindern – die der Serie ihren Namen gab. (Bild: Cinetext)

Wie zufrieden sind Sie mit dem Ende?

Es ist ein tolles letztes Kapitel. Die ganze letzte Staffel spielt sich in den 55 Stunden vor der Trauung von Barney und Robin ab. Da kann noch viel passieren, und es gibt reichlich Gelegenheit für Rückblenden und Vorausblenden. Ich fands auch gut, dass wir die im Titel erwähnte, aber nie gezeigte Mutter bereits am Ende der achten Staffel eingeführt haben. So kann sie nun noch mit den anderen Figuren agieren – und am Schluss will man selbst auch, dass sie die beiden Kinder haben, denen Ted am Anfang der Episoden jeweils seine Geschichten erzählt.

Ist es nicht ein Charakterbruch, wenn der Schürzenjäger Barney nun wirklich heiratet?

Ich habe mir am Anfang eher etwas Sorgen gemacht, dass Barney jahrelang die gleichen Sprüche bringen würde, aber unsere Bosse Carter und Craig sind schlaue Autoren, die das Lustige mit dem Ernsten verbinden können. Die Liebesgeschichte von Barney und Robin hat sich auch deshalb angebahnt, weil ich als Barney ihr gegenüber über die Jahre immer wieder Avancen und lange Blicke improvisiert habe. Irgendwann haben sie uns dann zusammengebracht. Cobie Smulders ist eine tolle Schauspielerin, sie wird uns alle überrunden.

Desperate Housewives
Desperate Housewives, wenige Sekunden vor dem Ende.

LASST DIE SERIEN IN WÜRDE STERBEN
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Wie hat Barney Sie persönlich geprägt?

Dank ihm verstehe ich etwas mehr von Mode, ich sage häufiger «awesome» als früher – und Barney hat mich flirten gelehrt, das tue ich jetzt sicher mehr als vor der Serie. Es muss ja zu nichts führen, aber jeder hört doch gerne etwas Nettes. Obwohl die Leute ja mittlerweile meine Familiensituation kennen: Frauen hören immer noch gerne, dass sie «hot» sind und verführerisch riechen. Männer hören auch gern, dass sie scharf aussehen, egal, ob sie schwul oder hetero sind.

Sie leben seit zehn Jahren mit dem Schauspieler David Burtka zusammen und haben in dieser Zeit die Querelen rund um die Legalisierung gleichgeschlechtlicher Ehen in Kalifornien erlebt. Wie schätzen Sie heute die Lage ein bezüglich der Akzeptanz von Homosexuellen-Rechten in den USA?

Es gibt sicher noch Raum für Verbesserungen, aber es hat sich in den letzten Jahren vieles radikal und in hohem Tempo verändert – im Alltag und rechtlich. Mir scheint es anders als früher nicht mehr dieser harte Kampf zu sein, die Leute davon zu überzeugen, dass wir keinen schrecklichen Geheimplan verfolgen, sondern einfach nur stolz zu der Person stehen wollen, die wir gern haben. Und wenn ich in der Zeitung trotzdem wieder mal etwas Bizarres lese, dann kann ich das auch unter «Bizarres» abhaken, denn die Zeiten haben sich klar geändert, und das Rad wird nicht mehr zurückgedreht.

Sie und Ihr Partner wurden durch eine Leihmutter Väter von Zwillingen. Werden Sie auch heiraten?

Irgendwann schon, verlobt sind wir bereits. Aber erst mal sind wir nach New York gezogen, denn David ist Theaterschauspieler und hat während einer Dekade mit mir in Los Angeles seine Bedürfnisse zurückgestellt. Auch ich trete wieder im Theater auf, mein erstes Stück ist «Hedwig and the Angry Inch» am Broadway. Abends spielen wir, tagsüber haben wir Zeit für die Kinder. Der Park und das Naturhistorische Museum sind gleich nebenan. Es passt also alles ganz gut.

Sie haben einen Jungen und ein Mädchen. Beide sind vier Jahre alt. Welche Unterschiede fallen Ihnen bei der Erziehung der Zwillinge auf?

Wir versuchen, so geschlechtsunspezifisch zu erziehen wie möglich. Aber Gideon ist halt wie ein kleiner Junge und Harper wie ein kleines Mädchen. Er rennt mit einem Plastikhammer herum und verhämmert alles, sie trägt gern ein Prinzessinnenkleid und tanzt darin. Aber er mag die Farbe Pink, und sie mag Spinnen und Schlangen …

… und vermutlich mögen beide Zauberei. Sie sind ja der Präsident des Magic Castles in Los Angeles und können selber zaubern wie ein Profi. Wie kam es dazu?

Zauberei hat mich schon als Kind fasziniert. Mein Grossvater hatte Physiktricks mit der statisch geladenen Nadel auf Lager, und mein Taschengeld gab ich im Zaubershop aus. Die gelernten Tricks führte ich meinen Kumpeln in der Schule vor. Als ich dann nach Los Angeles kam, hatte ich vom Magic Castle gehört, in dem Zaubergeheimnisse in einer Bibliothek aufbewahrt wurden. Ins Schloss rein kam man nur mit einem geheimen Passwort und erst ab 21. Aber zum Glück hatten sie ein Programm für Junioren. An einer Aufnahme-Audition präsentierte ich einen Trick mit kleinen roten Bällen. Ich wurde aufgenommen, und da ich in einer TV-Show war, bekam ich später sogar die lebenslängliche Mitgliedschaft.

Und wie sind Sie dann Präsident dieses Privatclubs für Magier geworden?

Mit 21 kam ich in den Vorstand, und irgendwann wurde ich Vizepräsident, was eigentlich nichts bedeutete, ausser dass ich eine schönere Visitenkarte bekam. Aber als dann der Präsident zurücktrat, war ich plötzlich Präsident eines vom Untergang bedrohten Clubs – der 50-jährige Pachtvertrag des Schlösschens lief aus, das Restaurant brauchte einiges an Neuerungen, und auch sonst lag vieles im Argen. Aber inzwischen haben wir die Qualität des Essens und der Drinks verbessert, das Zauberprogramm etwas umgestellt und bezahlen den Zauberern, die bei uns auftreten, einen besseren Lohn.

Und jetzt gehts wieder bergauf?

Ja, wir haben gerade unser 50-Jahr-Jubiläum gefeiert, und unsere Besucherzahlen waren noch nie so hoch wie jetzt. Ich hoffe, dass auch jüngere Leute sehen, wie cool Zauberei ist. Tricks mit Tauben oder Mentalzauberei wie die von Uri Geller mag ich besonders. Man kann Zaubereirequisiten auch sammeln, zum Beispiel für die Münzenzauberei oder Kartenzauberei. Und im Gegensatz zu gewöhnlichen Briefmarken- oder Münzensammlern können wir mit unseren Sammlungen etwas vorführen. Das ist doch toll!

Zauberei hat mich schon als Kind fasziniert.

Zaubern Sie auch zu Hause?

Ich habe eine aus allen Nähten berstende Zauberkammer, aber die Kinder unterhalte ich noch nicht mit Zaubertricks. Wenn man einmal angefangen hat, gibt es kein Zurück mehr, dann muss man dauernd etwas verschwinden lassen.

Sie sind also Magierpräsident und beenden gerade eine Hitserie. Letztes Jahr sind Sie 40 geworden. Was sind Ihre nächsten Ziele?

Ich hatte schon mehrmals im Leben ganz grossen Erfolg und habe daher nun nicht das Gefühl, dass ich irgendeinem Ziel nachjagen muss. Was soll ich auch versuchen, einmal in einem Spielberg-Film mitzuspielen? Dann ist das garantiert der Spielberg-Film, der floppt, und man fängt wieder von vorne an. Oder man kommt endlich in eine tolle TV-Show, aber sie wird zur gleichen Zeit wie «The Voice» ausgestrahlt, hat deswegen zu wenig Zuschauer und wird eingestellt. Es gibt so vieles, was man im Showbusiness nicht selber beeinflussen kann.

Aber Sie sind doch momentan ein sehr gefragter Schauspieler.

Ich bin sehr beschäftigt, das stimmt. Ich habe Rollen in den neuesten Filmen von Seth MacFarlane und David Fincher abgedreht. Ich habe die Zaubershow «Nothing to Hide» in Los Angeles auf der Bühne inszeniert, und ich will sie nun auch nach New York bringen. Und jetzt steht natürlich erst mal das Rock-Musical «Hedwig and the Angry Inch» im Fokus, in dem ich als Drag-Queen in High Heels über die Bühne stöckeln muss.

Könnten Sie zum Schluss noch einen Zaubertrick vorführen?

Oje, wenn das nur nicht schiefgeht! Also, nehmen Sie das Kartenset und heben Sie ab. Ich sage voraus, dass Sie die Karte wählen, die ich in meinem Umschlag in der Jacke habe (zieht einen Umschlag mit der falschen Karte aus der Tasche). Das ist die falsche? Ach herrje! Vermutlich bin ich etwas nervös. Oder vielleicht ist sie einfach in der anderen Jackentasche! (Sagts und zieht die richtige Karte hervor.)

Autor: Marlène von Arx