Archiv
26. Mai 2015

Nebenan im Schrebergarten

Seit mehr als 15 Jahren pflanzen und jäten Eleonore Burlet und Rafael Gutierrez Pünt an Pünt. Die Familiengärten im Effretiker Butzenriet sind ihre zweite Heimat geworden.

Rafael «Rafi» Gutierrez (65) und Eleonore «Lore» Burlet (77): In ihren Stühlen sitzen sie nur für das Gespräch, meist sind die beiden am Werken.
Rafael «Rafi» Gutierrez (65) und Eleonore «Lore» Burlet (77): In ihren Stühlen sitzen sie nur für das Gespräch, meist sind die beiden am Werken.

Eleonore Burlet: Also, so zusammenhöckle wie grad jetzt bei mir hier auf der Terrasse, das machen wir sonst nicht, gell, Rafi!

Rafael Gutierrez: Nein, aber reden schon, oder, Lore? Meist auf dem Wegli zwischen unseren beiden Gärten.

Eleonore Burlet: Aber mehr so über das Wetter, nichts Privates. Und was die Schnecken wieder alles abgefressen haben. Und die Werren, die sind auch schon wieder riesig, da hilft nur Gift. Und dann die Mäuse, die sind sowieso unser ewiges Thema. Nützt dein neues Ultraschall-Dings eigentlich was?

Rafael Gutierrez: Das kann ich noch nicht sagen. Wieso? Stört dich das hohe Pfeifen?

Eleonore Burlet: Nein, nein, ich hörs schon gar nicht mehr. Ich selber habe ja so einen alten Spazierstock, der meinem Schwiegervater gehört hat. Mit dem stochere ich immer in den frischen Mäusegängen rum. Hatte ich schon erzählt, dass der Rafi die grössten Stangenbohnen vom ganzen Pflanzerverein zieht? Sagenhafte 20 Zentimeter!

Rafael Gutierrez: Die Samen habe ich vor Jahren aus Südspanien mitgebracht; wie sie heissen, weiss ich aber nicht.

Eleonore Burlet: Rafis Bohnen schmecken auf jeden Fall sehr gut, das kann ich beurteilen. Ich bin nämlich eine begeisterte Hobbyköchin. Drum baue ich auf meinen Beeten auch vor allem Gemüse an. Blaukabis beispielsweise fülle ich heiss ein, anderes landet in meiner grossen Gfrüri. Diesen Winter habe ich nicht einmal Gemüse kaufen müssen.

Rafael Gutierrez: Die Lore kann wirklich kochen, sie hat mir auch schon gute Tipps gegeben.

Eleonore Burlet: Ui, jetzt werd ich fast ein bisschen verlegen. Der Rafi ist aber auch ein Guter. Seit mein Mann gestorben ist, mäht er mir den Rasen. Ich will ja meinen Plätz noch möglichst lang bewirtschaften können. Ich finde, man braucht ein Ziel, einen Ort, wo man täglich für ein, zwei Stunden hingehen kann. Gerade auch, wenn man allein lebt wie ich jetzt.

Rafael Gutierrez: Du, Lore, nochmals wegen der Mäuse. Das hohe Pfeifen, stört dich das wirklich nicht?

Eleonore Burlet: Nein, nein, ich hörs schon gar nicht mehr! Was mich hingegen stört, sind die Samen der Chrottepösche, die grad wieder überall rumfliegen. Aber es jäten halt nicht alle so ordentlich wie der Rafi, gell!

Autor: Almut Berger

Fotograf: Salvatore Vinci