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01. Juni 2015

Nahrungsergänzungsmittel: Abwägen, was man schluckt

Nahrungsergänzungsmittel boomen. Fast jeder hat ein Vitaminpräparat im Schrank stehen. Wie viele Extras brauchen wir?

Vielseitige Ernährung mit Früchten und Gemüse enthält grundsätzlich alles, was wir brauchen
Vielseitige Ernährung mit Früchten und Gemüse enthält grundsätzlich alles, was wir brauchen (Bild: Getty Images).

Schätzungsweise ein Viertel der Schweizer Bevölkerung ergänzt den Speiseplan regelmässig mit Nährstoffen in Tablettenform. Am häufigsten mit Multivitaminpräparaten, Kalzium mit oder ohne Vitamin D und Fischöl. Verständlich: Wir werden immer älter und wollen möglichst lange fit bleiben. Doch brauchen wir diese Pillen und Pülverchen wirklich?

Im Winter fehlt Vitamin D

Um diese Frage schlüssig zu beantworten, braucht es gute Studien. Doch die sind rar. Und selbst wo vorhanden, zeigen sie oft widersprüchliche Resultate. So bleibt unklar, ob die Einnahme von Vitamin D einen Nutzen bringt, vor allem wenn kein Mangel nachgewiesen worden ist. In der Schweiz scheint ein solcher in den Monaten Januar bis März bei rund zehn Prozent der Bevölkerung vorzuliegen. Etwa die Hälfte hat in diesen Monaten einen unzureichenden Vitamin-D-Blutspiegel.

Sonnenschutz ist wichtig für die Gesundheit der Haut. Wer aber konsequent Creme mit Schutzfaktor 30 oder mehr verwendet, produziert kaum mehr Vitamin D in seiner Haut. Diese Eigenproduktion ist die Hauptquelle des Vitamins. Da der Vitamin-D-Bedarf kaum mit der normalen Ernährung gedeckt werden kann, kann es sinnvoll sein, Vitamin D nach Bedarf als Tablette oder Tropfen einzunehmen.

In Forscherkreisen hingegen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Multivitamin und Vitamin C nicht vor Erkältung oder Grippe schützen. Allenfalls können 75 Milligramm Zink die Erkältungsdauer um einen Tag verkürzen. Überhaupt sollte man sich im Klaren sein, dass Supplemente auch Nebenwirkungen haben können. Wir können nicht ausschliessen, dass Vitamin A oder Folsäure als Supplemente das Risiko für gewisse Krebsarten und dass Kalzium und Vitamin E jenes für Herz-Kreislauf-Krankheiten erhöht.

Andererseits kann es Sinn machen, gezielt Nährstoffe einzunehmen, um Mangelerscheinungen, Missbildungen und Krankheiten vorzubeugen. Vitamin B12 beispielsweise kann bei Veganern Blutarmut verhindern. Frauen mit Kinderwunsch können Folsäure einnehmen, um einem offenen Rücken beim Kind vorzubeugen. Auch Eisen fehlt häufig bei vielen jungen Frauen, die kein Fleisch essen. Das heisst: Ob man Nahrungsergänzungsmittel einnehmen soll oder nicht, ist höchst individuell.

Autor: David Fäh