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24. April 2017

Nägel mit Köpfen

Junge Eltern
Junge Eltern stellen sich Tellerchen für Tellerchen ihr Nest zusammen. (Bild: Keystone)

Ein gewöhnlicher Samstag im Einkaufszentrum: endloser Spass und Zeitvertreib irgendwo zwischen Junkfood, Möbelgeruch, Spielautomaten, Duftkerzen, Nagelstudios, unnötigem Konsum und Tagträumen.
Gerade Einrichtungshäuser fühlen sich ein bisschen an wie eine Kindertagesstätte für gelangweilte Erwachsene.

Und sie eignen sich hervorragend für Sozialstudien. Als meine neue Mitbewohnerin und ich uns letztes Wochenende ein paar Sachen für die Wohnung holten, merkten wir, wie viele junge Paare in unserem Alter die Welt der Einrichtungsgegenstände bevölkern.

Überall laufen sie händchenhaltend durch ausgestellte Wohn- und Kinderzimmer. Der Nachwuchs lärmt im Wagen oder wurde im Spielparadies parkiert. Die Eltern bewegen sich ziellos durch die Gänge und stellen sich ihr Nest zusammen – Tellerchen für Tellerchen.
Es wird geküsst, gestritten, gemessen, gekauft, gerechnet.

Ende 20 ist ein schräges Alter. Die eine Hälfte dieser Kohorte heiratet und kriegt Kinder – die andere Hälfte ist zu betrunken, um ihr iPhone zu finden.
Als ich die jungen Paare so beobachtete, wurde ich nachdenklich. Was ist der Preis für meine Freiheit?

Irgendwie fühlte ich an diesem besagten Samstag, dass es auch in meinem Leben langsam Zeit für ein Commitment war. Dass ich bereit war, für ein anderes Lebewesen Verantwortung zu übernehmen. Dass ich mich wieder auf etwas Längerfristiges einlassen möchte.

Also kaufte ich mir einen Bonsai. 

Autor: Anne-Sophie Keller