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07. April 2014

Nackenbeisser

Bettina Leinenbach mag schlüpfrige Bücher
Bettina Leinenbach mag schlüpfrige Bücher (Bild: Heyne).

Denken Sie wirklich, Sie wüssten alles über mich? Nur weil ich seit bald anderthalb Jahren an dieser Stelle mein Innerstes nach aussen kehre? Ha! Es gibt zumindest ein kleines, schmutziges Geheimnis, von dem Sie keinen Schimmer haben.

Das ändern wir jetzt, okay? Setzen Sie sich hin, Kopf am besten zwischen die Beine, so wie bei der Flugi-Notfallübung. (Nur für den Fall, dass Ihnen gleich schummrig werden sollte.)

Bereit? – ICH BIN EIN LIEBESROMAN-JUNKIE. Ach, Gottchen!, denken Sie jetzt vielleicht, das ist doch gar nicht schlimm. Stimmt. Das Schlimme kommt auch erst jetzt: Ich stehe auf EROTISCHE SCHMACHTFETZEN, also auf Liebesromanen, in denen der Held (halbnackt, muskelbepackt und Spielball seiner Libido) eine schöne Fremde (zufälligerweise auch halbnackt und sehr willig) an den Haaren in seine Höhle zerrt. Dort beglückt er sie. Stundenlang. Ohne zu murren. Ohne einzuschlafen. Stöhn. Und das schon ab Seite 10.

Ja, verdammt. Ich weiss, dass diese Art von «Literatur», bei der auf dem Cover meist der Held der Heldin in den Nacken beisst, weder zu meinem Bildungsgrad noch zu meiner politischen Gesinnung passt. Und auch kein bisschen zu meinem Alltag als gleichberechtigte Partnerin in einer gut funktionierenden Ehe. Aber muss Frau immer vernünftig sein? Verliert man etwa IQ-Punkte, wenn man neben «Brot für die Welt», «Rettet die Wale» und «Frieden für Syrien» auch «Eric, den Wikinger» oder «John, den Vampirkrieger» super findet? A girl can dream, oder nicht?
Ich habe jedenfalls beschlossen, ab sofort öffentlich zu meiner kleinen Schwäche für Sexromane zu stehen. Zumal ich dabei ja auch etwas lerne … Manno, das meinte ich nicht. Ich konsumiere 99 Prozent aller Schmachtfetzen auf Englisch. Mit anderen Worten: Während ich Bücher wie «One Night with a Hero» oder «Dark Lover» lese, erweitere ich mein Vokabular. Mein Englisch ist better than ever. Vor allem, wenn es um anatomische Begriffe geht.

So. Da wir das geklärt hätten, kann ich Ihnen endlich von den Büchern erzählen, die mir schon seit langer Zeit total gut gefallen. Ich bin mir fast sicher, dass Sie, liebe Leserin, ebenfalls Spass bei der Lektüre derselben hätten. (An dieser Stelle herzliche Grüsse an Susanne K., Sandra D., Sabine L., Ruth F., Miriam S. und Sabine H. – euch habe ich ja bereits erfolgreich «angesteckt».) Hier also mein ultimativer Tipp in Sachen «Bett»-Lektüre: die Black-Dagger-Romane von J. R. Ward. Es geht in erster Linie um liebestolle Vampirkrieger, die mit schwarzen Dolchen kämpfen (= Black Dagger). Mein Mann nennt die Reihe verächtlich «Black und Decker», weil so viel gebohrt und gedeckt wird. Aber der hat echt keine Ahnung.

Vor wenigen Tagen erschien unter dem Titel «The King» der neuste Band der Serie auf Englisch. Wenn Sie dies hier lesen, bin ich in dem Wälzer vermutlich schon auf Seite 811. Oh, yes, oh, yes, oh, yeeeeees!!!! (Notiz an die Nachbarinnen, die in der Zeit meine Kinder betreuen: «Ladies, ich bin so froh, dass ihr für mich einspringt. Es ist ein echter Notfall! »)

Sollten Sie versucht sein, es auch mal mit einem unersättlichen Vampirkrieger zu versuchen, dann fangen Sie aber bitte mit dem ersten Band an: Englisches Original , deutsche Übersetzung (der Heyne-Verlag macht jeweils aus einem Roman zwei Bände. Was nervt. Aber das nur am Rande …).

Autor: Bettina Leinenbach