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21. September 2015

Fanbesuch

Mann auf der Couch
Wenn sich Fanbesuch einfindet, landet der Mann des Hauses auf der Couch oder im Kinderbett. (Bild Getty Images)

Manchmal fühle ich mich wie ein Hollywood-Star. Alle meine Fans wollen mit mir ins Bett, vor allem abends. Sie träumen davon, neben mir, vor mir, hinter mir (oder auf mir) einzuschlafen. Das, so versichern sie mir immer wieder, sei total kuschelig, entspannend und schön. Für sie.

Um an ihr Ziel zu kommen, ist meinen Groupies jedes Mittel recht. Immer wenn die Nacht naht, brechen in meinem Fanlager heimtückische, gemeine Krankheiten aus. Gedärme verkrampfen sich, Mittelohren werden rot, und Schläfen pochen im Technorhythmus. Echt jetzt. Voll schlimm, was meine armen Fans allabendlich durchmachen müssen.
Die einzige Kur, die erwiesenermassen hilft, ist ein mindestens zehnstündiger Aufenthalt im Mutterbett. Wen kümmert es, dass der zweite Platz dort eigentlich vergeben ist? «Wenn der Papi zum Schlafen auf die Couch gehen würde, könnte ich doch auf seine Seite», schlug Ida neulich vor – um sich dann wieder theatralisch den Bauch zu halten. Meine Augenbraue wanderte nach oben. Deswegen doppelte sie nach: «Ich verspreche auch, dass ich die ganze Nacht auf dem Papikissen und unter der Papidecke bleibe – und weder herumzapple noch hinter dir herrutsche.»

Das gute Kind dachte bereits laut darüber nach, wie man Herrn Leinenbach die Couch schmackhaft machen könnte. Ums Haar wäre ich eingeknickt. Doch dann erinnerte ich mich an den letzten nächtlichen «Fanbesuch» in unserem Ehebett. Das war ungefähr so: Stellen Sie sich vor, Sie liegen an einem einsamen Strand, sanftes Meeresrauschen, Paradies.
Gerade als Ihnen Ihre Augen zufallen, kämpft sich eine Seeelefantenkuh – Brust voraus – durch den letzten Wellenkamm und landet – plumps – im Sand. Dann beginnt sie, auf Sie zuzurobben. Erst langsam, dann schneller. Das Tier schnauft wie eine Dampflok, es schmatzt und es sabbert. Auf Ihren Sandstrand. Und es kommt näher und näher. Sie versuchen verzweifelt, Ihr paradiesisches Plätzchen auf dem Badetuch zu verteidigen. Aber Sie sind chancenlos. Und schon hängt Ihr Hintern im Wasser …

Meine Tochter ahnte, dass ich dieses Mal Nein sagen würde. Deswegen packte sie das ultimative Argument aus: «Weisst du, warum es besser ist, wenn ich an Papis Stelle bei dir schlafe? Nun, ich schnarche nicht.»

Autor: Bettina Leinenbach