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19. Oktober 2015

Mut zur Lücke

Die Gartenbloggerin ist über ihren Schatten gesprungen und hat eine ihrer Lärchen gefällt. Und plötzlich tun sich ganz neue Möglichkeiten auf.

Die Kettensäge ist betankt, jetzt...
Die Kettensäge ist betankt, jetzt...
Lärche
Die Lärche links muss dran glauben, obwohl sie die schönere wäre.

Regelmässige Kolumnenleser wissen, dass mein Herzensmann nichts so sehr liebt, wie mit der Kettensäge zu hantieren. Was schon zu manch heftiger Diskussion im Bohnebluescht-Garten geführt hat. Dieses Mal aber hatte er zum Hantieren meinen Segen: Eine unserer bald 40-jährigen Lärchen stand uns unterdessen dermassen in der Herbstsonne, dass ich Herzensmann und Kettensäge gleich selbst auf die Hochleiter geschickt habe. Wenn auch mit grimmiger Miene.

Terrasse, Sonnenschirm
Im Sommer war auf der Zmittag-Terrasse sogar noch ein Sonnenschirm im Dienst.

Ich weiss ja nicht, wie es Euch so geht, aber mir dreht es jedesmal mein Gärtnerinnenherz um, wenn es einem meiner Bäume ans «Läbige» geht. Da mögen die Äpfel am Apfelbaum noch so verschorft, das Totholz am Vogelbeeribaum noch so tot sein: Bis sich mein Herzensmann und seine Motorsäge ans Hantieren machen dürfen, braucht es sehr, sehr viel. Sehr, sehr viel Schorf, sehr, sehr viel Totholz und sehr, sehr viel Schatten.

Den ganzen Sommer lang hatten wir dem Schattenwurf der Bäume in und um unseren Garten ein Schnippchen geschlagen, indem wir der Sonne nachgereist sind: Den Morgenkafi beispielsweise genoss ich jeweils am Tischli neben der Haustür, und den Zmittag gabs auf der Terrasse vor dem Esszimmer. Der Zvieri wiederum wurde auf dem Plätzli neben dem Hühnerstall serviert, und den Schlummertrunk tranken wir (notabene bei Mondschein) auf dem Holzdeck beim Teich.

Doch dann kam der Herbst. Und damit eine immer tiefer stehende Herbstsonne und damit immer stärkerer Schattenwurf. Fast schon dunkel wurde es, als es die Sonne nicht mehr über die beiden Birken in Nachbars Garten schaffte, die nicht nur riesig, sondern auch noch heilig sind, zumindest dem Nachbar. Und darum musste schliesslich eine unserer zwei Lärchen dran glauben. Dass es dann auch noch die schöne linke sein musste, ist Ironie des Schicksals: Die mickrige rechte steht nämlich dermassen weit rechts, dass deren Fällen zumindest sonnenlichttechnisch rein gar nichts gebracht hätte.

Brennholz, Lärche
Ganz schön viel (Lärchen)Holz vor respektive neben der Hütte.

Item: Unterdessen stapelt sich die schöne linke Lärche in Form von Brennholz neben dem Schopf, Herzensmann hat endlich seine Kettensäge amortisieren können, und auch Frau Bohnebluescht guckt wieder fröhlich aus der Wäsche. Respektive dorthin, wo bis anhin die schöne linke Lärche stand. Denn dort tut sich nun eine grosse Lücke auf, eine sonnenbeschienene dazu. Und damit Raum für neue Ideen, Pläne, Begehrlichkeiten. Doch bevor jetzt im Bohnebluescht-Garten eine weitere heftige Diskussion losgetreten wird (nein, die mickrige rechte Lärche bleibt stehen, eine Lücke muss reichen!), geniesse ich erst mal noch den Spätherbst: In den Wintermonaten haben wir ja dann genügend Zeit, die Lücke zu diskutieren. Von mir aus auch heftig.

Mit dieser Gartenkolumne schickt mich mein Chefredaktor ganz offiziell in die Winterpause. Was aber nicht bedeutet, dass der Gartenblog pausiert: Ich werde auch während der kalten Jahreszeit (und ganz inoffiziell) hier aus meinem Garten berichten. Es würde mich freuen, wenn Ihr ebenfalls ab und zu auf «Bohne, Bluescht & Berger» vorbeischauen, kommentieren und/oder posten würdet. Und darum sag ich jetzt auch einfach nur «Auf bald»!

Autor: Almut Berger

Fotograf: Almut Berger