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14. April 2014

Mut zum Eigenlob

Über Leute, die auf Facebook ihr Essen herzeigen, macht sich der Zürcher Komödiant Stefan Büsser lustig. «Warum fotografieren Menschen ihr Essen und posten es auf Facebook? Warum?!?», fragt er in seinem Programm und lässt keinen Zweifel aufkommen, für wie saublöd er jemanden hält, der Bilder von Mahlzeiten ins Internet stellt. (Der Jargon nennt den Vorgang übrigens - ein rüder Ausdruck – «Food Porn».)

«Meine nächste Gemüsewähe poste ich grad z Trotz auf Facebook!»

Ich muss vielleicht anmerken, dass ich diesen Büsser sehr gut mag und durchaus lustig finde. Aber hier, lieber Büssi, muss ich widersprechen. Du kennst das vielleicht nicht – aber es geht um die Einsamkeit eines Jobs. Wer in einem Büro, einer Fabrikationshalle oder, wie du, gar in einem Radiostudio arbeitet, ist dauernd von Menschen umgeben, bekommt auf den mindesten Spruch, die kleinste Handreichung Feedback, erhält Anerkennung für jeden Seich.
Nicht so, wer still und leise daheim krampft: im Haushalt. Daher kann ich verstehen, dass Menschen, die etwas gekocht haben, dies mit anderen teilen möchten. Und ich müsste lügen, gäbe ich nicht zu, dass auch ich schon «Mmmh! Die ersten Erdbeertörtli» gewhatsappt, schon ein MMS an meine Schwägerin geschickt hätte: «Welch wunderbare Krautstiel-Speck-Wähe ich da wieder hingezaubert habe!» Mut zum Eigenlob! Es rühmt einen ja sonst keiner. Warum sollte ich nicht beiläufig am Telefon sagen: «Wart! Muss rasch umrühren … Hab grad sieben Liter Sugo am Köcheln»?

Warum sollte ich in einem Mail nicht ganz nebenbei erwähnen, dass ich morgens um halb sieben daran gedacht habe, dem Sohnemann die Hallenturnschuhe einzupacken, warum sollte ich nicht am Feierabend – was heisst hier Feierabend? Den gibt es in dem Beruf nicht! – fallen lassen: «Schon noch schön, wenn das Parkett so frisch geölt ist …» Das sind ja so die kleinen Tricks, mit denen man aufs erledigte Tagewerk verweist: das Bügeleisen zum Abkalten stehen lassen, bis die Partnerin zu -Hause ist; die Fegbürste auf dem Balkon trocknen lassen; die Wäsche zusammengelegt auf dem Sofa belassen. Und ganz cool einstreuen: «Man sieht die Kirche von Höngg, wenn die Fenster so sauber geputzt sind …» Und ich schwörs dir, Büssi: Meinen nächsten Gemüsekuchen poste ich grad z Trotz auf Facebook! Es wird ein Akt des Stolzes sein. Man darf sich als Hausfrau mal selber auf die Schulter klopfen! Als Hausmann sowieso. Denn uns hats ja niemand beigebracht, damals. Wir Knaben laubsägelten, die Mädchen lismeten. Für uns stand Werken auf dem Stundenplan, für sie Handarbeiten.

Wir lernten, harte Sieche zu sein, sie lernten kochen. Handgranatenattrappen hatten wir Buben im Turnunter-richt zu werfen; derweil sparschälten die Mädchen Kartoffeln. Später gingen sie in den obligatorischen Hauswirtschaftskurs, fünf Wochen lang: in den «Füfwücheler», auch «Rüebli-RS» genannt. Wir Kerle gingen in die «richtige» RS Wehrdienst leisten. Ausser, man mischelte sich unter Vortäuschung eines Rückenleidens in die Untauglichkeit, sprich: den Zivilschutz. Wo man mit der Eimerspritze zu hantieren lernte, Schutz-raumkontrolle um Schutzraumkontrolle vornahm und Notbetten zusammennagelte, demontierte, wieder zusammennagelte und wieder … Dazu stets die Losung: «Selbsthilfe kommt vor Kameradenhilfe!» Aber ob blaugewandeter Zivilschützer oder feldgrüner Rekrut – eine Schule war das, nicht fürs Leben, sondern für die Füchse.

Da bin ich doch irgendwie dankbar, einen begnadeten Koch zum Sohn zu -haben, der von der Schule heimkommt, den Pfannendeckel lupft und ausruft: «Da müssen wir noch ein bisschen nachwürzen! Kardamom und Thymian!»

ANNA LUNA GOES WEST

Bänz Friedlis Tochter Anna Luna berichtet während ihres Austauschsemesters in den USA, wie es ihr ergeht. Ihr Bruder Hans antwortet aus Schweizer Sicht. Lesen Sie aktuell, was es bedeutet, wirklich «weg vom Schuss» zu wohnen. Zum Blog

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Autor: Bänz Friedli

Fotograf: Bänz Friedli