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21. März 2016

Muss man Fremden «guten Tag» sagen?

Kolumnist Philipp Tingler beantwortet jede Woche eine Frage des modernen Benehmens. Diesmal geht es um die Begrüssung von Fremden im öffentlichen Raum.

ist die Begrüssung angemessen?
Teil man für eine Zeitspanne einen begrenzten Raum, ist die Begrüssung angemessen.

«Seinen Mitmenschen ‹guten Tag› zu wünschen, ist eine zivili­satorische Errungenschaft.
Umso mehr irritieren Personen, die dafür den Mund nicht aufbringen. Natürlich muss man nicht grüssend durch die Strassen laufen, dies wirkt bei jeder Ortschaft, die grösser ist als ein Dorf, seltsam und unangemessen.

Doch sobald man einen begrenzten Raum für längere Zeit mit Fremden teilt, ist ein Gruss angebracht. Etwa wenn man sich neben jemandem im Zug oder Flugzeug niederlässt.
Gewiss ist bei Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln der Raum der Mitreisenden zu respektieren, also Distanz zu wahren, physisch wie psychisch.

Das suspendiert aber nicht grundlegende Mechanismen der Zivilisation: Es ist genauso selbstverständlich, dem Sitznachbarn im Flugzeug ‹guten Tag› zu sagen, wie sich bei ihm zu bedanken, wenn er den Tomatensaft weiterreicht.»

Autor: Philipp Tingler

Illustrationen: Andreas Klammt