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29. September 2014

Mütter, macht mal halblang!

Mancher Mann würde ja gern im Haushalt oder bei der Kinderbetreuung mit anpacken. Doch das klappt nur, wenn seine Frau bereit ist, die Kontrolle etwas aus der Hand zu geben.

Vater mit Kindern
Wenn Papi übernimmt, läuft vieles anders. Mancher Mutter passt das nicht.

Mutter: «Bringst du die Kleine ins Bett?» – Vater: «Ja, klar.» Wow, das klingt nach einem Dialog in einer gut funktionierenden Elternbeziehung. Doch dann, eine Viertelstunde später, fragt die Mutter: «Hast du die Vorhänge im Kinderzimmer geschlossen?» Nein, hat der Vater nicht, und die Mutter ist genervt. Eine klassische Szene in vielen Familien.

Zwar packen Väter heute daheim oft mit an, doch die Teamarbeit birgt auch Frustpotenzial. Vielfach können die Väter es den Müttern nie ganz recht machen. Die Folge: Die Mütter sind enttäuscht, und die Väter entmutigt. Man nennt diesen Mechanismus auch «Maternal Gatekeeping» (siehe rechte Spalte). Wie entsteht das, und welches Kraut ist dagegen gewachsen?

«Meist passiert so etwas gar nicht bewusst. Es ist eher eine alte Gewohnheit und war meist schon in den Herkunftsfamilien der jungen Eltern so. Vor allem in stressigen Situationen fallen wir wieder in diese traditionellen Muster», sagt Birgit Kollmeyer (48), Leiterin des Präventionstrainings für Paare, Paarlife, und Dozentin an der Universität Zürich. Hinzu komme, dass Frauen die Dinge zu Hause schneller von der Hand gingen, weil sie mehr Zeit mit Kindern und Haushalt verbrächten.

Männer finden es irgendwann einfacher, gar nicht zu helfen

Dabei ist den Müttern oft der eigene Perfektionismus im Weg. «Wenn Mütter es schaffen, loszulassen und die Vorteile darin zu sehen, dass ihr Partner ihnen hilft, ist das für alle gut», ist Birgit Kollmeyer überzeugt. Die Väter fühlen sich nicht bevormundet, die Mütter haben mehr Zeit für sich, und die Kinder etwas von ihrem Vater. «Darum empfehle ich Müttern, zuerst auf die Kinder zu sehen. Wenn sie glücklich sind, spielt es keine so grosse Rolle, wenn der Vater die Dinge etwas anders anpackt. Günstig ist natürlich ein gemeinsamer roter Faden in der Erziehung.»

Klar, ist es ärgerlich, wenn nicht alles auf Anhieb klappt, vor allem wenn es schnell gehen muss. Birgit Kollmeyer rät zu Geduld und langfristigem Denken: «Auch wenn man als geübte Mutter etwas effizienter erledigen könnte, lohnt es sich, es den Vater auf seine Art machen zu lassen.» Denn übermässige Kritik ist demotivierend, und viele Männer finden es sonst mit der Zeit einfacher, gar nicht mehr zu helfen.

Autor: Andrea Fischer