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12. August 2013

Mountainbike-Trails: Mit Schuss den Hang runter

Nicht nur in den Bergen, auch in den Naherholungsgebieten von Städten finden Mountainbiker interessante Trails. Neben Anfängern, die hier den Kick suchen, kommen selbst Ex-Profis her, um auf den präparierten Strecken an ihrer Sprungtechnik zu feilen. Eine Schussfahrt auf dem Gurtentrail bei Bern.

Judith Adler fliegt im Bikepark am Gurten über einen Sprung.
Sattel tief gestellt, das Gewicht nach hinten verlagert: Judith Adler fliegt im Bikepark am Gurten über einen Sprung.

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Biken ist ihre Leidenschaft. Judith Adler, HR-Fachfrau beim Bund und Mutter eines halbjährigen Buben, verstaut ihre wilden Locken unter einem Piratenkäppi, ihre Augen strahlen. Privat rekognosziert sie Strecken für Touren, die sie als Mountainbike-Guide in ihrer Freizeit führt. Wann immer sie kann, unternimmt sie Biketouren in den Alpen oder nahe ihrem Wohnort Bern — so wie heute im Bikepark am Gurten. Mit der Standseilbahn gelangt man auf den Berner Hausberg. Hier beginnt die beliebte Abfahrtsstrecke für Mountainbiker.

Letzte Vorbereitungen: Helm auf, Sattel runter, und schon ist sie auf dem Trail mit Anlegerkurven, Wellen und Sprüngen. Der extra zum Biken ausgebaute Pfad von der Bergstation bis hinunter an den Stadtrand ist 1,7 Kilometer lang, weist 250 Meter Höhendifferenz auf und verläuft wunderbar flüssig.

Judith Adler braust mit tänzerischer Leichtigkeit bergab. In den gleichmässig ausgebauten Kurven lässt sie sich bis an den oberen Rand tragen und bekommt richtig Schwung. «Diese Beschleunigung jagt dir ein Kribbeln in den Bauch, ein wunderbarer Kick!», wird sie später strahlend erzählen.

Biketrails sind eine gute Lösung im Biker-Wanderer-Konflikt

Mit ihren 40 Jahren ist Judith Adler als Bikerin keine Ausnahme. Entgegen dem Klischee vom wilden, blutjungen Biker liegt das Durchschnittsalter der Schweizer «Bikegemeinde» — sieben Prozent der Bevölkerung — bei 36 Jahren. Am liebsten üben Mountainbiker ihren Sport auf schönen Trails aus, wie sie auch Wanderer lieben. «Da die Schweiz aber dicht besiedelt ist, braucht es Lösungen, damit alle aneinander vorbei kommen», sagt Samuel «Noodlez» Hubschmid, Präsident des Vereins Trailnet.ch (siehe auch Interview in der Box rechts). «Mit extra angelegten Sportinfrastrukturen entlasten wir stark genutzte Regionen, mit Verhaltensregeln sensibilisieren wir für die gemeinsame Nutzung der Wege, und an neuralgischen Punkten helfen Signalisationen, damit alle Nutzergruppen ohne Konflikte zu ihrer Erholung kommen.»

Die Trailnet-Anlagen sind so gebaut, dass alle Spass haben, vom Einsteiger bis zum anspruchsvollen Biker. Sogar Ex-Profis wie Mountainbikelegende Thomas Frischknecht kommen zum Gurtentrail, um Sprünge zu üben. Freaks wie er springen sie, Anfänger können darüber hinwegrollen oder sie auf einer sogenannten Chicken Line umfahren.

Judith Adler nähert sich einem Sprung. Sie sitzt nicht auf dem Sattel, sondern steht auf den Pedalen. Im Sprung verlagert sie das Körpergewicht nach hinten. Sie landet nicht perfekt, aber sicher und bringt ihr Bike zum Stehen. «Etwas Herzklopfen hatte ich», gesteht die unerschrockene Bikerin, die den Swiss Cycling Guide Level 3 besitzt. Doch gerade darum liebt sie Bikeparks. Und weil man von anderen lernen kann, indem man deren Technik studiert.

Immer mehr Tourismusorte in den Bergen setzen auf Bikeparks mit Freeride-, Downhillstrecken und Pumptracks für Bikefans jeden Alters und technischen Niveaus. Man hat erkannt: Nicht nur extreme Downhiller lieben Trails, sondern auch ganz normale Biker. Ein Bikepark ist eine Art Spielplatz für Mountainbiker, in dem jeder und jede sich auf der Strecke seiner Wahl vergnügen kann. Allerdings sind manche Strecken recht anspruchsvoll, selbst die Chicken Lines sind nicht ganz ohne.

Eltern mit Jugendlichen grillieren gleich neben der Strecke

Inzwischen entstehen auch in den Bikeparks in den Bergen «immer flowigere Trails», wie der Biker sagt, solche also, die einfacher zu fahren und attraktiv sind für ein breites Publikum. «Biketrails sollen so Spass machen, dass Biker am liebsten nur noch diese Strecken fahren und der stark genutzte Erholungsraum entlastet wird», erklärt Samuel Hubschmid das Konzept, das Trailnet.ch in urbanen Regionen umsetzt. «Wir bauen die Trails mit den lokalen Bikern selber, da steckt viel Herzblut drin.»

Am Gurtentrail sind schnelle Fahrer im Nu an der Talstation. Andere, etwa Eltern mit Jugendlichen, lassen sich Zeit, picknicken am Grillplatz an der Strecke oder üben eine herausfordernde Stelle. Im Schnitt absolvieren Fahrer am Gurten sechs Abfahrten hintereinander. Wirds nicht langweilig, stets denselben Trail zu fahren? «Überhaupt nicht», sagt Judith Adler. «Biken im Bikepark macht höllisch Spass — und man lernt viel.» Sagts, steigt mit ihrem Bike in die Gurtenbahn — und weg ist sie, bereit für die nächste Runde.

Hier finden Sie Bikeparks

Stadtnähe: Bern (GurtenTrail – Flowtrail, mit Gurtenbahn), Basel (Gempen Nord Trail, keine Bahn), Biel (Downhill mit Funic) – Informationen: www.trailnet.ch

Zürich (Bikepark Allmend, Antennentrail) – Informationen: www.zueritrails.ch

In Bergregionen: Bellwald, Alpin-Bike-Park Chur, Flims Laax Falera, Corvigliatrail St. Moritz, Crans Montana, Lenzerheide, Portes du Soleil, Verbier

Autor: Caroline Doka

Fotograf: Daniel Rihs