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17. Juni 2013

Mord und Totschlag

Im Garten von Hobbygärtnerin Almut Berger schiesst nicht der Salat, sondern der Klee – mit einer Samenschleuder. Die Ackerwinde erwürgt unterdessen still und heimlich einen Johannisbeerstrauch.

Gartenkolumne Bohne Bluescht und Berger
Winde, der grosse Würger.

Hätte doch Eva der Schlange den Apfel damals in den Rachen gestopft, statt ihn Adam zu servieren! Dann würden wir heute alle im Garten Eden gärtnern, wo es keine Schnecken, keine Buchsbaumzünsler – und kein Unkraut gibt.

Ich spreche hier nicht vom kommunen Un- respektive Beikraut, wie es politisch korrekt heisst. Also nicht von Löwenzahn, Brennnessel oder Hahnenfuss, denen ich erst, wenn sie wirklich nerven, mit der Hacke auf die Pelle rücke.

Ich spreche hier von jenen Un(hold)kräutern, die meine übrigen Pflanzen zu erwürgen, zu ersticken, zu erschiessen drohen.

Unhold Nummer 1 ist die Ackerwinde. Unser Gartengrundstück wurde, da an einem Hang liegend, vor rund 40 Jahren aufgeschüttet (siehe Bilder unten). Im Album meiner Eltern gibt es noch Fotos, die jene mit Windensamen «infiszierten» Humushaufen zeigt – Quelle allen späteren Ärgers.

Während man in den 70er-Jahren noch zu Gift gegriffen hat, versuche ich es heute mechanisch. Da die Winde vor allem zwischen den Beeristräuchern wächst, heisst das im Fall Johannisbeeri erst einmal: abwickeln, abwickeln und nochmals abwickeln, um jedes Ästchen, jeden Zweig vor dem Erstickungstod zu retten. Anschliessend steche ich dann die Wurzeln mit einem alten Zelthering (eckig, praktisch und gut, da scharfkantig) möglich tief aus. Zwei Tage später geht der Spass dann wieder von vorne los, diesmal bei den Heidelbeeri respektive den Jostabeeri respektive den Stachelbeeri – oder auch bei allen gleichzeitig.

Unhold Nummer 2 ist ein undefinierbares Stachelgestrüpp à la Brombeeri, aber ohne Beeri. Dieses wuchert vor allem um unseren Teich herum und dreht hier Natternkopf, Wegwarte und Blutweiderich die Luft ab. Auch hier bin ich seit Jahr und Tag am Ausreissen. Und auch hier taucht fast schon im Stundentakt ein weiterer Ableger auf, wohl versorgt über ein unterirdisches Wurzelsystem, das sich unterdessen wohl unter dem ganzen Garten erstreckt.

Unhold Nummer 3, ein rötlicher Klee, sieht mit seinen gelben Blüten harmlos, um nicht zu sagen hübsch aus. Aber Achtung: Er schiesst scharf! Ihm wächst nämlich jeweils eine Art Samenschleuder. Und so ballert sich dieser Klee gnadenlos durch den Garten, wächst in Wegritzen und zwischen den Erdäpfeln, nimmt den Schnittsalat, den Spinat und die Rüebli unter Beschuss. Das Perfide daran: Seine Wurzeln krallen sich dermassen fest und gehen dermassen tief, dass man sie kaum mehr loswird.Es wäre zu schön gewesen, hätte Adam der Eva damals gesagt, er möge keine Äpfel. Zur Strafe muss er jetzt beim Jäten mit ran!

Während gestern noch zum Gift gegriffen wurde, wird heute gewickelt.
1971 befindet sich der Garten noch im Bau
Alte Dia-Aufnahme: Aufgeschüttetes Grundstück
Aufgeschüttetes Grundstück 1971

Autor: Almut Berger

Fotograf: Almut Berger