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16. März 2015

Welche Medikamente gegen Allergie?

Die einen wirken nur bei frühzeitiger Einnahme, andere hemmen Heuschnupfen, die dritten fahren auch mal mit der schweren Keule auf: Wirkstoffe, Wirkungen und Unterschiede der üblichen Allergiemittel. Dazu mehr Infos zur Pollensaison und der einzigen Therapie auf Ursachen-Basis: der Hyposensibilisierung («Heuschnupfen-Alarm: Was nun?»).

Lokale Einnahme des Asthma-Medikaments
Lokale Einnahme des Asthma-Medikaments zu Hause. (Bild iStockPhoto)

Wer nicht nur wenige Wochen im Spätfrühling oder Frühsommer unter leichtem Heuschnupfen leidet, dem stellt sich zwangsläufig die Frage, wie er in der Regel starke allergische Reaktionen vermeiden kann. Nur wenige schaffen es, sich durch die Wahl von Wohn- und Arbeitsort oder auch Freizeitaktivitäten praktisch nie allergenen Stoffen auszusetzen.
Andere versuchen, sich mit Erfolg, oft jedoch in mehreren Anläufen zu desensibilisieren. Sich also kontrolliert einer genau abgestimmten Menge des Allergie auslösenden Stoffs auszusetzen. Und so schrittweise die Abwehrreaktion des Körpers ausser Kraft zu setzen.

Wenige Allergiker meistern das Leben jedoch gänzlich ohne Medikamente, zumindest in gewissen Momenten.
Und Arzneimittel ist nicht gleich Arzneimittel: Migrosmagazin.ch stellt die drei verbreitetsten Medikamentgruppen für Allergiker vor. Wie sie wirken, was hauptsächlich drin ist und welche Unterschiede bei regelmässigem Konsum bestehen.

1. Vorbeugen mit Cromoglicin
Cromoglykat oder eben Cromoglicinsäure heisst der künstlich hergestellte Wirkstoff, der in der Regel vor dem Auftreten erster Allergieschübe, gleich zum Auftakt oder ein paar Tage vor dem erwarteten Start der jeweiligen Pollensaison, über eine Weile lokal angewendet wird. Bei uns sind Nasen- und Augentropfen am gebräuchlichsten, mit Namen wie Lomusol oder Lomudal, Nalcrom oder Opticrom, Vividrin oder Allergo-Comod. Auch Inhalationsmittel oder Kapseln sind für den prophylaktischen Einsatz bei allergischer Rhinitis (Heuschnupfen) oder bronchialem Asthma vereinzelt verbreitet.
Die Cromoglicinsäure dient in erster Linie als Entzündungshemmer, ihr natürliches Vorbild sind die aus Doldengewächsen natürlich gewonnenen Khellin oder Khellol. Die Säure unterdrückt in Mastzellen die Freisetzung von Histamin-Botenstoffen, die zur Entzündungsentwicklung unabdingbar aktiviert werden müssen.
Öfters wird die entzündungsblockierende Wirkung mit dem Stoff Reproterol kombiniert, der die Bronchiengänge zusätzlich erweitern und so Atemnot vorbeugen soll. Dies empfiehlt sich vorab, wenn neben Vorbeugung das Mittel auch begleitend zu schwacher bis mittlerer Asthma-Entwicklung eingesetzt wird. Reine Cromoglykat-Medikamente gelten selbst bei längerem Einsatz als die bekömmlichsten Allergiemittel.
2. Bekämpfen mit Antihistaminika
Einen Schritt später setzt die Gruppe der Antihistaminika ein, die gewöhnlich erst beim Auftreten erster Beschwerden eingenommen wird. Sie verhindern nicht die Freisetzung respektive das Zirkulieren der Histamin-Boten, sondern deren Andocken an die Zielzellen. Deshalb nennt man sie auch Histamin-Rezeptorblocker. Einige der Antihistaminika setzen nicht gleich die Rezeptoren der H1- und teils H2-Botenstoffe (es gibt auch noch die weniger relevanten H3 und H4) ausser Gefecht, sondern schrauben die Wirkung der Histamin-Boten auf maximal das übliche Niveau hinunter. Wie wenn überhaupt keine allergene Wirkung zu registrieren wäre.
Entdeckt wurde die Wirkung der Antihistaminika von französischen Forschern am Institut Pasteur vor 85 Jahren. So ging schon 1942 mit Antergan respektive Phenbenzamin der erste Wirkstoff in die therapeutische Anwendung. Einige der H1-Antihistaminika blockieren teilweise auch Rezeptoren für Serotonin-, Dopamin- sowie zwei bis drei weitere Botenstoffe. Die heute üblichen Mittel ab der zweiten Generation passieren nicht mehr generell die Blut-Hirn-Schranke und verfügen deshalb nicht mehr über eine sedierende Wirkung. Ab der dritten Generation verloren ein paar der H1-Rezeptorblocker auch noch das Risiko, das Herz-Kreislauf-System durcheinanderzubringen. Zuvor wurden verschiedentlich Herzrhythmusstörungen auf die Medikamente zurückgeführt. Damit eignen sich einige Medikamente durchaus auch für längere Therapien.
3. Sondereinsatz mit Cortison & Co.
Fast gleich alt (1935 entdeckt) wie die ältesten französischen Antihistaminika sind cortisonhaltige Mittel. Bei schwerem Asthma wird immer noch häufig zu Cortison gegriffen, daneben wird es öfters zusätzlich eingesetzt zur Verstärkung einer allergiehemmenden Medikamentenkur (mit Antihistaminika). Gesetzt wird auf die atemwegserweiternde Funktion, Hauptziel beim Einsatz ist die Eindämmung der mittel- und längerfristigen Asthmaentzündung sowie die Vorbeugung schlimmer Asthmaanfälle bei Patienten mit Asthma bronchiale.
Beim Cortison handelt es sich um ein Steroidhormon, ursprünglich in der menschlichen Nebennierenrinde gefunden. Es ist generell für den Kohlenhydrathaushalt, den Fettstoffwechsel oder auch die Verarbeitung von Proteinen im Körper mitverantwortlich. Streng genommen handelt es sich bei Cortison bloss um die durch Oxidation inaktive Form des (Glucocorticoids) Cortisol. Heute wird der Stoff gewöhnlich auch synthetisch hergestellt. Erst ein Enzym wandelt im Körper Cortison wieder zum Wirkstoff Cortisol um. Dieser weitet die Atemgänge schnell und effizient aus, für maximal eine Stunde. Bei hochdosierter Verwendung in regelmässigem Einsatz könnte er schlimmstenfalls zu Nebenwirkungen wie Schwindel, Kopfweh, Schlaflosigkeit, Krampfanfälle oder Depressionen führen. Die gängigsten verkauften Medikamente enthalten die Wirkstoffe Beclometason, Budesonid, Flunisolid, Fluticason oder Mometason.

Bei bereits auftretenden Asthmaanfällen greift man heute noch häufiger zu Sprays mit Wirkstoffen aus der Gruppe der Beta-2-Sympathomimetika, wie Fenoterol, Salbutamol und Terbutalin. Die Wirkung tritt in der Regel ab 3 bis 5 Minuten voll ein und dauert maximal 4 bis 5 Stunden. Bei Betroffenen, die unter sehr schwerem Asthma leiden, werden Medikamente dieser Gruppe auch regelmässig – prophylaktisch – eingenommen, dann v. a. die Stoffe Formoterol oder Salmeterol.

UND IHRE ERFAHRUNGEN?
Wie lange setz(t)en Sie als Asthmatiker(in) auch auf Medizin – mit Erfolg? Was half Ihnen sonst am besten: Desensibilisieren, striktes Fernhalten von Allergie-Quellen? Verraten Sie es gleich hier in einem Kommentar.

Autor: Reto Meisser