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10. März 2014

Spezieller Fitnessraum: Mit Sport aus Mais Polenta machen

In einem Berner Fitnessstudio erzeugen die Besucher ganz nebenher aus Mais Polenta und aus Raps Öl.

Ein Mann trainiert auf einem speziellen Rudergerät.
Erfinder Thomas Wieland: Das Ruder-Fitnessgerät treibt eine Mühle an, die aus Mais Polenta macht.

Mit Muskelkraft Mais zu Polenta und Raps zu Öl verwandeln, das kann man im innovativen Berner Fitnessstudio des Elektroingenieurs Thomas Wieland (40). Für einmal verpufft die Energie, mit der man in die Pedale tritt, nicht ins Leere: Über Wellen und Ketten wird die Kraft direkt auf die verarbeitenden Maschinen übertragen, die hinter den Fitnessgeräten montiert sind.

«Die Mechanik ist simpel, der Wirkungsgrad hoch», sagt Thomas Wieland. Komplizierter wäre, die entstandene Energie ins Stromnetz einzuspeisen. «Dazu bräuchte es ein elektronisches System und einen Umrichter für den Strom.» Diese Investitionen sind relativ gross und die Stärke der Muskelkraft im Gegensatz dazu gering. «Um eine einzige Kilowattstunde ins Netz einzuspeisen, müsste eine Person rund zehn Stunden in die Pedalen treten», hat Thomas Wieland ausgerechnet.

Trotzdem: Stromerzeugende Fitnesszentren existieren bereits. In Berlin öffnete vor vier Jahren das Green Gym. Hier kann man beim Training seine elektronischen Geräte aufladen, ein Teil der erstrampelten Energie speist die Beleuchtung. Ähnliche energieeffiziente Geräte stehen seit Herbst 2013 auch im Cadbury House Gym im englischen Bristol. Und die Stadt Bern entwickelte vor sechs Jahren ein Gerät, das die Bewegungskraft des Velos in Strom umwandelt – es wird aber nur für die Präsentation im Schulunterricht genutzt.

Fitnessgeräte, welche die menschliche Energie in Strom umwandeln, sind teuer in der Herstellung, produzieren im Vergleich zu fossilen Rohstoffen nur wenig Energie, und die Ökobilanz der Elektronik ist fraglich. Deshalb sind sie kaum verbreitet. Ihr Nutzen ist grösser, wenn die Muskelkraft direkt mechanische Geräte antreibt. Wie bei Wielands Polentavelos.

Autor: Claudia Langenegger

Fotograf: Daniel Rihs