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11. August 2014

Mit links durchs Leben

Am 13. August ist Welt-Linkshändertag. Linkshänder seien kreativer, hätten besseren Sex und seien weniger oft erkältet, sagt man. Ob das stimmt, wollten wir von vier prominenten Linkshändern wissen. Fest steht: Sie alle sind stolz darauf, ein wenig anders zu sein.

«Linkshänder sind nicht 08/15 – das passt zu mir.»

Am Steuer hat die Rennfahrerin kein Problem mit ihrer Händigkeit – bloss beim Dosenöffnen.
Am Steuer hat die Rennfahrerin kein Problem mit ihrer Händigkeit – bloss beim Dosenöffnen.

Rennfahrerin und Moderatorin Christina Surer (40) ist stolz auf ihre Händigkeit: «Dass ich mit links schreibe, passt zu mir. Linkshänder sind nicht 08/15 – und ich will schliesslich nicht einfach Mainstream sein.» Gerne hört sie auch, dass Linkshänder kreativer, intelligenter oder sonst wie besser sind. «Das ist wie bei einem Horoskop. Das Positive nimmt man mit, das Negative lässt man weg», sagt sie und lacht.

Einzig beim Hantieren mit Haushaltsgeräten nervt sich Rennfahrerin Surer zuweilen, dass ihre linke Hand die stärkere ist: «Das Öffnen von Dosen zum Beispiel ist eine Herausforderung.» Im Rennwagen spielt ihr die Händigkeit indes keine Streiche: «Schalten mit rechts ist kein Problem, und am Steuer brauche ich ja sowieso beide Hände.» Vererbt wird Linkshändigkeit nicht, trotzdem beobachtet Surer derzeit besonders genau, mit welcher Hand ihre Tochter Emily (17 Monate) nach dem Spielzeug greift: «In diesem Alter zeichnet sich allmählich ab, welche Hand die bevorzugte ist.» Auf keinen Fall würde Christina Surer versuchen, die Händigkeit ihrer Tochter zu beeinflussen – sie soll schliesslich so speziell wie ihre Mutter werden dürfen.

«Meine Schreibhand passt bestens zu meiner politischen Ausrichtung.»

Als Kind litt Christoph Brutschin, Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt, unter der Linkshändigkeit. Heute sieht er sie als Vorteil. (Bild: Thomas Schwander)
Als Kind litt Christoph Brutschin, Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt, unter der Linkshändigkeit. Heute sieht er sie als Vorteil. (Bild: Thomas Schwander)

Der Basler SP-Regierungsrat Christoph Brutschin (56) lernte das Schreiben noch auf der Schiefertafel, und seine Händigkeit war ein echtes Handicap: «Ich musste ständig aufpassen, dass ich nicht vorzu alles wieder auswischte.» Seine Handschrift sei folglich nie schön geworden. Christoph Brutschin gehörte zu einem der ersten Jahrgänge, die nicht umgepolt wurden. Darüber ist er froh, auch wenn er damals klar spürte, dass der Primarschullehrer gar keine Freude an Schülern hatte, die erst die Kreide und später den Fülli mit links führten.

Im Erwachsenenleben erlebte der Vorsteher des Departements für Wirtschaft, Soziales und Umwelt seine Händigkeit bisher bloss als Vorteil: «An Stehapéros habe ich die Grusshand immer frei und kann die Leute so mit Handschlag begrüssen.» Für einen Politiker, der stets an die nächsten Wahlen denken muss, kann dies tatsächlich ein Trumpf sein. Zumal Brutschin heute ein entspanntes Verhältnis zu seiner Linkshändigkeit hat und gerne auch mal ein Witzchen darüber macht – zum Beispiel, dass seine Schreibhand bestens zu seiner politischen Ausrichtung passe.

«Wenn ich mit rechts zuschlage, sieht das ziemlich affig aus.»

Schauspieler Gregory B. Waldis nutzt seine Händigkeit auch zum Flirten.
Schauspieler Gregory B. Waldis nutzt seine Händigkeit auch zum Flirten.

Schauspieler Gregory B. Waldis (46), der oft den Herzensbrecher mimt, kokettiert gerne mit seiner Händigkeit: «Linkshändern wird nachgesagt, sie seien super im Bett.» Das Urteil, ob das auch auf ihn zutreffe, will er indes anderen überlassen. So oder so: Seine Andersartigkeit hat dem Zürcher jedenfalls nicht auf das Selbstwertgefühl geschlagen, so meint er denn auch: «Linkshänder gelten auch als überdurchschnittlich kreativ. Ich bin Künstler, also scheint da schon was dran zu sein.» Auf dem Set wäre Schauspieler Waldis zuweilen aber gerne ein Rechtshänder: «Es kommt schon mal vor, dass der Kameramann das Bild automatisch für einen Rechtshänder einrichtet – zum Beispiel bei Kämpfen.» Wenn er dann mit rechts zuschlagen müsse, sehe das einfach ziemlich affig aus.

«Ich wurde aufgefordert, rechts zu schreiben»

Wetterfrosch Gaudenz Flury ist ein verkappter Linkshänder.
Wetterfrosch Gaudenz Flury ist ein verkappter Linkshänder.

Wetterfrosch Gaudenz Flury (34) ist ein Linkshänder, der rechts schreibt, weil er – zumindest gefühlt – dazu gezwungen wurde: «Meine Eltern liessen mich bei der Einschulung testen. Aber damals bevorzugte ich die linke Hand zu wenig deutlich, und darum wurde ich aufgefordert, mit rechts zu schreiben.» Das habe ihm keine sonderliche Mühe bereitet, auch wenn seine Lehrer jeweils fanden, dass seine Handschrift eine Katastrophe sei. Egal: «Als verkappter Linkshänder hatte ich da immer eine gute Entschuldigung bereit», sagt der SRF-Meteo-Mann und lacht.

In der Darstellenden Geometrie indes sei er klar im Vorteil gewesen: «Die anderen mussten das Blatt wenden, um eine Ellipse zu zeichnen, ich setzte einfach erst mit der linken und dann mit der rechten Hand an.» Heute ist die linke klar die starke Hand von Wetterfrosch Flury, allerdings hat er den Vorteil, dass er auch rechts geschickt ist – und so mit beiden Händen gleichzeitig und gleich gut arbeiten kann.

Autor: Andrea Freiermuth