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25. März 2013

Mit Liftmusik nach oben

Der Schweizer Greg Manning hat es mit seinem Smooth-Jazz in die Top Ten der amerikanischen Jazz-Charts geschafft. Seine Melodien für das Schweizer Fernsehen sind noch erfolgreicher.

Mit Liftmusik nach oben
Neben seinen eigenen Stücken schreibt Greg Manning auch für andere Musiker. Derzeit arbeitet er an einem R&B- und Hip-Hop-Projekt – assistiert von Hund Ollie.

Schweizer Jazzexporte: Von der Tradition über Experimente bis zu den neuen Trends – diese Schweizer Jazzmusiker reüssierten im Ausland.

Seine Musik klingt entspannt und fröhlich, und genau diese Bezeichnungen treffen auch auf Greg Manning (47) selbst zu. So ist der in Los Angeles wohnhafte Schweizer auch nicht beleidigt, wenn man seinen Sound etwas despektierlich als Liftmusik bezeichnet. «Dass Smooth-Jazz oft als Liftmusik bezeichnet wird, liegt an den vielen ungenügenden Produktionen. Denen haftet dieses Stigma nicht zu Unrecht an», sagt er schmunzelnd. Dass sein eigener Sound nicht in diese Kategorie gehört, bestätigt das amerikanische Publikum: Mannings Single «Dance With You» landete Ende Januar auf Platz eins der Smooth Jazz Most Added Charts. Will heissen: Das Stück wurde von den US-Radios von allen Neuerscheinungen am meisten gespielt. Inzwischen ist der Titel in den Top Ten der Smooth-Jazz-Charts.

«Smooth Jazz ist auch in Amerika nur eine Nische»

Ein bemerkenswerter Erfolg für den Schweizer. Leben wie ein Popstar kann Manning davon jedoch nicht. Mit Smooth Jazz kann ein Künstler im Optimalfall gegen 100 000 Einheiten ab­setzen. Davon ist er trotz des aktuellen Erfolgs weit entfernt. Das Brot, um das Leben in Los Angeles für sich, Ehefrau Toshimi und Sohn Noah finanzieren zu können, verdient er sich als Komponist und Produzent, aber auch mit Studiojobs und Konzerten: «Smooth Jazz ist auch in Amerika nur eine Nische. Aber weil das Land riesig ist, ist auch die Nische riesig.»

Greg Manning tritt nicht nur mit der eigenen Band The Jazzmatics auf, er ist auch ein begehrter Gastmusiker.
Greg Manning tritt nicht nur mit der eigenen Band The Jazzmatics auf, er ist auch ein begehrter Gastmusiker.

Dass er nun drauf und dran ist, sich in dieser Szene einen Namen zu schaffen, hätte er nie zu träumen gewagt. Schliesslich hat er bisher vor allem für andere Stars gearbeitet. Seit vor zehn Jahren der renommierte Singer-Songwriter Jonathan Butler ihn entdeckt und gleich als Musical Director engagiert hat, arbeitet der Zürcher Keyboarder sich stetig nach oben.

Mit Grössen wie Brian McKnight, Marc Antoine oder Richard Elliott war Manning auf Tournee, für Blues-Star Keb Mo hat er Songs geschrieben. Und mit seiner Band The Jazzmatics spielt er mit Cracks, die schon für Michael Jackson, Al Jarreau oder Herbie Hancock gearbeitet haben. In der Schweiz machte er zum ersten Mal auf sich aufmerksam, als er in den 90er-Jahren zusammen mit Marco Rima «Keep Cool» auf die Beine stellte, und sich das kleine Musical aus Zug innert kürzester Zeit zum Gross- erfolg mauserte. Noch mehr Publikum erreichte Manning mit seiner Arbeit für das Schweizer Fernsehen. Als Komponist für Sendesignete («Swiss Award», «Viktors Spätprogramm») oder als musikalischer Leiter für Unterhaltungsshows wie «Kampf der Chöre» oder «MusicStar» ist sein Soul-Jazz einem Millionenpublikum geläufig.

Greg Manning mit Adoptivvater Toni Wachter, der lange Unterhaltungschef des Schweizer Fernsehens war.
Greg Manning mit Adoptivvater Toni Wachter, der lange Unterhaltungschef des Schweizer Fernsehens war.

Manning macht keinen Hehl daraus, dass diese Arbeit seine Existenz als Profi-Musiker erst möglich macht. Ein Umstand, der ihn schon negativ in die Schlagzeilen gebracht hat: Weil er Adoptivsohn des langjährigen Unterhaltungschefs des Schweizer Fernsehens, Toni Wachter, ist, wurde ihm vorgeworfen, sein Engagement beim SRF sei das Ergebnis von Vetternwirtschaft. Manning kennt diese Kritik: «Als mein Vater Redaktionsleiter <Show & Events> beim Schweizer Fernsehen war, gab es von der Direktion eine klare Regelung, dass Familienangehörige nur bei überdurchschnittlicher Qualifikation für das Unternehmen arbeiten dürfen. Ich wurde stärker geprüft als andere. Ausserdem erhielt ich auch Aufträge, als mein Vater längst pensioniert worden war.»

Dieses neidische Denken sei typisch für die Schweiz, sagt Manning. Wütend macht ihn das nicht. Aber er findet es schade, dass man hierzulande oft das Negative sucht, statt sich über den Erfolg anderer mitzufreuen. Dass diese Haltung in Los Angeles anders ist, ist einer der Gründe, weshalb er nach seinem Studium am Berklee College of Music in Boston vor zehn Jahren in die USA ausgewandert ist.

80 Prozent Arbeit und 20 Prozent Glück – die Formel für den Erfolg

Ein anderer ist, dass er als Musiker mehr Respekt erfährt als in der Schweiz: «Erst wenn man im Ausland Erfolg hat, wird man in der Schweiz respektiert. Das ist schade.» Dass er es mit seiner Single in die Hitparade geschafft hat, will er aber nicht als Revanche an jenen sehen, die sein Talent in Abrede stellen: «Musik ist für mich kein Wettkampf. Der Erfolg ist das Ergebnis von 80 Prozent Arbeit und 20 Prozent Glück. Ich habe für meinen Traum hart gearbeitet.»

Das muss er nach wie vor. Statt seiner erfolgreichen Single ein Album nachzuschieben, greift der Musiker weiterhin für andere Stars in die Tasten. Soeben ist er aus Manila zurückgekehrt, wo er mit der US-Saxofonistin Mindi Abair aufgetreten ist. Und im April spielt er mit Grammy-Gewinnerin Jody Watley in Japan. Daneben arbeitet er an einem Projekt im Bereich R&B und Hip Hop und promotet seine Musik. Eine Plattenfirma hat Manning nicht, er macht alles selbst. Sieht er seinen entspannten Jazz als Kontrast zur hektischer werdenden Welt? «Durchaus. Meine Musik ist auch deshalb beliebt, weil sie auf Menschen im Alltagsstress einen positiven Einfluss ausübt.» Manning hält kurz inne. Dann fügt er lachend an: «Es ist wohl doch Liftmusik.»

Autor: Lukas Rüttimann

Fotograf: Serge Hoeltschi