Archiv
13. Januar 2014

Mit Bob ins neue Jahr

Sie! Ohne Vorsätze ins Jahr zu starten, hat sich im Fall bewährt. Ich werde Ihnen nie mehr mit «Endlich den Keller entrümpeln!» in den Ohren liegen. (Okay, «nie mehr» ist übertrieben. Aber ich werde Ihnen, sagen wir mal, nicht mehr damit in den Ohren liegen, solange unser Keller nicht wieder verstellt und versifft und verwahrlost ist. Also für vier, fünf Monate.)

alte Puppe, Kisten und sonstiges Gerümpel
«Ich brachte es nicht übers Herz.»

Ich habs nämlich getan! Den Keller entrümpelt. Nicht, weil ich es mir vorgenommen hätte. Sondern, im Gegenteil, weil ich es mir nicht vorgenommen hatte. Vorgenommen hatte ich es mir vor Jahresfrist – und es dann 365 Tage lang unterlassen. Diesmal startete ich ohne gute Vorsätze ins Jahr. Und begann dafür schon am 2. Januar, aus einer Laune heraus, den Keller um- und auszuräumen, Ordnung zu schaffen, Kisten zu beschriften: «Polly Pocket», «Pixi-Bücher», «Advent». Vier Tage und drei halbe Nächte dauerte die Aktion. Sackweise habe ich Altkleider zur Sammelstelle und Kehricht in den Container getragen. Skijacke und Murmelbahn gingen per Post zu Freunden nach Bern, Schlittschuhe und Gummistiefel hab ich in der Nachbarschaft verschenkt. Und am 5. Januar fuhr ich mit einem bis unters Dach gefüllten Mietauto zum Entsorgungshof. Es tut gut, sich von Altem zu trennen! Obschon einige Härtefälle dabei waren: die Lederhose, die ich damals beim ersten Date mit meiner Liebsten trug; ein lieb gewonnener, aber defekter Rollkoffer; ein aufblasbarer Schwimmring, gekauft 1999 für eine Handvoll Lire in Santa Margherita Ligure; Kindergeburtstagsdekorationen; ein Flipperkasten aus Holz, den Hans ganz allein gebaut hatte. «Ach komm, Vati! Weg damit!», erleichterte er mir den Entscheid. «Ich erfinde bald einen besseren.» Nur ein Puzzle fischte ich dann spätabends, weil ich mir reuig war, Teilchen um Teilchen wieder aus dem Kehricht und setzte es zusammen: ein Bob-the-Builder-Puzzle für Zwei- bis Dreijährige. Fragen Sie mich nicht, wozu!

Ich brachte es nicht übers Herz.

Sie rühren mich einfach, der kleine Baumeister, seine Wendy und ihre sprechenden Baumaschinen. Und sie erinnern mich an die Zeit, die wir mit den Kindern in New Orleans verbrachten. (Deshalb heisst die Wendy bei uns auch Wendy und nicht Rita.) Und wer hat «Yes, we can!» erfunden? Nicht Obama, nein: Bob the Builder. Also brachte ich es nicht übers Herz, auch nur ein einziges Bob-Utensil wegzuwerfen. Als Plastikfigur und als CD hab ich ihn aufbewahrt, als Bilderbuch, Besteck und Bettwäsche – und ihn als 87 Zentimeter grosse Stoffpuppe sorgsam wieder im Mottenschrank versorgt.

Nun stelle ich mir halt vor, dass die Trickfilmserie irgendwann mal, wenn ich als Grossvater die Enkel hüten werde, wieder ausgestrahlt wird am Fernsehen … Was sage ich, Fernsehen? Das Medium wird es in der heutigen Form nicht mehr geben. Aber nehmen wir an, Bob the Builder sei dereinst an irgendeinem Bildschirm zu sehen. Entzückt werde ich meine Enkelin rufen, die vielleicht dann Lorina heisst oder Adele oder Ida oder was weiss ich, und ich werde meinen Enkel namens Fritz oder Luke oder Elvis auffordern: «Schau, Bob der Baumeister! Ist der nicht cool? Und, wartet, ich hab noch ein Puzzle im Keller …» Vermutlich aber wird der alte Kram sie nicht gross kümmern, und ich werde die Episode «Bob rettet die Igel» für mich allein schauen müssen, still vergnügt.

Bänz Friedli live: 16. 1. Elgg ZH, 17. 11. Rothenburg LU.

Bänz Friedli (48) lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Zürich.


Die Hausmann-Hörkolumne , gelesen von Bänz Friedli (MP3)

Die Hörkolumnen bei iTunes

Die Hörkolumnen mit RSS-Client

www.derhausmann.ch

Sein Facebook-Auftritt

Autor: Bänz Friedli

Fotograf: Bänz Friedli