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22. April 2014

Missbrauchsfälle in Sekten

Es passiert hinter verschlossenen Türen und meistens im Namen Gottes. Die Geschichte Missbrauchsfällen in Sekten.

Vor rund vier Jahren wurde der Gründer und Leiter der Menorah-Freikirche aus Wetzikon ZH verhaftet und für viereinhalb Jahre eingesperrt. Dem Prediger, der laut Relinfo.ch Bruno Meyer heisst, wurden wiederholte sexuelle Handlungen, sexuelle Nötigungen und mehrfache Vergewaltigung vorgeworfen. Zu den Opfern gehören mindestens zwei Mädchen aus dem Zürcher Oberland, die damals sieben und zehn Jahre alt waren.

Namensänderung nach Missbrauchsfall

Nach dem Bekanntwerden der Missbräuche kehrten der Freikirche Menorah über die Hälfte der rund 50 Mitglieder den Rücken. Die Verbliebenen entschieden sich für einen Namenswechsel und nennen sich seitdem Bachtel-Gemeinde. Wie Sektenexperte Georg Otto Schmid zum «Tages-Anzeiger» sagte, sei die Gemeinschaft ohne Meyer allerdings kaum denkbar. Ohne ihn sei die Bachtel-Gemeinde nichts Besonderes mehr, es drohe die Angleichung an andere Freikirchen, so Schmid.

48 Sektentote in der Schweiz

Das dramatischste Ereignis punkto Sekten in der Schweiz ereignete sich im Jahr 1994. Zwischen dem 30. September und dem 5. Oktober starben in Cheiry FR und Salvan VS 48 Menschen. Unter den Toten befanden sich die Führer der Sonnentemplersekte, Luc Jouret und Joseph di Mambro. Sie hatten in der Gemeinschaft zunehmend Weltend-Ängste und Ideen eines Transits in eine andere Welt verbreitet.

«Das ist typisch», sagt Sektenexperte Georg Otto Schmid. «Durch die ständige Erwartung des Weltuntergangs sind die Prediger der Meinung, dass sie sich mehr erlauben können als andere. Deshalb kommen in endzeitlichen Gemeinschaften sexuelle Übergriffe relativ häufig vor», so Schmid zur Zeitung «Sonntag».

Anmerkung der Redaktion: Die Geschichte zu einer dritten Glaubensgemeinschaft wurde aufgrund eines anwaltschaftlichen Schreibens entfernt.

Autor: Reto Vogt