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01. Juni 2015

Mieter dürfen sich freuen

Wenig Auswahl an Wohnungen und hohe Mieten – als Mieter ist die Situation schwierig. Trotzdem dürfen Sie sich freuen. Welche Erfahrungen machten Sie?

Grosser Ansturm auf wenig Wohnraum: Das dürfte sich in Zukunft etwas  zugunsten der Mieter verbessern
Grosser Ansturm auf wenig Wohnraum: Das dürfte sich in Zukunft etwas zugunsten der Mieter verbessern (Bild: Visum).

Es hat zwar einiges an Geduld gebraucht. Doch nun kommen eindeutig bessere Zeiten auf die Mieter zu. Und zwar nicht nur wegen des Referenzzinssatzes, der kurz nach Erscheinen dieser Ausgabe womöglich ein weiteres Mal gesenkt wird. Mindestens so bedeutsam ist ein zweiter positiver Trend für die Mieter – auch wenn er in der Öffentlichkeit noch kaum wahrgenommen wird: Der Neubau an Mietwohnungen hat sich in wenigen Jahren verdoppelt.

Die Grafik verdeutlicht, warum die Mieter sich freuen dürfen: In diesem Jahr übertrifft die Zahl der neu erstellten Mietwohnungen erstmals diejenige der Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser. Damit wird die seit Langem andauernde Knappheit beim Angebot endlich entschärft, mit günstigen Folgen für die Mietpreisentwicklung.

Die Wohnungsmangel entschärft sich: Dieses Jahr werden mehr neue Mietwohnungen erstellt als Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser.

Der Schweizer Immobilienmarkt hat sich in den letzten zehn Jahren massiv verändert. Ab 2007 kam es zu einem riesigen Anstieg der Nachfrage. Die Zahl der zusätzlichen Einwohner sprang von unter 50 000 auf über 80 000 pro Jahr. Dagegen blieb das Angebot an neuen Mietwohnungen mit rund 12 000 Einheiten weit zurück. Deutlich besser war die Lage für all jene, die eine Immobilie kaufen wollten: Sie profitierten von einem breiten Angebot mit 30 000 neuen Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern pro Jahr. Immer mehr Mieter wechselten daher auf die Seite der Eigentümer.

Doch nun hat sich das Blatt gewendet: Während die Bautätigkeit im Eigentumssegment zurückgeht, hat bei den Mietobjekten ein starker Aufschwung eingesetzt. 2015 kommen schätzungsweise 24 000 neue Wohnungen auf den Markt. Dass der Wohnungsmangel abnimmt, zeigt auch der steigende Bestand an Leerwohnungen, der mit 36 000 den höchsten Wert seit 2001 erreicht hat.

Das bremst den künftigen Preisauftrieb. Schon im letzten Jahr sind die Angebotsmieten landesweit nur um 1,7 Prozent gestiegen, gegenüber durchschnittlich 2,9 Prozent in den letzten zehn Jahren. Im laufenden Jahr dürften sich die Mieten noch um etwa 0,5 Prozent verteuern. Allerdings: Die regionalen Unterschiede sind enorm: In Genf, Zürich oder Zug kostet die gleiche Wohnung doppelt so viel wie zum Beispiel in La Chaux-de-Fonds NE.

Mehr Info: Der Mietvergleich nach Stadt oder Kanton.

Autor: Albert Steck