Archiv
12. Dezember 2016

Michèle Keller rezensiert

Heute: «Mediterrane Gärten gestalten»

Das Foto von Michèle am Werk ist übrigens auf ihrem Balkon im Zürcher Oberland entstanden.
Lesezeit 3 Minuten

Diesmal hat sich Michèle Keller (genau, die mit je einem Garten im Tessin und im Zürcher Oberland), für uns «Mediterrane Gärten gestalten» zu Gemüte geführt. Ich hatte ihr das Gartenbuch ans Herz gelegt, gerade eben, weil sie ja zumindest im Tessin unter mediterranen Verhältnissen gärtnert. Was sie davon hält, erfährt Ihr hier von ihr im O-Ton:

«Bei Tagen mit Nebel, hinter dem Chemineeofen sitzend, entführt uns dieses Buch in südliche Gefilde, wo die Winter milder sind und die Kälte nicht durch alle Knochen geht. Ein ausführliches Inhaltsverzeichnis gibt einen Vorgeschmack, was uns in diesem Buch alles erwartet. Es ist viel, sehr viel. Es fängt mit historischen Impressionen und Informationen an, geht dann aber schnell in die praktische Umsetzung für den eigenen Garten weiter.

Vorgestellt werden klassische und moderne mediterrane Gärten mit der Aufforderung, sich mit seinen eigenen Wünschen auseinanderzusetzen und der Bodenbeschaffenheit Beachtung zu schenken. Es gibt Vorschläge für moderne und gradlinige, verwunschene und dschungelartige Gärten, oder auch nur kleine, abgetrennte Ecken des Gartens, die man gestalten möchte.

Was erstaunt, sind die vielen von Kipp vorgestellten, winterharten Pflanzen und Sträuchern, die zwar mediterran, aber schon längst in unsere nördlichen Gärten Einzug gehalten haben. Es müssen also nicht nur Exoten sein, um unserem Garten einen südlichen Touch zu verleihen. So gehören Lavendel und Kräuter wie Rosmarin, Salbei, Thymian etc. schon längst ins Repertoire der meisten GärtnerInnen. Ein Kapitel ist auch den mediterranen Früchten gewidmet: Weinreben, Kiwis, Feigen gedeihen auch im Norden. Sogar die Passionsblumen überstehen unsere Winter problemlos (allerdings bezweifle ich, dass es in unseren Breitengraden grossartig zur Fruchtbildung kommt). Die Tessinerpalme kann auch draussen überwintern. Es muss also nicht unbedingt der Olivenbaum und Oleander im Topf sein, der jeden Herbst reingeholt werden muss.

Das Buch enthält Informationen zu Mobiliar und Gestaltung von Sitzplätzen, enthält Skizzen und Vorschläge für Staudenbeete, mit Plan und Angaben, welche Pflanzen in welcher Stückzahl wie angeordnet werden. Darunter zu finden ist da auch ein Vorschlag für einen Hanggarten mit Nutzeffekt. Über mehrere Seiten ist das Thema Wasser im mediterranen Garten behandelt, dabei beschränkt sich das südliche Ambiente natürlich mehr auf die Umgebungsgestaltung als auf die Pflanzen im Teich, Brunnen oder Bottich. Was gefällt ist zum Abschluss die detaillierte Beschreibung von Pflanzen, Stauden, Bäumen. Es finden sich hier Vorschläge für Hecken und Einfassungen, Duftstauden und Kräuter, duftende Sträucher, laubabwerfende Bäume und Sträucher, immergrüne Gehölze, Exoten für Liebhaber, exotische Stauden und Kübelpflanzen, trockenheitsliebende Stauden, Kübelpflanzen-Klassiker, winterharte Kakteen und Palmen.

Vielleicht ist die eine oder andere Pflanze, die der Autor vorschlägt, hinsichtlich Klimaveränderung mit Vorsicht zu geniessen resp. zu pflanzen. Im Tessin hat sich nicht nur die Tessiner Palme unerwünscht ausgebreitet sondern auch viel Gewächs, das von einstigen Gartenbesitzern begeistert aus südlichen Ländern mitgebracht und gepflanzt wurde. Die von Kipp erwähnte gut keimende und imposant wachsende Rhizinuspflanze ist zwar in unseren Breitengraden (noch) nicht winterhart. In den Südstaaten der USA gilt sie aber schon als Neophyt.

Alles in allem ein tolles Buch, das nicht nur für ExotenliebhaberInnen geeignet ist. Die wunderschönen, inspirierenden Fotos machen Lust, in der nächsten Gartensaison das eine oder andere im eigenen Garten zu verwirklichen.»

Mediterrane Gärten gestalten von Oliver Kipp, GU Verlag, gibts bei Ex libris.

Lust, ebenfalls ein Gartenbuch zu rezensieren? Bewerbungen an Almut Berger

Fotograf: Michèle Keller