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08. April 2013

Mich laust der Alltag

Das Osterbäumchen abräumen, endlich. Gesuch Musikschule. Termin Kinderarzt. Hans’ Snowboard und Anna Lunas Snowboardschuhe ins Sportgeschäft zurückbringen, die Saisonmiete läuft aus. Entlausungskur kaufen, auf Vorrat. (Man weiss nie, wann der nächste Lausbefall droht, und sobald ein einziges Kind Läuse hat, betriffts die ganze Klasse, somit das ganze Quartier. Beim blossen Gedanken juckts mich auf der Kopfhaut.) Und wenn ich schon in der Drogerie bin: neue Einschlafnotfalltropfen kaufen, die Duftmarke Lavendel fürs Duftlämpchen und Javelwasser, um das weisse Tischleinen wieder weiss zu machen.

«Die Saisonmiete läuft aus …»
«Die Saisonmiete läuft aus …»

Was muss ich sonst erledigen? Alle Winterschuhe verstauen, die Sommerschuhe hervorholen (und dabei feststellen, dass sie den Kindern inzwischen viel zu klein sind, sie also in der Nachbarschaft verschenken und neue kaufen); aber damit ich all dies überhaupt tun kann, muss ich den Keller zuerst wieder begehbar machen und entrümpeln. Danach mit dem Veloanhänger zur Altkleidersammelstelle fahren, zum Entsorgungshof, ins Einkaufszentrum: Wir brauchen einen neuen Mottenschrank. Dann: die Fenster in Anna Lunas Zimmer putzen. Sie hat es schon von sich aus angeregt! «Du, Vati, wenn ich … wieder mal einen Blick in den Garten werfen könnte, wärs fein.» Und es braucht viel, bis Kinder finden, Scheiben seien dreckig! Überhaupt sollte ich Fenster putzen, überall. Aber dann kommt ja vielleicht doch noch der Frühling und mit ihm der Pollenflug, womit alles Fensterputzen wieder für die Katz gewesen wäre. Doch damit muss hausman und -frau sich ohnehin abfinden, dass im Haushalt immer alles wieder von vorn beginnt; dass der Sohn just dann dreckstarrend von der Pfadi heimkehrt und den halben Wald in die Wohnung schleift — «Bin drum noch in den Bach gefallen. Es war uhuere lustig!» —, wenn man gerade frisch geputzt hat; dass sowieso nie «alles getan» ist, und dass, falls doch, dieser Glückszustand nur Sekunden andauert. Und danach ist bestimmt wieder irgendwo ein Spiegel vertapt. Aber wem sage ich das? Bestimmt haben auch Sie längst verinnerlicht, dass der eigentliche Sinn der alltäglichen Büez darin liegt, dass sie immer aufs Neue getan werden muss. Und dass solcherlei Sisyphusarbeit eben nicht für die Katz ist.

Die Saisonmiete läuft aus …

Apropos, eh ichs vergesse: Nachbars Katze muss ich füttern. Einen neuen Bügelbrettbezug besorgen. Für Hans eine Internetauktion im Auge behalten; einen Laubbläser will er ersteigern und daraus, wenn ichs recht begriffen habe, ein Tragflächenboot basteln. Kresse säen. Klarinettennoten bestellen. Das mit dem Ferienkurs klären. Tickets fürs Jugendtheaterfestival reservieren, da wollen wir hin. Ein Kindsbettgeschenk sollte auch noch auf die Post, von meinen Fussballkameraden wird einer nach dem anderen Vater. Und was kochen wir dem Besuch am Samstag? Einen Braten, vielleicht? Der müsste dann schleunigst in Rotwein eingelegt werden. Ab in die Metzgerei!

Nicht, dass der Besuch so was zu sehen bekäme, aber das Innere unseres Backofens ist eine Schande. Dringend reinigen! Altkarton bereitstellen. Elternbefragung ausfüllen. Beleg Zahnversicherung einsenden. Bibliotheksbücher zurückbringen. Knopf annähen. Bügeln. Spülglanz nachfüllen. Den Duschabfluss entstopfen. Und … Kolumne schreiben. Aber dazu bin ich jetzt zu müde. Morgen, vielleicht.

Bänz Friedli (47) lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Zürich.

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Autor: Bänz Friedli

Fotograf: Bänz Friedli