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31. August 2015

Mibelle-Forscherin: «Ich entspreche nicht dem Klischee von Dr. Schönheit»

Cornelia Schürch entwickelt Beauty- und Gesundheitsprodukte bei Mibelle. Die Forscherin über ihren Alltag, ihre erfolgreichste Entwicklung und aktuelle Trends bei der Jagd nach der ewigen Jugend.

Cornelia Schürch (42)
Dr. Cornelia Schürch (42) ist Leiterin Entwicklung und Compliance bei der Mibelle AG.

Cornelia Schürch, Sie haben einen Traumjob: Sie entwickeln kosmetische Wirkstoffe für einen Konzern mit Kunden auf der ganzen Welt. Ist Ihre Arbeit so glamourös?
Das liegt sicher in der Optik des Betrachters. (lacht) Ganz sicher entspreche ich aber nicht dem Klischee von «Dr. Schönheit». Meine Arbeit umfasst in erster Linie die Entwicklung und das Protokollieren von Wirkstoffen, die in Kosmetikprodukten eingesetzt werden.

Wie muss man sich Ihren Alltag konkret vorstellen? Stehen Sie im Kittel im Labor, oder sitzen Sie vor allem am Computer?
Ich sitze tatsächlich die meiste Zeit vor meinem Bildschirm. Heute sind die Anforderungen an eine umfassende Dokumentation bei der Entwicklung von neuen Produkten stetig steigend. Weltweit wollen die Behörden immer ganz genau wissen, woraus sie bestehen und wie sie hergestellt werden.

Welcher ist der grösste Trend auf der Suche nach der ewigen Jugend?
Das lässt sich nicht eindeutig beantworten, denn die Forschung sucht immer nach den «eigentlichen» Faktoren, welche die Alterung der Haut bestimmen. Bisher wurde viel auf der Ebene der Genetik geforscht. Im Fachidiom heisst das Genomics. Wir legen den Fokus unserer Forschung derzeit auf die Proteine (Proteomics). Wir untersuchen intensiv, wie die Übersetzung der Gene in funktionelle Substanzen und Stoffe funktioniert und wie eine positive Wirkung im Körper erzeugt werden kann.

Die Gene sind bei der Hautalterung nicht zu unterschätzen.
Sie sind nur der Anfang der Geschichte. Wie aber letzten Endes die individuellen Gene in Proteine übersetzt und damit tatsächlich aktiv werden, ist eine andere. Wir nennen dieses Forschungsgebiet Epigenetik. Nebst Hautalterung und Herkunft spielen dabei andere, wichtige Lifestyle- und Umwelteinflüsse eine entscheidende Rolle. Etwa genügend Schlaf, der Verzicht auf das Rauchen, eine gesunde Ernährung sowie die Vermeidung von UV-Strahlen.

Welches ist Ihr Lieblingsprodukt, das Sie für die Mibelle Group entwickelt haben?
Für mich ist der Apfelstammzellen-Wirkstoff aus dem Uttwiler Spätlauber eine tolle Entwicklung. Hier haben wir 2008 wirklich einen neuartigen Ansatzpunkt gefunden, um die Zeichen der Hautalterung zu verbessern. Mit diesem Wirkstoff konnte auch eine sehr nachhaltige Lösung gefunden werden. Sogar die amerikanische First Lady Michelle Obama schwört auf diesen Wirkstoff.

Nützen Anti-Aging-Produkte wirklich so viel, wie sie versprechen?
Kosmetikprodukte sind ganz klar keine Arzneimittel. Der grosse Unterschied liegt in den eingesetzten Wirkstoffkonzentrationen. Während in den Arzneimitteln eine Wirkung auf Kosten von potenziellen Nebenwirkungen in Kauf genommen wird, ist das in der Kosmetik nicht erlaubt.

Das heisst?
Alle Kosmetikhersteller müssen die ausgelobten Wirkversprechungen stets in Studien beweisen.

Gelingt dies denn immer?
Natürlich nicht ganz. Für uns bedeutet das dann, dass ein Produkt neu formuliert oder die Wirkversprechungen angepasst werden müssen. Das ist unser Job. 

Autor: Martina Bortolani

Fotograf: Nik Hunger