Archiv
03. Juni 2013

Meine Nerven!

Bänz Friedli joggt im Pyjama.

«Vermisst: 13 Znüniböxli.»
«Vermisst: 13 Znüniböxli.»

Muss ich Ihnen unbedingt erzählen: was ich letzte Woche alles an Post erhalten habe! Ausschliesslich tröstliche. Ich bin nämlich, erstens, nicht allein mit einem Sohn, der seine Uhr im kirchlichen Unti, die rote Regenjacke im Handarbeiten, sein Instrument in der Musikschule und das Franzbuch im Klassenzimmer hat liegen lassen — von momentan 13 vermissten Znüniböxli ganz zu schweigen. Nein, es geht anderen genauso. Nehmen wir Jacqueline: Fährt sie um 7.25 Uhr zur Arbeit, kommt ihr der eigene Sohn, den sie in der Schule wähnte, auf dem Velo entgegen. Er muss noch mal heim, weil er das Schwimmzeug mitgenommen hat, jedoch die Turnsachen hätte einpacken sollen. Franziska hat aufgehört, ihren Jungen nach 21 Uhr noch mal aus dem Bett zu lassen, wenn ihm kurz vor dem Einschlafen einfällt, dass er ja doch Ufzgi gehabt hätte; sie wecke ihn dafür am nächsten Morgen früher. Fazit: «Mein Bub braucht manchmal Nerven, die ich gar nicht habe.»

Zur Milderung des Ärgers gingen zahlreiche Tipps ein. Eine Christine hat das Mathibuch eingescannt und druckt bei Bedarf die nötigen Seiten aus. Sandy ersteigert sich jeweils gebrauchte Schulbücher auf Ricardo.ch — mit dem Resultat, dass sie manche Bücher plötzlich dreifach hat: das reguläre, dasjenige, welches sie auf Reserve besorgt hat, und dasjenige, das ihr Sohn von seinem Sitznachbarn abgestaubt hat. Auch Caro hortet Schulbücher — von älteren Geschwistern, Nachbarskindern, Cousins. Volle vier Franzbücher hielt sie daheim für ihre Söhne parat. Müsste ausreichen. Aber eines Hausaufgabentages waren dann doch alle vier in der Schule. «Meine Hühner», nennt Caro ihre Buben liebevoll. Aber es gibt im Fall — und dies ist Trost Nummer zwei — auch verhühnerte Mädchen. Und dazu, mir solche zu melden, hatte ich ja aufgerufen. Hoffend, meine Vereinfachung von den vergesslichen Söhnen und den verlässlichen Töchtern stimme nicht.

Vermisst: 13 Znüniböxli.

Et voilà: Bettinas Tochter übertrifft ihre Brüder an Vergesslichkeit bei Weitem. Und wenn sie das Aufgabenbüchlein unterschreiben lassen sollte, weil sie die Aufgaben vergessen hat, dann hat sie besagtes Büchlein … Erraten: vergessen. Von Danielas Mädchen ist die eine pflichtbewusst und zuverlässig — «typisch Tochter». Die andere hingegen verspielt, zerstreut, dafür mit einem offenen Ohr für die Sorgen anderer — «typisch Sohn», aber eben doch eine Tochter. Andreas Elfjährige kehrt morgens, wenn sie schon Richtung Schule aufgebrochen ist, mehrmals Tür schletzend zurück und verlässt das Haus unter abermaligem Zuschlagen der Türe; einmal muss sie sich noch kämmen, das nächste Mal hat sie das Znüni, beim dritten Mal den Regenschutz vergessen, beim vierten … Und das Mami soll ihr dann, noch halb im Pyjama, hinterherfräsen? Andrea meint: Nein, danke. (Ich aber bin dem Hans, ich schwörs, schon im Pischi bis ins Schulhaus nachgerannt. Wenn ich Glück hatte, hielten die Leute es für einen Joggingdress.)

O ja, es gibt sie, die vergesslichen Girls. Sandras Tochter musste neulich nachsitzen, weil sie immer alles vergesse. Das Kind begibt sich also am Mittwochnachmittag zum Nachsitzen — kommt aber nach einer halben Stunde wieder heim: Die Lehrerin war nirgends auffindbar. Anderntags stellt sich heraus: Sie hatte es … «Ouu, sorry!» … vergessen. Der Name der betreffenden Lehrkraft ist der Redaktion bekannt. Er lautet … Habs grad vergessen.

Bänz Friedli live: 6.6. Lueg BE, 7.6. Gerlafingen SO

Die Hausmann-Hörkolumne , gelesen von Bänz Friedli (MP3)

Die Hörkolumnen bei iTunes

Die Hörkolumnen mit RSS-Client

www.derhausmann.ch
Sein Facebook-Auftritt

Autor: Bänz Friedli

Fotograf: Bänz Friedli