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26. Mai 2015

«Mein Nachbar ist ...»

Leserinnen und migrosmagazin.ch-Besucher schildern ihre Beziehung zu einer speziellen Nachbarin oder einem Nachbarn - und sagen Danke.

Hildegard Tanner

Mein Supernachbar Ivo

Hildegard Tanner und Nachbar Ivo
Hildegard Tanner und Nachbar Ivo

Vor 16 Monaten musste ich mein erstes Kniegelenk operieren. Ivo mähte mir von da an den Rasen. Im Juni 2014 wurde mir das zweite Knie operiert. Ivo meinte letzten Sommer: «Ich glaube, das gibt einen Jahresjob für mich.» Jetzt haben wir Mai 2015, und Ivo mäht ganz selbstverständlich meinen Rasen immer noch. Ich bin sehr froh darüber und danke meinem hilfsbereiten Nachbarn ganz herzlich.

Sonja Bähler, Konolfingen

Wenn der Pool verbindet

Im September 2013 entdeckten wir das Inserat eines 55 Jahre alten Hauses in Konolfingen BE. Schon lange waren wir auf der Suche nach einem alten Haus, um es sanft zu renovieren. Es schien perfekt: ein Haus mit Charakter und Umschwung. Einen Haken jedoch entdeckten wir schnell. Zum Haus gehört ein Pool, der mit den Nachbarn gemeinsam gepflegt und genutzt wird. Sofort läuteten bei uns die Alarmglocken. Auf einen Nachbarszwist hatten wir beide keine Lust. Dennoch besichtigten wir das Haus, und der Makler machte uns sofort auf die Poolsituation aufmerksam. So gut er konnte, gab er uns Auskunft über die Nachbarsleute, obwohl sie eher dürftig ausfiel. Mit den Vorgängern waren sie befreundet, und die Idee des Pools entstand bei einer ausgelassenen Runde.
Wir entschieden uns, ein Gebot abzugeben, denn das Haus gefiel uns auf Anhieb. Nach langer Warterei erhielten wir einen Vorstellungstermin, dieser endete … am Tisch der Nachbarn. Sofort wurde uns bewusst: Mit den Löligers werden wir klarkommen. Ruth und Willy sind beide schon 90 Jahre alt, trotzdem verstehen wir uns toll. Jede Partei lebt ihr Leben, aber der Pool zwischen den beiden Häusern verbindet. So muss dieser im Frühling geputzt und in Betrieb genommen, durch den Sommer hindurch mit Chemikalien versorgt und im Herbst wintertauglich gemacht werden. Diese Aufgaben verrichten wir gemeinsam, sogar mit Unterstützung der Enkel von Löligers sowie Freunden von uns. Vor allem die Frühlings- und Herbstaktivitäten werden immer mit einem Mittagessen verbunden, das Ganze wird so zu einem richtigen Event. Im Sommer trifft man sich beim Baden und hält schwimmend oder am Poolrand einen Schwatz.
Ruth steht uns auch mit Rat und Tat bezüglich unseres Gartens zur Seite: Wann schneiden wir die Rosen am besten? Was ist das für eine Pflanze? Und Willy Löliger weiss vieles über die Poolwissenschaft. Mein Mann bezeichnet sich stets als Willys «Stift», lernt und saugt alles auf. Das Ziel wäre ja, dass wir mit 90 Jahren den neuen Nachbarn die Pflege des Pools beibringen könnten.

Agnes Wüthrich, Nussbaumen

Das Tiefkühl-Zwischenlager

Ich weiss nicht, ob wir die speziellsten Nachbarn der Schweiz haben, aber ganz sicher haben wir speziell hilfsbereite Nachbarn. Und dabei geht es nicht ums gelegentliche Ausleihen von Mehl oder Eiern.
Wir haben Nachbarn, bei denen traut man sich, kurz vor Mitternacht an die Terrassentür zu klopfen und um Käse zu betteln, weil unsere Gäste noch «Gluscht» auf Käse und wir nichts mehr zu Hause haben …
Wir haben Nachbarn, die nehmen unsere Kinder mit zu ihren Freunden – mit Übernachtung, nur damit wir ein Wochenende zu zweit verbringen können.
Wir haben Nachbarn, die uns ein Zimmer für unsere Gäste in ihrem Haus anbieten, damit diese nach einem feuchtfröhlichen Abend nicht mehr nach Hause fahren müssen.
Wir haben Nachbarn, die denken daran, dass wir unseren Briefkastenschlüssel abgeben müssten, damit sie die Post leeren könnten (wir hätten es vergessen).
Wir haben Nachbarn, die kommen am Morgen zu mir rüber, um die Kinder für die Schule bereit zu machen, nur damit ich sie nicht so früh wecken muss.
Wir haben Nachbarn, die hinterlassen mir auf meinem Tiefkühler einen Zettel, dass der Inhalt bei ihnen im Tiefkühler zwischengelagert sei, bis ich meinen abgetaut hätte … Sie habe gesehen, dass er es nötig hat … (nachdem meine Nachbarn ihr Zeug bei mir eingelagert hatten), usw.

Sie sind einfach einzigartig und unheimlich wertvoll. Und ich dachte immer, dass das unter Nachbarn selbstverständlich sei, bis mich einige in meinem Umfeld immer wieder auf das Glück mit meinen Nachbarn angesprochen haben. Es scheint nicht selbstverständlich zu sein.

Katja Wolanin

Die Vermieterin als Nonna

In unserem Haus wohnen vier Parteien, und die Vermieterin ist wie eine Nonna für alle. Wann immer man an ihrer Tür, die meist nicht verschlossen ist, läutet, bekommt man einen Tee und trifft sich zu einem Schwatz.
Der ganze Garten inklusive Schwimmteich steht allen zur Verfügung. Eine Party oder eine spontane Pizza? Kein Problem, Platz hat es im Garten genug, und auch ein grosser Pizzaofen steht da. Eine Zutat für ein tolles Rezept fehlt? Auch kein Problem. Dann wird einfach mal getauscht. Sie oder wir haben zu viel gebacken oder gekocht? Einfach mal die andern kosten lassen. Wir wohnen erst seit anderthalb Jahren dort, haben aber ein Superverhältnis. Ich würde der «Nonna» auf diesem Weg gern ein Kränzchen winden.

Heidi Kym

Die gute Handwerksseele im Haus

Vor drei Jahren erkrankte ich ernsthaft, ich, eine aufgeweckte, aktive und selbständige Frau, im Arbeitsleben wie als Künstler. Beinahe über Nacht konnte ich mich nicht mehr ankleiden, nicht Türen öffnen, vom Malen an der Staffelei gar nicht zu träumen. Über Monate lag ich im Bett.
Kurz zuvor zog auf demselben Stock ein pensionierter Herr in die Wohnung. Einer Freundin, die für meine tägliche Pflege und die Wohnung sorgt und mir emotional eine Stütze ist, wurde es körperlich fast zu viel, da sie noch voll der Arbeit nachging.
Nun repariert mein Nachbar Lampen, Schalter, Türen, Velopneus usw. Bald entwickelte sich eine nachbarschaftliche Freundschaft mit grossem Respekt auf beiden Seiten. Obwohl er nicht immer meine sonnige Seite sah. Nun geht es mir etwas besser als in der ersten Zeit, denn nun kann ich 40% arbeiten. Doch Haushalt, Wäsche, Einkauf und vieles mehr sind für mich nach wie vor unmöglich zu verrichten. Der Nachbar nimmt immer wieder meine Wunschliste entgegen und arbeitet sie ab. Seine Herzlichkeit und Offenheit mit sehr viel Taktgefühl ist besonders. Zu meinem Geburtstag hat er die Wohnstube gestrichen, das Jahr zuvor die Toilette, dazu einen Wandkasten montiert und aufgehängt.
Wir sind 18 Parteien in unserem Haus, und wo immer Not ist, wird unser Nachbar um Hilfe gebeten und Weisheit angefragt. Er ist für uns die gute Seele im Haus.

Heike Sismanoglu-Roloff

Offene Waschküche – und Nachbarin

Heike Sismanoglu-Roloff (l.) mit Nachbarin
Heike Sismanoglu-Roloff (l.) mit Nachbarin Trudy Bonin

Als wir 1979 von Kanada in die Schweiz zurückkehrten, zog ich mit gemischten Gefühlen dort ein. Was würde uns dort wohl erwarten? Nach einiger Zeit wurde mir von einer Nachbarin sehr energisch mitgeteilt, dass man hier im Haus die Waschküche abschliesse. Vorher hatte mich aber die Hauswartin gebeten, sie offen zu lassen, da ein Monteur kommen würde. Dieses sagte ich dann auch zu meiner Verteidigung.
Von diesem Tag an entwickelte sich zwischen uns im Laufe der Jahre ein sehr, sehr freundliches und liebenswertes Verhältnis. Die Nachbarin ist Gold wert: Sie hat unsere Wohnung in unseren Ferien gehütet, Blumen gegossen, Blumenkästen überwintert und mit neuer Erde versorgt. Wenn sie, und das tut sie sehr fleissig, Konfitüre einmacht, bekommen auch wir immer Gläser geschenkt. Wenn sie bäckt, werden wir auch beglückt. Geholfen wird bei Wäscheterminen oder auch sonst über Jahre unterstützt. Auch bepflanzt sie vor dem Haus die öden Flächen, und es hat sich ein wunderbarer Blumenteppich ergeben. Ja, da weiss ich, wenn ich einmal wirklich Hilfe benötige: Auf sie kann ich mich verlassen. Sicher habe ich noch vieles vergessen. Ich komme gerade aus dem Spital zurück, und da ist man besonders dünnhäutig und denkt über manches nach.
Warum ich das alles schreibe: Um mich einmal für all das Gute, was uns widerfährt, zu bedanken. Die Nachbarin ist nämlich fast zu stolz, auch einmal Dank und Hilfe anzunehmen. Ich hoffe aber für sie, dass sie noch lange so selbständig bleiben kann.

Hannes und Maya Westermann mit Ueli Rombach und Margrit Sager

Die spezielle Jassrunde

Wir haben eine speziell gute Beziehung zu unseren Nachbarn. Als unser Nachbar vor ein paar Jahren einen Schlaganfall erlitten hatte, verlor er die Sprache. Seit wir herausgefunden haben, dass er seither weder gut lesen noch gut schreiben kann, aber noch bestens jassen, geniessen wir das gemeinsame Jassen jede zweite Woche einen Morgen lang – und wo gejasst wird, wird auch gekocht (natürlich alles im Voraus vorbereitet) und gemeinsam gegessen. Sehr vergnügliche Stunden, die wir alle in vollen Zügen geniessen.

Sabine Schüpbach-Blunier

Ob neue Arbeit aufgehängt ist?

Ich bin eine viel beschäftigte Berufs- und Familienfrau mit drei Töchtern im Teenageralter. Seit vielen Jahren hängt unsere mittlerweile 82-jährige Nachbarin meine Wäsche im Trocknungsraum ab und faltet sie zusammen. Sie ist der Meinung, dass ich so oder so genug zu tun habe. Sie hingegen ist froh, sich nützlich machen zu können, und steigt manchmal extra in den Keller, um zu schauen, ob wieder Arbeit für sie aufgehängt ist …
Und als Frühlingsputz angesagt war (während die Girls im Pfadilager weilten), unterstützte mich die Nachbarin sogar beim gründlichen Putzen der Küche. Sie kam mit ihren Putzutensilien und ihren Gummihandschuhen, und wir hatten einen vergnügten Tag zusammen. Über Mittag zog sich die Nachbarin zurück, um wie jeden Tag ihre gewohnte Serie im Fernsehen zu schauen. Nachher kam sie wieder voller Tatendrang zurück.
All das macht die Nachbarin ohne Gegenleistung, aber natürlich schaue ich, dass ich ihr ab und zu auch einen Liebesdienst erweisen kann, z. B. mit einer selbst gemachten Konfitüre oder so.

Maja Studer, Ehrendingen

Etwas Besonderes

Meine Nachbarin Tina Imhof ist etwas ganz BsundriX für mich. Nicht nur, dass BsundriX ein Name ist, der neugierig macht, dahinter steckt auch ein besonders feinfühliger und kreativer Mensch. Nach meiner schmerzlichen Trennung stand und steht sie mir immer mit tröstenden Worten und lieben Gesten zur Seite. Zum Beispiel an einem Sonntagmorgen, als ich nach Hause kam und ein selbst gemachtes Zöpfli mit einem Zettel «aus der eigenen Backstube» vor der Tür lag, einfach so, um mir eine Freude zu machen. Oder sie hilft mir bei den kleinen Dingen im Leben. BsundriX steht aber auch für ihr gemütliches Café, das sie mit Herzblut und viel Liebe im Nachbarhaus eröffnet hat. Gern schaue ich bei ihr vorbei und geniesse das Ambiente bei einem selbst gebackenen Kuchen. Ihre Betonobjekte und selbst gemalten Bilder, die sie dort ausgestellt hat, runden das Ganze wunderbar ab.

Saskia und Morris Calore

Wenn das Feuer nicht loslässt

Wir wohnen in einem heimeligen Holzchalet in Rüti ZH mitten in bester Wohnlage. Unser Haus ist 103 Jahre alt und in Familienbesitz meines Mannes. Es gehört seiner Tante, sie bewohnt mit ihrer Familie (Mann und zwei Töchter) den oberen Stock. Wir teilen uns also das Haus familiär, was sich positiv bemerkbar macht: Lärm wird viel besser toleriert, egal, ob wir (junges Pärchen) spätabends extrem laut Filme gucken, Freunde zu Besuch haben, laut diskutieren – oder sie mit ihren Musikinstrumenten üben: Klavier, Bass, E-Gitarre, Cello und Akkordeon.
Es ist wie in einer grossen Familie, bloss, dass trotzdem jeder sein Reich hat.
Die Gartenarbeit erledigen sie, wobei wir sie unterstützen, wenn wir Zeit finden.
Den Grillplatz mit Feuerschale teilen wir uns auch, wobei auch der jeweilige Besuch integriert wird. Es kann sehr spät werden im Sommer, wenn es abends warm bleibt und das Feuer nicht loslässt. Dann kann die ganze Familie um die Feuerschale sitzen und einfach die Zeit geniessen. Ich kann mir keine bessere und angenehmere Wohnsituation vorstellen.

UND IHR(E) NACHBARIN?
Haben auch Sie eine(n) besonders sympathische(n), hilfsbereite(n), verlässliche(n) Nachbar(i)n?
Dann senden Sie uns einen kurzen Text über sie oder ihn - mit Ihrem Namen und Wohnort - an onlineredaktion@migrosmedien.ch.
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