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27. Februar 2012

Mehr Frühförderung in der Krippe?

Krippen sollen vermehrt Orte der Bildung werden und sich dafür an einem nationalen Richtpapier orientieren – ähnlich wie bei unseren Nachbarländern bereits geschehen. Hitzige Debatten sind vorprogrammiert.

Kleinkind mit Kugelschreiber
Die Krippe soll individuelle Interessen und Talente von Kindern besser fördern. (Bild: Craig Holmes/Getty Images)

Bei den Kinderkrippen herrscht im Moment Wildwuchs: Die Bestimmungen unterscheiden sich von Kanton zu Kanton, zudem haben diverse Verbände und Gruppierungen Empfehlungen für die Ausgestaltung des Krippenalltags herausgegeben. Eine Vereinheitlichung tut not.

Diese soll ein schweizweiter Orientierungsplan leisten, der im Mai 2012 vorgestellt wird. Eine zentrale Rolle spielt hierbei das Netzwerk Kinderbetreuung Schweiz. Gemeinsam mit der Schweizerischen Unesco-Kommission hat es beim Marie Meierhofer Institut einen Orientierungsplan für frühkindliche Bildung in Auftrag gegeben. Miriam Wetter, Geschäftsführerin des Netzwerks Kinderbetreuung: «Bisher drehte sich die Krippendebatte vor allem um neue Plätze, also um die Quantität. Der Orientierungsplan ist nun ein klarer Schritt in Richtung Qualitätsförderung.» Es gehe heute nicht mehr nur darum, Kinder unterzubringen, wenn die Mutter arbeitet. Vielmehr soll die Betreuung ausser Haus als spannender Lebens- und Entwicklungsort für Kinder angesehen werden.

Zusätzliche Chancen für die Entfaltung persönlicher Stärken

Bedeutet das nun, dass nach den Schulen auch die Krippen vereinheitlicht werden und der Leistungsdruck die Kleinsten erreicht hat, wie Kritiker befürchten? «Nein», betont Miriam Wetter «Der Orientierungsplan soll nicht juristisch verbindlich sein, sondern als Empfehlung verstanden werden. Anders als beispielsweise in Berlin, wo ein solcher Bildungsplan schon heute in Kraft ist, sieht er weder bestimmte pädagogische Methoden vor noch feste Ziele, die ein Kind während seiner Krippenzeit erreichen soll.» Jedes Kind soll einfach vermehrt die Chance bekommen, seine Stärken und Interessen zu entfalten. Dass das gutes Personal erfordert und so auch finanzielle Konsequenzen hat, wird sicher noch für hitzige Debatten sorgen. Dennoch: «Das grosse Interesse aller Beteiligten zeigt uns, dass das Bedürfnis nach einem solchen Plan gross ist», sagt Miriam Wetter.

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Autor: Andrea Fischer