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01. Februar 2016

Mehr als nur ein Teilzeitvater

Lukas Bütikofer hat sich einen Traum erfüllt: Er widmet sich voll und ganz seinen Buben. Für die meisten Männer bleibt bereits eine Pensenreduktion im Brotjob ein frommer Wunsch: Es mangelt nach wie vor an Teilzeitstellen.

Hausmann Lukas Bütikofer mit Remo (2) und Emil (4).
Hausmann Lukas Bütikofer mit Remo (2) und Emil (4): «Die ersten Lebens­jahre sind prägend».

Theoretisch sind Mann und Frau in der Schweiz seit 1981 per Verfassung gleichberechtigt. Praktisch ist die Gleichstellung eine Knacknuss, vor allem in Sachen Familien- und Erwerbsarbeit. Nach wie vor arbeiten 88 Prozent der Männer mit Kindern unter sieben Jahren Vollzeit, während 60 Prozent der Frauen mit Kindern im selben Alter im Beruf zurückstecken und 27 Prozent die Erwebstätigkeit sogar ganz aufgeben.

Arbeitszeitmodelle im Wandel von 1995 bis 2014
Arbeitszeitmodelle im Wandel von 1995 bis 2014 (Quelle: BFS - SAKE)

Dass sich etwas tut, merkt man erst, wenn man 20 Jahre zurückschaut: 1995 arbeiteten gerade mal 2,5 Prozent der Paare mit kleinen Kindern Teilzeit, heute sind es bereits mehr als 7 Prozent; bei rund 2 Prozent der Paare arbeitet die Frau Vollzeit, während der Vater vorwiegend zu Hause bleibt.

Ein solches Modell leben auch Franziska und Lukas Bütikofer aus Schliern BE. Lange hatte der 29-Jährige nur seine Karriere im Auge. Mit der Geburt des ersten Sohns veränderte sich sein Leben radikal: Heute ist Lukas Bütikofer Vollzeitpapa, während seine Frau für den Lebensunterhalt sorgt.

Konsequente Männer braucht das Land

Hausmänner haben Signalwirkung. Gemäss einer Umfrage von Pro Familia möchten 9 von 10 Männern mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. Aber es fehlen Vorbilder und Teilzeitjobs. Männer, die ihren Kindern nicht nur gute Nacht sagen wollen, müssen konsequent bleiben – auch wenn der Arbeitgeber bockt und die Karriere den Bach runtergeht.
Noch ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für viele Unternehmen ein Feigenblatt. Doch der Druck steigt, sich nicht nur auf dem Papier familienfreundlich zu geben: Heute gibt es auch Männer, die sich einen anderen Job suchen, wenn der Arbeitgeber nicht einlenkt.

Es findet ein Umdenken statt

Fündig werden sie etwa auf dem Jobportal Teilzeitkarriere.ch. Dort gibt es auch eine Auflistung der Firmen, die 2015 am meisten Teilzeitstellen ausgeschrieben haben. Auf diesem Ranking haben Manor, der Kanton Bern und Aldi Suisse die Nase vorn, die Migros belegt Platz 12.

Insgesamt dominieren der Detailhandel, das Gesundheitswesen und die Verwaltung die Top 100. Aber auch in anderen Branchen findet ein Umdenken statt. Ein Beispiel vom Bau ist die Berner Varium Bau AG. Die Firma beschäftigt 20 Mitarbeiter, 15 davon arbeiten mit einem reduzierten Pensum. Unter den Teilzeitern ist auch Betriebsleiter Simon Schumacher (33). Er arbeitet zu 60 Prozent, jeweils von Mittwoch bis Freitag. In der ersten Wochenhälfte betreut der gelernte Maurer seine drei Kinder und den Hof, auf dem er mit seiner Familie lebt.

Männer, die sich an der Familienarbeit beteiligen wollen, sind längst keine Einzelkämpfer mehr. Männerorganisationen setzen sich auf nationaler Ebene für ihre Anliegen ein. So etwa Männer.ch mit der Kampagne «Der Teilzeitmann» sowie einer geplanten Initiative für einen 20-tägigen Vaterschaftsurlaub, die noch in diesem Jahr lanciert werden soll.

Weitere Infos: Teilzeitkarriere.ch

Autor: Andrea Freiermuth

Fotograf: Beat Schweizer