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06. Februar 2012

Ein junger Berner erobert die Kinosäle

Max Hubacher war im Erfolgsfilm «Der Verdingbub» so gut, dass er an der Berlinale als «Shooting Star» auftreten darf. Und als Nächstes spielt der 18-Jährige bereits an der Seite des britischen Filmstars Jeremy Irons.

Max Hubacher
Max Hubacher ist trotz seines grossen Erfolgs bescheiden geblieben.

Das Berliner Sprungbrett: Die Schweizer Shooting Stars vor Hubacher, die Top Ten der Schweizer Filme mit dem Verdingbub und Ihr Favorit...

Erst mal die Schule fertig machen. Das sieht Max Hubacher (18) genauso wie seine Eltern. «Natürlich wäre es fantastisch, wenn ich von der Schauspielerei irgendwann mal leben könnte, aber davon kann ich ja nicht ausgehen.» Und das sagt der junge Berner, obwohl es im Moment kaum besser laufen könnte. Sein Film, «Der Verdingbub», lockte mit über 200 000 Zuschauern mehr Leute ins Kino als jeder andere Schweizer Film seit 2006. An den Solothurner Filmtagen erhielt er die Nomination für den Schweizer Filmpreis «Quartz 2012» als bester Haupt­darsteller — und am 11. Februar, an der Berlinale, ist er als sogenannter «Shooting Star» eingeladen, ein Titel, den er mit neun weiteren jungen Nachwuchshoffnungen aus ganz Europa teilt.

Auf Berlin freut sich Max Hubacher ganz gewaltig, auch wenn ihn der Rummel dort schon jetzt ziemlich nervös macht. «Ausserdem läuft dort alles auf Englisch, das kann ich zwar einigermassen, aber es wird sicher nicht ganz leicht.» Er wird vier Tage in der Stadt verbringen, die er schon von früheren Besuchen her kennt und sehr mag, aber das Programm ist derart dicht, dass er wohl diesmal nicht viel anderes zu sehen bekommt. Deshalb nimmt er weder seine Familie noch die Freundin mit. «Ich hätte dort eh fast keine Zeit für sie.»

Und zwei Tage Schule verpasst er auch. Schon wieder. Aber inzwischen hat er sich daran gewöhnt, Stoff nachzuholen. Nach den Dreharbeiten zum «Verdingbub» musste er einen ganzen Monat aufarbeiten. «Ich war nie ein besonders guter Schüler, aber bis jetzt bin ich immer so durchgekommen.» Das nächste halbe Jahr allerdings ist entscheidend. Im Sommer stehen die Schlussprüfungen und -arbeiten für ­seine Fachmatur im Bereich Informa­tion/Kommunikation an, die er unbedingt schaffen will. Dann hat er etwas in der Hand, auf dem er aufbauen kann, falls es mit der Schauspielerei dann doch mal nicht so gut läuft.

Mit 13 Jahren schon im Zürcher Schauspielhaus auf der Bühne

Bereits mit sieben Jahren stand Max zum ersten Mal auf einer Bühne, als Hofnarr in einem Kindertheater. Seit Jahren spielt er zudem in einem Berner Jugendclub Theater, und mit 13 schaffte er es ins Zürcher Schauspielhaus, in einer Nebenrolle eines Stücks von Robert Walser. «Meine Mutter hat den Aufruf fürs Casting gesehen und gefragt, ob das nicht was für mich wäre. Ich habe es versucht und glücklicherweise die Rolle bekommen.» Damals realisierte er, dass die Schauspielerei wirklich etwas für ihn sein könnte. «Es war so anders als die Schule, die damals sowieso nicht so gut lief. Etwas, das ich machen wollte, nicht machen musste.» Ein offenes Casting brachte ihm auch seine erste Filmrolle in Mike Schaerers «Stations­piraten» (2010), einem Drama über fünf jugendliche Krebspatienten in einer Kinderklinik.

Max Hubacher (links) als Verdingbub in einer Szene mit dem Sohn des Bauern (Maximilian Simonischek).
Max Hubacher (links) als Verdingbub in einer Szene mit dem Sohn des Bauern (Maximilian Simonischek).

«Der Verdingbub» allerdings ist ein anderes Kaliber, eine Hauptrolle, und dann erst noch in einem Film, der ein besonders düsteres Kapitel der Schweizer Sozialgeschichte erzählt. «Ich hatte vor dem Casting keine Ahnung von all dem und musste mich erst mal einarbeiten», sagt Max, dem seine Figur während der Dreharbeiten zwischenzeitlich ziemlich an die Nieren ging. Dass er auch im Film Max heisst, ist Zufall und im Drehbuch schon so vorgesehen gewesen, bevor er die Rolle bekam. «Es ist wichtig, dass die Leute Bescheid wissen, was damals in der Schweiz passiert ist», findet er.

Ich bin immer noch der Gleiche wie vorher.

Niemand konnte ahnen, dass der Film so gut ankommen würde, gerade auch wegen des schwierigen Themas. Umso grösser ist nun die Freude. Max Hubacher räumt ein, dass seine Eltern «wohl schon ziemlich stolz» sind, betont aber, dass das für ihn überhaupt nichts ändert. «Ich bin immer noch der Gleiche wie vorher, auch in der Schule ist nichts anders.» Mit seinen Freunden ist er viel und gern unterwegs, Snowboarden, Nachtschlitteln, am Wochenende ab und zu auch in Clubs. Und sie sehen zusammen viele Filme an. «Ich habe eine grosse Sammlung zu Hause und gucke alles. Aber meine Favoriten sind düstere Thriller wie ‹Seven›, ‹Inception› oder ‹Shutter Island›.»

Wenn er es sich aussuchen dürfte, würde er am liebsten mal in einem Thriller einen Psychopathen spielen, so was wie Kevin Spacey in «Seven». «Aber das liegt nicht in meiner Hand. In dieser Branche gibt es keine Garantien. Es ist nur schon Glück, wenn ich überhaupt weitere Rollen finde.»

Max Hubacher hofft auf einen Kaffee mit Jeremy Irons

Eine hat er bereits, allerdings eine sehr kleine, wie er mehrfach betont. «Eigentlich eine Statistenrolle.» In der starbesetzten Verfilmung von Pascal Merciers «Nachtzug nach Lissabon» spielt er einen Schüler. «Ich habe nur gerade einen Drehtag.» Allerdings immerhin einen mit Hauptdarsteller Jeremy Irons, dem grossen britischen Filmstar. «Vielleicht ergibt sich ja die Chance, mit ihm einen Kaffee zu trinken», sagt Max und lacht.

Nach der Fachmatur im Sommer wird sich der junge Berner in Deutschland an einer Schauspielschule bewerben, am liebsten in Berlin oder Hamburg. Und auch sonst will er noch ein bisschen in der Welt herumkommen. «Einfach etwas Neues sehen und machen.» Aber eben: Erst ist nun die Schule dran. Nach der Berlinale ist vor allem Lernen angesagt.

Fotograf: Jorma Müller